Xavier Naidoo

„Ich habe keine Angst vor dem Tod“

Der in Mannheim geborene Sohn afrikanischer Eltern ist mit den "Söhnen Mannheims" musikalisch sehr erfolgreich. Seine Songs erzählen vom Himmel, von der menschlichen Seele und sind oft eine regelrechte Hymne an Gott.

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Xavier, auf eurer CD "Zion" stehen neben den Liedtexten auch Bibelverse aus den Psalmen. Warum habt ihr diese mit auf das Album geschrieben?
Xavier Naidoo: Einerseits, um die Leute neugierig zu machen, andererseits auch, um den Leuten zu zeigen, dass auch das in der Bibel steht und auch das Teil dessen ist, woraus man Kraft schöpfen kann. Zumindest geht es mir so damit und ich habe den Jungs, die in der Band sind, die Sprüche vorher gezeigt. Sie waren alle damit einverstanden.

Bestünde die Möglichkeit für euch, aus einem Psalm ein Lied zu machen?
Das habe ich schon öfters versucht, aber noch nichts veröffentlicht. Viele meiner Lieder spiegeln einiges davon wieder, zum Beispiel, dass David himmelhoch jauchzend Höhen gehabt hat, dann wieder Tiefen, wo er sich verloren fühlte und dachte, es sei alles vorbei, Gott habe ihn zurecht verlassen, weil er zuviel Mist gebaut hatte. Es hilft einem natürlich zu wissen, dass einer wie David, der so viel durchgemacht hat, immer wieder die Güte Gottes erfahren durfte.

Wie bist du in Berührung mit dem christlichen Glauben gekommen? Ganz klassisch mit Religionsunterricht und Konfirmation?
Meine Eltern sind Katholiken; da war sonntags immer Kirche mit Kindergottesdienst angesagt. Dann wurde ich sozusagen als Messdiener dem Pfarrer versprochen. Ich war einige Jahre als Messdiener tätig, habe im Jugendchor gesungen und war in der Jungen Gemeinde. Mit 16 Jahren hörte ich auf, am Gemeindeleben teilzunehmen.

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Xavier Naidoo: "Ich hielt meinen Vater eng umschlungen, als er starb."
Weshalb?
Ich habe die grössten Probleme mit der katholischen Kirche - überhaupt mit den meisten Kirchen - weil ich in dieser Zeit in der Kirche nichts anderes gesehen habe, als Jesus am Kreuz und einen Pfarrer, der davor steht und die Messe zelebriert. Das stelle ich mittlerweile in Frage. Ich habe nichts weiter mitbekommen, als eine Art Gottesfurcht, für die ich jedoch dankbar bin. Als 1992 das „Jahr der Bibel“ war, habe ich an Silvester 91/92 das erste Mal in der Bibel gelesen und bin aus allen Wolken gefallen. Ich habe einfach nur gedacht: Was haben die mir denn all die Zeit erzählt? Warum weiss ich davon nichts? All die Heiligen in der katholischen Kirche, der Papst – ich könnte die nie vor Gott stellen. Ich habe drei Jahre im Alten Testament gelesen. Ich habe es verschlungen. Wow! Jesaja, Jeremia, die zwölf Prophetenbücher, das ist ja eine ganz andere Welt! Sie sprechen immer noch von aktuellen Dingen.

Wie stellst du dir Gott vor?
Ich muss darauf zurückgreifen, was David sagt. Dass er auf den Moment wartet, als lebender Mensch Gott ins Angesicht zu sehen. Er sagt, dass ihm die Toten nichts nützen, weil sie Gott nicht preisen können. Das bringt mir die Gelegenheit nahe, dass auch ich als lebender Mensch irgendwann mal Gott ins Auge blicken kann. Es hört sich für viele sehr naiv und zu weit hergeholt an, aber es gibt für mich nichts Wichtigeres, als zu studieren, zu leben und teilweise auch auf alles andere zu verzichten, monatelang, um einfach dieser Sache nachzugehen.

Du rechnest damit, dass Gott dir morgen begegnen könnte?
Ja. Du bist einfach nur da, um Gott zu loben, ihn tagtäglich zu suchen und zu finden. Für mich gibt es keinen Zweifel. Ich habe nicht einen Glauben an Gott, sondern ein Wissen um Gott. Was ich hier alles sehe, sehe ich als Geschenke, die unser Leben und unsere Umgebung so langsam zum Himmel machen.

Du bist jung, erfolgreich, ein Star. Doch wie ist es mit Krankheiten, schlimmen Schicksalen, …? Könntest du das genauso in deinem Glauben integrieren?
Ja, das habe ich bereits. Dass es Probleme gibt, ist ja auch ein Geschenk. Vielleicht auch, dass ich aus den Problemen heraus immer gute Musik und Lieder schreiben kann. Ich habe mit meinem Vater, der 1992 verstorben ist, sozusagen auch den Tod im Haus gehabt. Ich habe meinen Vater in den Tod begleitet, eng umschlungen, und ich habe gelitten. Ich habe ein gutes Verhältnis zum Tod.

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Xavier Naidoo im Gespräch mit Hanno Gerwin, TV- Moderator.
Der Glaube bestimmt dich sehr stark. Wie sprichst du mit anderen Menschen darüber?
Die Jahre 1993 und 94 waren wahrscheinlich für viele Leute in meinem Umfeld einfach unerträglich. Ich hätte wohl besser damit umgehen können, wenn ich gesagte hätte: Ich habe ein Ufo gesehen! Aber zum Glauben oder zu Gott zu finden, das war für viele einfach nicht tragbar. Sie dachten, ich sei durchgeknallt, zuviel Marihuana oder was auch immer. Ich sagte mir dann: Na gut, ich brauche euch nicht. Ich brauche nur Gott, sonst gar nichts!

Braucht man andere Menschen wirklich nicht?
Wenn es darauf ankommt, will ich lieber allein durchs Leben gehen und Gott haben. Da würde ich sogar meine Mutter in die Wüste schicken, tut mir leid. Da gibt es nichts! Das wissen alle Leute, die um mich herum sind. Das machts für viele sicherlich schwer. Das gilt besonders für eine Partnerin, die weiss, hier in seinem Leben bin nicht ich an erster Stelle.

Kann das überhaupt gehen?
Das geht. Vorausgesetzt, man geht entsprechend respektvoll mit dem Menschen um. Für mich geht es nicht anders.

Das funktioniert aber nur mit einer gläubigen Partnerin?
Meine Partnerin und ich sind jetzt schon seit acht Jahren zusammen. Mit meiner Mutter habe ich über drei Jahre hinweg Glaubenskriege geführt. Ich wollte sie nicht mehr in die Kirche gehen lassen, ich war eine Zeitlang sehr radikal. Aber man kann nur dann so fanatisch sein, wenn man andere toleriert. Und ich bin mir sicher, dass meine Freundin deshalb die Bibel neben dem Bett liegen hat, weil sie merkt, es bringt ihr selbst was.

In manchen Liedtexten benutze ich gewisse Zitate so, dass die Leute aufmerksam werden. „Nur 144’000 werden gerettet“, damit will ich erreichen, dass die Leute selbst nachschauen. Es gibt so viele Gründe, warum Leute in irgendwelche Bücher blicken; aber in die Bibel schauen, da drückt man sich doch eher davor.

Bei der Bibel spielt auch die Frage eine grosse Rolle, was die Menschen, die die Texte geschrieben haben, damit gemeint haben.
Hinter allem steckt einfach Gott. Vielleicht war es für die Leute, die damals gelebt haben, besser, es bildhaft darzustellen.

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Naidoo möchte einen Tag lang auf einem amerikanischen Nachrichtensender die Wahrheit aus seiner Sicht erzählen.
Wenn du einen Wunsch frei hättest, ein einziges Mal, was würdest du dir wünschen?
Eigentlich bin ich wunschlos glücklich. Aber ich würde gerne einen Tag lang auf einem amerikanischen Nachrichtensender die Wahrheit erzählen können, zumindest aus meiner Sicht. Oder auf einer Oskar-Verleihung, bei der eine Milliarde Menschen zusehen, einfach mal ein paar Sachen auf den Tisch knallen.

Zum Beispiel?
Amerika, Politiker - es gibt viele Dinge, aber die versuche ich in Liedern zu verarbeiten, damit ich nicht so angreifbar werde. Im Endeffekt ist vieles so nicht mehr hinnehmbar. Wir müssen eine Generation sein, die der Generation, die uns grossgezogen hat, Alternativen bieten kann zu dem, was in diesem Jahrhundert und letztes Jahrhundert geschehen ist. Das traue ich uns zu. Wenn dabei nur drei Leute mitmachen, dann ist es schon genug, um so viel zu verändern, dass es eine grandiose Zeit wird.

Xavier Naidoo
Am 2. Oktober 1971 als Sohn südafrikanischer Eltern in Mannheim geboren, sammelte Xavier Naidoo schon früh musikalische Erfahrungen im Kirchenchor. Nach der Schule jobbt er als Boutiquenverkäufer und Türsteher im Mannheimer Musik-Club "Milk", wo er auch entdeckt wird. 1992 wird er Sänger. 1994 erscheint sein erstes Album, allerdings nur in den USA. Moses Pelham engagiert ihn für einige Gesangsparts beim Rödelheim-Hartheim Projekt. Unter dem Label 3p tritt Naidoo 1997 zusammen mit Sabrina Setlur und "Frei sein" ins Rampenlicht. 1998 erscheint die erste Solo LP "Nicht von dieser Welt". Nach der Trennung von 3p tritt Xavier Naidoo in vielen Einzelprojekten und mit den „Söhnen Mannheims“ auf.

Filmbeitrag unter www.gerwin.de

Bearbeitung: Iris Muhl


Quelle: Gerwin.de

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