Es war Abend. Ich sass, wie ich es so gerne tat, auf
einer Bank und schaute hinunter aufs Meer. Zum ersten Mal im meinem Leben fuhr
ich allein in den Urlaub. Meine Freundin, mit der ich sonst gefahren war,
konnte dieses Jahr nicht. Es war ein komisches Gefühl, so ganz allein, aber
irgendwie war ich stolz, dass ich es geschafft hatte. Doch dann kamen mir diese
Gedanken: «Eigentlich könnte ich ins Meer gehen. Wer würde mich überhaupt
vermissen?»
Ruth Schneider
Ich war 45 Jahre alt, hatte seit meinem 14. Lebensjahr
Gott um einen Ehemann gebeten und alle Höhen und Tiefen erlebt, die solch
langes Warten mit sich bringen. Ich verstand Gott einfach nicht. Ich war
bemüht, treu seine Wege zu gehen und auch nicht Ausschau zu halten nach einem
Mann der nicht gläubig war. Es war mir wichtig, meine Werte und meinen Glauben
an Gott teilen zu können.
Kein passender Deckel in Sicht
Seit Jahren war ich Mitglied bei mehreren christlichen
Internetportalen auf der Suche nach dem passenden Ehemann. Und obwohl sich dort
wirklich viele Christen tummelten, ergab sich für mich nie etwas. Die Wahrheit
war verletzend: Angeblich war ich zu alt. Die Herren der Schöpfung hatten
scheinbar alle noch vor, Familie zu gründen und da war ich uninteressant.
Keiner hatte das Bedürfnis, mich wirklich als Mensch kennenzulernen. Ich wurde
nur daran gemessen, ob ich in der Lage war, noch Kinder zu kriegen. Ich war
frustriert. Da betete ich nun seit 31 Jahren um einen Mann und sollte auf
einmal zu alt sein?
Im Jahr zuvor war ich mit meinen Eltern an der Ostsee
gewesen. An einem Abend kamen wir auf das Thema «Ehe». Etwas, worüber wir
eigentlich nie wirklich gesprochen hatten. Da sagte mein Vater: «Ich wusste gar
nicht, dass du dir noch einen Mann wünschst. Als Single kann man doch viel
besser der Gemeinde dienen…» Am liebsten hätte ich ihn erwürgt! Aber als ich
ihnen mein Herz ausschüttete, versprachen sie mir, gern um einen Ehepartner für
mich zu beten.
Der Tod flüstert nach mir
Der laue Sommerabend jetzt hier auf meiner Bank war so,
wie ich ihn mir wünschte. Doch immer wieder kam mir: «Geh doch ins Meer, dann
hast du keine Sorgen mehr.» Seltsam, diese destruktiven Gedanken hatte ich in
letzter Zeit immer öfter... Erst am nächsten Morgen wurde mir bewusst: Es war
der Teufel, der mir Lügen zuflüsterte und mich zerstören wollte. Mit ganzer
Leidenschaft entschied ich mich für das Leben und besiegelte diese Entscheidung
vor Gott. Die zerstörerischen Gedanken kamen nie wieder. Und ich war sicher,
dass Gott mich nicht vergisst, meinen Wunsch nach einem Ehepartner kennt und
auch erfüllen würde. Ich war einfach nicht geboren für die Ehelosigkeit.
Ein Geschenk für mich
Etwa ein Jahr später sass ich im Gottesdienst und hatte
vor meinem inneren Auge ein Bild: Mir wurde eine Krone aufgesetzt. Ich bekam
ein wunderschönes Kleid an. Um meinen Hals wurde ein sehr wertvolles Collier
gelegt und ein kostbarer Ring an meinen Finger gesteckt. Dann reichte mir
jemand den Arm und ich wusste, dass es Jesus war. Er sagte mir, ich sei seine
Königin. Ich staunte: Was für eine Wertschätzung bringt mir Jesus entgegen.
Und: Wenn er mich zu seiner Königin erwählt, brauche ich gar keinen Ehepartner
mehr! Was er mir hier anbietet, ist viel grösser! Diese Erkenntnis veränderte
mein Leben komplett.
Geborgen in Gottes Nähe
Ich spürte in mir einen tiefen Frieden den ich bisher so
nicht gekannt hatte. Die Sehnsucht nach einem Partner war wie weggeblasen. Ich
hatte ganz neu das Gefühl, nichts mehr zu brauchen. Ich hatte mein Ziel
erreicht. War das etwa die Antwort auf meine Gebete, die ich 32 Jahre lang
gesprochen hatte? Wollte Jesus selbst mein Ehemann und Versorger sein?
Bisher hatten mich auch Ängste geplagt, wie es im Alter
würde. Bei dem, was ich verdiente, würde meine Rente so mager ausfallen, dass
ich allein aus finanziellen Gründen einen Ehepartner brauchte. In diese ganze
Sorge hinein sagte mir Jesus, dass er sich persönlich um mich kümmern und mich
versorgen würde. Auch im Alter. Ich brauchte keine Angst mehr zu haben.
Jesus, mein Partner
Allmählich freundete ich mich damit an, dass Jesus an
meiner Seite genug ist. Und das fühlte sich komischerweise sehr gut an. Das
erste Mal in meinem Leben konnte ich mir vorstellen, als Alleinstehende zu
leben. Ich war ja nicht allein, Jesus war tatsächlich an meiner Seite. Was für
ein Abenteuer!
Ständig bin ich innerlich mit Jesus im Gespräch. Er macht
mir Komplimente und sagt mir, wie wertvoll ich ihm bin. Ich fühle mich so
wertgeschätzt wie nie zuvor. Was ich hier erlebe, könnte mir ein Mann niemals
geben. Zum Beispiel fragte mich Jesus eines Abends, ob ich Lust hätte, an den
See zu fahren. Das Wetter war nicht gut, doch er sagte, es würde besser werden.
Am See angekommen, hatten sich fast alle Wolken verzogen und die rote
Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser. Ich war berührt von dieser Schönheit.
Als ich ein paar Schritte gelaufen war, dachte ich wie schön es wäre, jetzt
einen Blumenstrauss zu bekommen. «Aber den kannst du mir ja leider nicht
geben», seufzte ich. Doch da sah ich, wie die Abendsonne durch ein riesiges
Feld rosafarbener Blumen schien, die aussahen wie Orchideen. Mir kamen die
Tränen. Das war der grösste Blumenstrauss, den eine Frau bekommen könnte! Auf
dem Rückweg entdeckte ich, dass der Weg von weiteren Blumenfeldern gesäumt war.
Sie waren längst da, aber ich hatte sie gar nicht gesehen. Ich war erfüllt und
beschenkt von Jesu Überraschungen.
Ein Mal sah ich mir beim Spazierengehen Wolkenbilder an.
Eine Wolke war wie ein grosser Ring geformt. Während ich darüber staunte, sagte
Jesus innerlich zu mir: «Ich will mich auf ewig mit dir vermählen!» Mir fehlten
die Worte! Was für eine Liebe, die mir Jesus entgegenbringt und was für eine
Verheissung!
Ich glaube, dass jeder solche Erlebnisse mit Jesus haben
kann. Das Gefühl, mit meiner ganzen Sehnsucht bei ihm angekommen zu sein, ist
einfach nur überwältigend. Er stillt mein tiefstes Verlangen und öffnet mir die
Augen für die Wunder die er tut. Wir sind ständig im Gespräch, so, wie in einer
Partnerschaft. Aber irgendwie ist das, was wir haben, noch viel grösser!
Ruth Schneider, 46 Jahre alt, ist Visagistin,
Typberaterin und TV-Organisatorin.
Claude Schnierl, 52, fuhr beruflich lange Zeit auf der Überholspur. Bis er den Fuss vom Gas nahm, und ihn auch die Gesundheit abbremste. Eindrücklich...