Aufklärung

Perfekter Halt oder falsche Sexualmoral?

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Wie sollen Schüler über Liebe und Sexualität aufgeklärt werden? Die Meinungen der Aids-Hilfe und der EVP gehen auseinander.
Es heisst «ceylor Hotshot» und verfügt über eine verengte Öffnung, die für den perfekten Halt sorgt. Das neu entwickelte Jugendkondom wird von der Aids-Hilfe Schweiz in den Schulen verteilt. Dagegen wehrt sich die EVP: Mit der Abgabe des Kondoms würden die Schüler unter Druck gesetzt, früher Geschlechtsverkehr zu haben, als sie eigentlich möchten.

Das Präventionsprojekt «Spass nach Mass» der Aids-Hilfe Schweiz soll Schülerinnen und Schüler über Themen wie Sexualität, Verhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten aufklären. «Die Frage der richtigen Kondomgrösse und das Verteilen von Kondomen ist ein Bestandteil davon», erklärt Bettina Maeschli, Mediensprecherin der Aids-Hilfe Schweiz, gegenüber Livenet. Das passiere in der Regel in Klassen der Oberstufe.

«Es geht um die Gesundheit»

Das «ceylor Hotshot», das auch im Verkauf erhältlich ist, wird den Schülern in einer Box zusammen mit einem «ceylor Blauband» und einem Sachet Gleitmittel abgegeben. «Die Jugendlichen sind heute einer Fülle von sexualisierten Bildern ausgesetzt», so Maeschli. «Diesem Druck müssen wir etwas entgegensetzen.» Neben dem jugendgerechten Gespräch über Liebe, Sexualität und Verhütung sei es auch wichtig, dass die Jugendlichen ein passendes Präservativ zur Hand hätten, wenn sie sexuell aktiv werden. «Schliesslich geht es um ihre Gesundheit. Und darum, dass sie frühzeitig lernen, wie man sich vor HIV und ungewollten Schwangerschaften schützt. So setzen sie sich auch als Erwachsene keinen Risikien aus», erklärt Maeschli.

«In der sexuellen Entwicklung überfordert»

«Selbstverständlich müssen die Kinder über Sexualität aufgeklärt werden. Auch das Interesse am anderen Geschlecht ist durchaus normal», schreibt die EVP in einer Medienmitteilung. «Uns geht jedoch entschieden zu weit, dass Kindern mit solchen Kampagnen in ihrer sexuellen Entwicklung überfordert werden.» Die Schule müsse Werte vermitteln, die aufs Leben vorbereiten. «Eine Sexualmoral nach dem Motto "Anything goes - Hauptsache, das Kondom passt" gehört da nicht dazu.»

Mit dem Verteilen der Kondome steige der Druck auf die Jugendlichen, diese auch zu benützen und somit früher Geschlechtsverkehr zu habe, als sie eigentlich möchten. «Die Sexualpädagogik an Schulen darf sich nicht von der Aids-Prävention instrumentalisieren lassen. Junge Erwachsene und Kinder müssen unbehelligt von Druck- und Lobbyingversuchen entscheiden können, wie sie ihre sexuelle Entwicklung erleben wollen.» Das Elternhaus habe dabei Vorrang vor der Schule, so die christliche Partei.

Mit Verhütung beschäftigen

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«Ceylor hotshot»: Das neu entwickelte Jugendkondom wird an Schulen verteilt - und sorgt für Kontroversen.
Klar könne auch die EVP nicht verhindern, dass Jugendliche schon früh Sex haben, erklärt ihr Mediensprecher Niklaus Hari auf Nachfrage von Livenet. «Wir müssen uns der Realität stellen, und es ist klar besser, wenn die Jugendlichen dabei wenigstens verhüten.» Gerade auch christliche Kreise sollten das Thema Verhütung nicht unter den Teppich kehren.

Aus diesem Grund habe sich die EVP auch nicht gegen die Entwicklung des Jugendkondoms ausgesprochen. «Es ermöglicht eine sichere Verhütung. Deshalb soll und muss es an den üblichen Stellen zum Verkauf angeboten werden.» Eine Verteilung an den Schulen sei jedoch nicht nötig, so Hari. «So können jene das Kondom kaufen, die es benutzen wollen. Wenn alles Schüler automatisch ein Kondom erhalten, müssen sie sich die Frage stellen, was sie nun damit machen sollen - das erzeugt einen gewissen Druck.»

«Kondomverteilung ist irreführend»

Die Bedenken der EVP werden auch von Daniel Kummer vom Fachkreis Pädagogik der Vereinigten Bibelgruppen (VBG) geteilt. «Sexualaufklärung ist, in Unterstützung der Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe, auch eine Aufgabe der Schule.» Diese solle aber von pädagogischen Gesichtspunkten geleitet sein, da es um einen beziehungsbewahrenden Umgang gehe und nicht bloss um technisch-medizinische Instruktion. «Kondomverteilung an Schüler ist deshalb irreführend», ist Kummer überzeugt.

Nicht jünger als früher

Die Aids-Hilfe Schweiz versteht die Kritik nicht. Mediensprecherin Maeschli: «Wir betreiben seit bald 25 Jahren Aidsprävention, informieren Jugendliche über das richtige Schutzverhalten, verteilen Kondome und zeigen, wie man sie richtig anwendet.» Mehrere Studien würden zeigen, dass damit das Ziel, den Kondomgebrauch bei Jugendlichen zu fördern, erreicht werde. «80-90 Prozent der Jugendlichen benutzen heute beim "Ersten Mal" ein Kondom.» Entgegen der gängigen Meinung seien Jugendliche bei ihrer ersten sexuellen Erfahrung heute nicht jünger als vor 30 Jahren, so Maeschli. «Daran wird auch das Jugendkondom nichts ändern.»
Datum: 03.03.2010
Autor: David Sommerhalder