Der Durchbruch

Wie in meinem Leben der Nebel wich

Auch die besten familiären und sozialen Bedingungen und Erfolg im Leben sind keine Garantie für einen befreienden Glauben und ein gelingendes Leben. Ursula Häberling machte schmerzliche Umwege, bis sie echten Frieden fand.

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«Ich habe Gottes allumfassende Zusage erlebt: 'Siehe, ich mache alles neu'.»
Geborgenheit

Wie sehr prägte doch die Sehnsucht nach bedingungsloser Annahme meine Jugendzeit. Dabei gab es äusserlich gesehen keinerlei Grund dazu. Ich hatte ja alles: aufgewachsen in einer Familie mit klaren Wertvorstellungen, Eltern, die uns drei Kinder zu sinnvoller Freizeitbeschäftigung ermutigten, Haustiere, für die wir Verantwortung zu übernehmen hatten. In der Schule hatte ich keine Probleme.

Der Umgang mit anderen Menschen und Begabungen auf den verschiedensten Gebieten machten mich für viele Menschen zum «Liebkind». Zu Hause jedoch stellte ich meine Mutter mit meinem Trotzkopf vor manche erzieherische Knacknuss.

Mein Temperament war kaum zu bremsen. Und da ich diese Energien ins Sporttreiben und Musizieren investierte, stellte sich bald Erfolg ein. Ich wurde bewundert, beneidet – und dennoch: wie ein grauer Nebel begleitete mich die Sehnsucht nach tiefer Geborgenheit durch die Jugendzeit.

Während meiner Ausbildung zur Primarlehrerin lernte ich Menschen kennen, die offenbar diese innere Zufriedenheit gefunden hatten. Im Geheimen beneidete ich sie. Diese Christen besassen etwas, das mir fehlte. Doch ihr Leben schien mir so unattraktiv – nichts für mich, die ich dauernd auf Achse und von hundert Ideen beseelt war.

Glaube und Bibel? – Nicht für mich

Nein, ich wollte leben! Sicher würde sich meine Sehnsucht in einem meiner Träume stillen lassen. Im Wunschberuf Turn und Sportlehrerin vielleicht? Doch auch während meinem Studium an der ETH Zürich war der dumpfe Nebel, der mich umgab, mein ständiger Begleiter. Äusserlich war ich erfolgreich, scheinbar ohne Probleme, aber in meinem Herzen blieb es grau und leer.
Da erinnerte ich mich an meinen Kindertraum «Zirkus». Ich unterbrach mein Studium, um während einer Saison mit einem Zirkusunternehmen mitzuziehen als Artistin, Clown, Nummerngirl, Programmverkäuferin, Plakatiererin...

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Foto aus der Zirkuszeit
Mit zunehmender Routine jedoch überschattete auch hier der altbekannte Nebel wieder die anfängliche Begeisterung. Wie wurde ich um meine Erlebnisse, den Applaus, den Glitzer und Glimmer beneidet aber die Freiheit und die gesuchte Geborgenheit fand ich auch hier nicht. Körperlich bis zum Äussersten gefordert, war mir Ende Saison klar: die Verwirklichung meines Kindertraumes war um der Erlebnisse und Erfahrungen willen wohl sehr wertvoll, vermochte aber das mir Fehlende nicht zu geben.

Weitere vier Semester Ausbildung folgten, und ich setzte meine Hoffnung in eine Freundschaft: sich gegenseitig voll vertrauen, füreinander da sein können... In mir sträubte sich etwas, als die Sexualität immer mehr Bestandteil unserer Liebe wurde. Ich konnte meine Widerstände nicht begründen und stufte sie als Folge meiner konservativen Eltern und der Kindheit auf dem Lande ein.

Eine Schwangerschaft veränderte alles

Ich wurde ungewollt schwanger. Mein Freund hatte sich von mir abgewendet, noch ehe ich von meiner veränderten Lebenssituation wusste. Als der Arzt mir die Neuigkeit eröffnete, schossen Gedankenblitze durch meinen Kopf: Abtreibung, Selbstmord, Auswandern. Doch nur wenige Augenblicke später hörte ich die Herztöne meines Kindleins.

Dieses schnelle Pulsieren weckte sofort Gefühle des Beschützens. Dieses Wesen wollte ich umsorgen und mich für sein Leben einsetzen. Der Ultraschall wenige Tage später deckte eine Zwillingsschwangerschaft auf: doppelte Verantwortung, doppelt, doppelt...!

Ich war bereits in der 16. Schwangerschaftswoche, mitten im Abschluss des Studiums. Die verbleibende Zeit musste also sehr bewusst genutzt werden. Drei Monate später hatte ich meine schulischen Aufgaben hinter mir, konnte nun endlich vorwärts blicken. Wie freute ich mich auf meine Kinder, die in etwa zwölf Wochen zur Welt kommen sollten!

Nur ein paar Tage später erlebte ich weit weg von zu Hause eine Frühgeburt. Es bestand wenig Hoffnung, dass meine beiden Mädchen den viel zu frühen Start überstehen würden. Nach vier Tagen musste ich von Nina Abschied nehmen.

Und das tat weh. Unsagbar tief brannten die Wunden dieses Schmerzes. Das andere Kindlein hatte einen unbeschreiblichen Lebenskampf zu bestehen: wochenlanges Beatmen, Infektionen aller Art. Mir selbst war, als schnürte mir dauernd jemand die Kehle zu. Schreckliche Alpträume und Einsamkeit plagten mich, weit weg von meiner vertrauten Umgebung und mir nahestehenden Personen. Da konnten mich alle Erfolge und Erlebnisse nicht aufrichten. Mein Mädchen überlebte, und nach 10 Wochen Spitalaufenthalt kehrte ich mit Kathrin in die Ostschweiz zurück.

Siegerin im Turnfest – doch der Nebel blieb

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Bald schon setzte sich mein Trotzkopf wieder durch. Ich entzog mich der liebevollen Fürsorge meiner Mutter. In alter Hartnäckigkeit machte sich auch der graue Nebel wieder breit. Nun blieb nur noch der sportliche Grosserfolg, um die Leere auszufüllen. Der Sieg am Eidgenössischen Turnfest in Winterthur war das Gewünschte, doch als mir die Goldmedaille umgehängt wurde, war mir einmal mehr klar: auch dieses Ziel zeigte nicht die gewünschte Wirkung. Der Nebel in mir blieb.

Sollte dieser Schrei nach Geborgenheit, nach Erfülltsein ewig da sein? Wiederum stand ein schmerzerfülltes «Warum» vor mir, als das Bübchen meines Bruders, fast gleich alt wie meine kleine Kathrin, eine Herzoperation nicht überlebte.

Mitten im Schmerz war mein Bruder da. Er, der Vater des verstorbenen Kindes, war es, der mich tröstete. Er erzählte mir von seiner Hoffnung, die ihn trotz des unerwarteten Ausgangs der Operation durchtrug: Jesus Christus. Ihm hatten er und seine Frau zwei Wochen zuvor ihr Leben übergeben, und in ihm wussten sie sich nun in dieser schweren Zeit geborgen. Da musste doch etwas dran sein.

Mein damaliger Freund zog alle Fragen ins Lächerliche. Ich selber war hin- und hergerissen. Der plötzliche Tod meines Vaters im selben Jahr liess meine Fragen nach Sinn und Ziel meines Lebens noch stärker aufflammen. So konnte und so wollte ich nicht weiterleben.

Ein Selbstmordversuch war das Resultat meiner Verzweiflung. Allmählich erholte ich mich; mir war, als wäre ich von Kopf bis Fuss in zähen, klebrigen Lehm eingehüllt, der mir kaum Raum zum Atmen liess. Im Verlauf vieler Gespräche über Gott und die Bibel schien mir, als würde diese Lehmmasse langsam trocknen und abzubröckeln beginnen.

Alles neu – wirklich?

Jesus Christus? War er die Antwort auf meine Fragen? Was hatte ich denn noch zu verlieren? Gab es überhaupt noch einen tieferen Punkt als den, auf dem ich mich befand? War er die Antwort, er, der verspricht: «Siehe, ich mache alles neu»? War Jesus ein rettender Strohhalm oder gar die rettende, erlösende Hand?

Tränenüberströmt bat ich Jesus Christus, mir meine Lasten abzunehmen, sein Versprechen an mir zu erfüllen, mein Leben zu erhellen. Ein unerwarteter, aber umso mehr ersehnter Friede erfüllte mein Herz. Der Nebel, der mich ständig verfolgt hatte, ist seit diesem verzweifelten Gebet verschwunden. Was nun folgte, hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt: Heilung meiner verletzten Seele, Lösung meiner Probleme als alleinerziehende Mutter, und in mir entstand der Wunsch nach einer Familie im biblischen Sinn.

Bis in die tiefsten Winkel meines Innersten durfte ich nach und nach ruhig werden und Heilung erfahren. Heute blicke ich voller Dankbarkeit zurück. Als glückliche Ehefrau und Mutter von nun vier grossen Kindern bleibt mir nur das Staunen über Gottes Liebe, über sein «Ja» zu mir, über seine Hilfe bei Problemen, über seine allumfassende Zusage, die ich so konkret erlebt habe: «Siehe, ich mache alles neu.» Ihm will ich jeden Tag neu von Herzen vertrauen.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von TextLive zur Verfügung gestellt.


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Quelle: Textlive

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