Kambodscha

Auf der Flucht vor der Mutter und den Roten Khmer

Enttäuscht verliess er als 16-Jähriger seine Adoptiveltern. In der Stadt traf Sinath Prom auf eine Gruppe Christen. Er begann zu träumen. Was folgte, war ein Trauma. Der 48-jährige Maschinenoperateur berichtet.

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Kambodscha
Am 21. März 1955 bin ich in Cheung Oh, Provinz Battambang, in Kambodscha geboren worden. Mein ursprünglicher Name war Veth. Meine Mutter verstarb kurz danach an einem Herzversagen. Als Zollbeamter wurde mein Vater oft von Station zu Station versetzt, weshalb er nicht für mich sorgen konnte. So wurde ich mit drei Monaten von einer buddhistischen Familie adoptiert. Von da an hiess ich Moeuy Prom, gut sieben Jahre lang. Bei meiner Einschulung verpasste man mir dann meinen heutigen Namen Sinath.

Verbitterte Mutter

Meine Adoptivmutter konnte keine eigenen Kinder bekommen. Dieser Umstand liess sie bitter werden, trotz meiner Adoption; ich erlebte zu Hause wenig Liebe und Zärtlichkeit. Mein Adoptivvater war wohl verständnisvoller, doch gab es öfters Streit mit der Mutter.

Die Unzufriedenheit verleitete mich zu ersten Diebstählen. Die eigene Bitterkeit wuchs. Mit 16 Jahren verliess ich mein Zuhause, um künftig in der Provinzhauptstadt Battambang zu studieren.

Ein erstaunlicher Traum

Meine Studiennachbarin Kimly lud mich 1974 zu einer Evangelisation ins Olympia-Stadion ein. Die Musik und die Vorträge gefielen mir nicht schlecht. In der folgenden Nacht träumte ich, in der jungen Evangelisationsgruppe mitzuarbeiten – dabei war ich gar nicht gläubig ... Am fünften Tag wurde ich zum Gottesdienst der evangelikalen Gemeinde eingeladen. Schon beim Tritt über die Türschwelle begann ich zu zittern. Ich erkannte sofort, dass ich als Sünder vor diesem Gott nicht bestehen konnte.

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In Frankreich Asyl gefunden: Sinath Prom (zweiter von rechts) im Kreis seiner Familie.
Dann wurde mein Traum Wirklichkeit! Zwei Wochen später überbrachte ich die frohe Botschaft in Begleitung eines Pastors meinen Eltern. Meine Mutter vertrug meine Lebenswende schlecht. Vier Monate später besuchte sie mich in Battambang und bedrohte mich massiv, damit ich dem christlichen Glauben wieder den Rücken zukehre. Dann schlug sie mit einem Stock auf mich ein, so dass ich mit dem Fahrrad flüchtete. Getrieben von Angst, fuhr ich zum Gemeindesaal. Vor Schock und Schmerzen fiel ich dort für fast einen Tag in Ohnmacht.

Eine neue Familie

In dieser schwierigen Situation hat mir Gott eine neue Familie geschenkt: die Gemeinde. Die Gebetsstunden und die Jugendgruppe sowie die evangelistischen Einsätze an fast jedem Tag liessen mich schnell im Glauben wachsen. Die Gemeinde beschloss, dass ich von dem leben sollte, was über den Verkauf von Evangelien und Neuen Testamenten hereinkam.

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Die roten Khmer heute: Von der Vergangenheit gezeichnet und demoralisiert.

Auf der Flucht

Am 17. April 1975 stürzten die Roten Khmer das Königreich Kambodscha. Getrieben von einem fanatischen Kommunismus, sollten alle Menschen Bauern werden. Sonst würden sie verfolgt und aus Kambodscha vertrieben. Innerhalb von drei Tagen mussten alle Studenten in kleine Dörfer umsiedeln. Mit meinen zukünftigen Schwiegereltern flüchtete ich in das Dorf ihrer Grosseltern. Am 30. April heiratete ich Ravy Pol, auch damit wir gemeinsam im Land bleiben konnten. Zwangsarbeit rund um die Uhr war an der Tagesordnung, sogar für die Kinder. Die Suche nach Nahrung führte uns immer mehr in Richtung Osten.

1979 wurden wir mit anderen 30'000 politischen Flüchtlingen in einem UNO-Camp aufgenommen. Die Amerikaner liessen uns viel Glaubensfreiheit. Nach einem Jahr bestand im Camp eine Gemeinde mit 1000 Gliedern.

Da der Schwiegervater in Frankreich Asyl gefunden hatte, durfte 1981 die ganze Familie nach Frankreich ziehen. Schliesslich landeten wir in der Region von Oyonnax, weil man da gute Arbeit fand. Weiterhin beten wir für meine Mutter, damit auch sie Gott kennenlernen darf.

Autor: Sinath Prom
(Übersetzung Marc Finkbeiner)


Quelle: Chrischona Magazin

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