Jahrelang wütet ihr alkoholabhängiger Vater, fügt Sandra Wunderli, 34, körperlich und seelisch tiefe Wunden zu. In ihrer Verzweiflung beginnt sie später sich selbst zu verletzen. Ihr Herz liegt in Ketten.
Sandra Wunderli wächst mit zwei jüngeren Geschwistern in ärmlichen
Verhältnissen im Grossraum Köln auf. Die ganze Familie leidet unter den
Gewaltexzessen des alkoholabhängigen Vaters. Auch Sandras Mutter trinkt.
Im Suff schafft sie es oft nicht aus dem Sofa, geschweige denn an den
Herd. Zweimal muss Sandra mit ihren Geschwistern zusehen, wie der Vater
versucht, ihre Mutter umzubringen. «Es war die Hölle auf Erden»,
erinnert sie sich. Sie selbst sei von ihrem Vater immer wieder mit
Stahlkappenschuhen am Kopf traktiert und gegen Wände geschleudert
worden. «Wenn wir weinten, drohte weitere Gewalt.»
Selbsthass und –zweifel
Als Sandra 13 Jahre alt ist, flüchtet ihre Mutter mit den Kindern in
ein Frauenhaus. Später schlägt sich Sandra mit Gelegenheitsjobs durchs
Leben. Sie traut nichts und niemandem – am wenigsten sich selbst. Als
Sandra realisiert, dass sie das unbeherrschte, gefühlskalte Wesen ihres
Vaters in sich trägt erschrickt sie. «Am liebsten hätte ich einen
Ganzkörper-Blutaustausch gemacht», erklärt sie.
Ritzen, um sich zu spüren
Etwa zwanzigjährig beginnt sie, mit Schlüsseln ihre Arme zu ritzen
und sich Gabeln in die Oberschenkel zu stechen. Im Ritzen spürt sie
Erleichterung: «Der äussere Schmerz betäubte die inneren Qualen.»
Aufbruch in die Schweiz
Über das Internet vermittelt Sandra dem Schweizer Stefan Wunderli
2003 einen Ferienort. Als Dank lädt dieser sie in die Schweiz ein.
Stefans Ausstrahlung und Fröhlichkeit ziehen Sandra sofort an, sind ihr
aber auch suspekt. Stefan erzählt von seinem Glauben an Gott, schenkt
ihr den Bestseller «Jesus unser Schicksal». Sandra verschlingt das Buch.
Von Kindsbeinen an wurde ihr eingetrichtert, dass es Gott nicht gibt,
geschweige denn, dass er sie liebt und ihr neues Leben schenken möchte.
Warmes Wunder(li)
Um Stefan zu beweisen, dass es keinen liebenden Gott geben, und sich
in ihrem Leben nichts verändern könne, legt sie sich aufs Bett. Dann
spricht sie das Gebet, das auf der letzten Seite des Buches steht,
bekennt darin Gott ihre Schuld. Kurz darauf durchdringen sie Wärmewellen
von Kopf bis Fuss. Sandra erfährt eine tiefe Liebe, Frieden,
Geborgenheit und Freude.
Krasse Kehrtwende
Auch spürt sie ihr Herz wieder schlagen, das zeitlebens in
Eisenketten gelegen habe. «Eine Fessel nach der anderen flog ab»,
erinnert sich Sandra. Auf einmal kann sie sich selbst und ihre
Mitmenschen annehmen. verschlingt das Buch. Von Kindsbeinen an wurde ihr
eingetrichtert, dass es Gott nicht gibt, geschweige denn, dass er sie
liebt und ihr neues Leben schenken möchte.
Heilung und Befreiung
Auch körperlich erlebt Sandra Wunder. Der Drang, sich zu ritzen,
verschwindet. Und als während eines Gottesdienstes Menschen für sie
beten, wird sie von ihrem Schilddrüsenleiden befreit. Als gewaltige
Befreiung erlebt sie auch den Moment, in dem sie ihrem Vater vergeben
kann. Heute ist Sandra glücklich mit Stefan verheiratet. Ihr Temperament
und ihre beiden Kinder fordern sie zwar immer wieder heraus. Doch der
Glaube an Jesus hilft ihr je länger je mehr, Ruhe und Nerven zu
bewahren.
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