Geschichte einer kleinen Frau

«Ich kann etwas und brauche Jesus dennoch»

Kathrin Keller ist kleinwüchsig. Körpergrösse 128 cm steht in ihrem Reisepass. Ihr gesundes Selbstvertrauen hat zwei Ursachen. Einerseits die Selbstständigkeit mit der sie erzogen wurde und andererseits ihr Glaube. «Ich kann etwas und brauche Jesus dennoch», lautet ihr Lebensmotto.

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«Ich weiss, Gott steht auf meiner Seite. Das macht mich gelassener und mutiger.»

«Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich ohne Sonderbehandlung erzogen haben», sagt Kathrin. Sie ist mutig ihren Weg gegangen. Hat in den vergangenen 50 Jahren vieles erlernt und erlebt.

Sie hat sich beruflich immer wieder weitergebildet und verändert: Medizinische Laborantin, kirchliche Jugendarbeiterin, Missionarin, Sozialarbeiterin. Sie wagte es, ohne Rücksicht auf ihre kleine Körpergrösse ins Ausland zu reisen und dort ein Kirchenprojekt aufzubauen.

Immer neu beginnen

«Die ersten Begegnungen sind stets die schwierigsten.» Aussenstehende wissen oft nicht, wie sie einer so kleinen Frau begegnen sollen. Manche gehen vor ihr auf die Knie, damit sie auf gleicher Höhe mit Kathrin sprechen können. Das ist ihr dann sehr peinlich. Sie bittet jeweils ihre Gesprächspartner aufzustehen und schlägt dann vor, sich irgendwo bequem hin zusetzen. Sitzend ist der Unterschied viel geringer und die Situation entspannt sich.

Unterschiedliche Reaktionen

Der Grössenunterschied empfindet Kathrin nicht halb so dramatisch wie ihre Gesprächspartner. «Ich kenne ja  keine andere Perspektive. Ich schaue immer von unten nach oben.» Dass ihr fast alle Menschen einige Augenblicke lang nachschauen, nimmt Kathrin oft nur unbewusst wahr. «Es ist einfach so.»

In Asien waren ihre Hautfarbe und die Körpergrösse ein grosses Thema. Oft war sie umringt von Menschen, die sie betrachteten. Die einen lachten sie aus, die anderen bewunderten sie. «Hier in der Kleinstadt ist es wesentlich einfacher. Man kennt mich.»

Kraftquelle gefunden

Kathrins gesundes Selbstvertrauen hat verschiedene Wurzeln: Die Selbstständigkeit mit der sie erzogen wurde, der eher mutige und direkte Charakter und Kathrins Glaube. «Ich kann etwas und brauche Jesus dennoch», lautet Kathrins Lebensformel. Sie ist froh, dass sie im Glauben eine starke Kraftquelle gefunden hat. «Ich weiss, Gott steht auf meiner Seite. Das macht mich gelassener und mutiger. Ich muss nicht selber kämpfen und mir auch nicht alles gefallen lassen.»

Niemand ist bedeutungslos

Aber vielleicht wichtiger als alles andere ist für Kathrin die Gewissheit, einen konkreten Auftrag in dieser Welt zu haben. Niemand ist bedeutungslos. Ihren ganz persönlichen Beitrag sieht Kathrin darin, so zu leben, dass Mitmenschen sehen,nes gibt ein lohnenswertes Leben – sowohl für Behinderte, als auch für Menschenbohne Behinderung. Lohnenswert, weil Gott dem Leben Wertbund einen tiefen, bleibenden Sinn gibt.

Gesamtpaket stimmt

Oft sagen Menschen zu Kathrin: «Du bist eine starke, mutige Frau!» Sie selber ist überzeugt, dass ihre Kraft und ihr Selbstvertrauen ganz stark mit ihrem Glauben zusammenhängen: «Ich und mein Glaube sind ein Paket», sagt sie und formt dabei lachend ihre kleinen Hände, wie wenn sie ein grosses Paket halten würden. «Wir gehören ganz zusammen. Jesus und ich – dieses starke Paket kann man nicht auseinanderdividieren!»

Auch Schattenseiten

Doch Kathrin kennt auch schwierige Jahre, wo ihr Glaube auf die Probe gestellt wurde. Sie musste Pläne aufgeben. Sie fühlte sich einsam und hatte Angst vor dem eigenen Mut.

In dieser Zeit holte sie sich bei einer Seelsorgerin Hilfe. Ihre barmherzige Seite wurde in dieser Zeit gefördert. Sie erkannte, wie grob sie in der Vergangenheit gekämpft hatte – hart zu sich und andern.

«Jesus hat mich nie verlassen»

Sie hat in dieser Zeit der inneren Prozesse viele Texte über das Leben von Jesus gelesen. Dabei hat sie entdeckt, dass Jesus zuerst einmal gibt. «Er hat mich in den schwierigen Jahren nie verlassen. Er beschenkt mich. Mein Glaube gibt heute meinem Leben eine sanfte, einfühlsame Seite, so dass ich nicht mehr so hart mit mir und mit anderen bin!»

Ohne ihren Glauben an Jesus Christus wäre Kathrin wohl bitter und zynisch. «Der Glaube liess mich meine sanfte Seite entdecken.» Kathrin kann aber auch heute noch ganz schön kämpfen. Kognitiv und verbal. Mit Körperkraft hat sie wenig auszurichten, das hat sie früh begriffen. Aber denken kann sie scharf und klar. Und auch formulieren ist ihre Stärke. Mündlich und schriftlich hat sie was drauf.

Lebensqualität

Es ist für Kathrin sehr befreiend, dass sie ihre Alltagssorgen mit jemandem teilen kann, der sie durch und durch kennt. «Jesus weiss, wie ich mich fühle. Er liebt mich. Er versteht mich, wenn ich nach getaner Arbeit nudelfertig bin.»

Kathrin arbeitet als Sozialarbeiterin mit drogenabhängigen Menschen. Diese Arbeit fordert heraus. Nicht selten kommt sie sehr erschöpft und müde heim. Doch dann ist da noch der Haushalt und das Trampolin. Kathrin muss ihren Körper fit halten. Die gesundheitlichen Risiken sind bei kleinwüchsigen Menschen gross.

Kathrins Gelenke haben sich auch schon ganz schön abgenützt. Die Röntgen bilder zeigen deutliche Spuren der Zeit. Ihr Arzt staunt, dass sie keine Schmerzen hat. Und Kathrin ist dafür dankbar. Gott dankbar. Für sie ist gute Lebensqualität ein Geschenk,
zu dem man einiges beitragen kann.

Neue Pläne

Vorwärts schauen ist immer wieder wichtig. Kathrin ist voller Tatendrang. Es zieht sie wieder in die weite Welt hinaus. Zurück auf die Philippinen. Dort möchte sie Menschen helfen. Ihre sozialen und ihre theologischen Fähigkeiten und Erfahrungen für ihre Mitmenschen einsetzen. Einen Auftrag an den Ärmsten ausführen.

Aber sie weiss, einfach wird es nicht werden. Ganz nach ihrem Credo: „Ich und Jesus. Jesus und ich! Zusammen sind wir stark.“ Ohne ihr Gottvertrauen hätte Kathrin wohl vieles nicht gewagt und auch nicht gemeistert. «Ich will immer wieder neu lernen, Gott alles zuzutrauen».

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Autor: Hans Ueli Beereuter
Quelle: TextLive / Bearbeitung: Jesus.ch

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