Miriam Frei, 26, Tochter einer Lehrerin und eines Malermeisters, hat tiefdunkle Zeiten durchgemacht. Gefangen in ihrer Ess-Brechsucht und einer tragischen Beziehung, erzählt sie, wie ihr Leben hell wurde.
Miriam Frei: «Ich führte ein grausames Doppelleben.»
Aufgewachsen mit drei älteren Geschwistern im ländlichen Thurgau, verläuft Miriams Kindheit weitgehend sorglos. Als ihre Eltern Miriam im Teenageralter Vieles verbieten, rebelliert sie: «Ich fing an zu kiffen, trank und hing in Clubs herum.»
Zwei Gesichter
Mit sechzehn Jahren beginnt sie eine Verkaufslehre in einer Bäckerei, lernt gegen Ende der Lehre einen jungen Mann kennen. «Ich war happy und hoffte, endlich geliebt und angenommen zu werden», erklärt Miriam. Doch ihr Freund hält ihr ständig Bilder topschlanker Hollywood-Beauties unter die Nase. In ihrem Frust isst Miriam immer weniger, verliert innert Kürze 14 Kilo. Der quälende Hunger führt zu Fressattacken, nach denen sie alles wieder erbricht. Miriam erinnert sich: «Ich führte ein grausames Doppelleben. Innerlich zerbrach ich. Meine Sorgen und die seelischen Schmerzen versuchte ich unter einem perfekten Make-up und einem aufgesetzten Lächeln zu verbergen. Niemand durfte von meiner Bulimie wissen, weil ich mich so sehr dafür schämte.»
Neues Leben
Mit 21 Jahren steht Miriam kurz vor Abschluss ihrer zweiten Lehre als Coiffeuse. Eines Tages erzählt die Freundin ihres Bruders von ihrem Glauben. Zuvor hatte Miriam einige Male mit ihr Jugendgottesdienste besucht. Viele Fragen beschäftigen Miriam und die beiden Frauen treffen sich zu einem Gespräch. Miriam erkennt, dass sie ohne Gott nicht weiterleben kann und vertraut in einem Gebet ihr Leben Jesus an. Wenig später lässt sie sich im Zürichsee taufen. «Als ich aus dem Wasser stieg, begriff ich, dass mich die Beziehung zu meinem Freund zerstörte. Ich trennte mich noch am selben Abend von ihm. Danach habe ich sicher drei Stunden lang wie ein Schlosshund geheult. Nicht aus Liebeskummer, sondern weil mit den Tränen so vieles an inneren Schmerzen, Verletzungen und Enttäuschungen von mir abfloss. Gott hatte begonnen, mich zu heilen.»
Ende mit Schrecken
Miriams Freund ist mit dem Ende der Beziehung überfordert. Auf einem Parkplatz in seinem Auto stellt er sie nochmals zur Rede. Als Miriam hart bleibt, versucht er sie mit einem Strick zu erdrosseln: «Ich hatte den Tod vor Augen», sagt Miriam. Wie durch ein Wunder überlebt sie und ihr Peiniger lädt sie zuhause ab. Noch heute schaudert es Miriam, wenn sie an den Strick denkt: «Ich war starr vor Schreck und schickte ein Stossgebet zum Himmel. Sofort wusste ich, wie ich mich wehren musste. Er liess tatsächlich von mir ab und löste den Strick von meinem Hals. So furchtbar dieses Erlebnis auch gewesen ist – seither weiss ich ohne Zweifel, dass Gott will, dass ich lebe und dass er mich liebt.»
Nicht mehr schweigen
Auch Miriam lernte, wieder zu lieben und zu vertrauen. Seit zwei Jahren ist sie glücklich mit ihrer neuen Liebe verheiratet. Christian und Miriam erwarten im Januar das erste Kind. Die Ess-Brechattacken wurden immer schwächer, bis sie ganz verschwanden. Auch hat Miriam gelernt, besser mit Geld umzugehen. Sie raucht nicht mehr und ist mit ihrem Spiegelbild versöhnt. Von ihrem Weg aus dem Dunkel ins Licht erzählt Miriam heute gerne: «Ich staune noch immer über den Tag, als Gott mich zu einer wildfremden Frau auf einer Parkbank führte. Ohne zu wissen, was diese Frau mit der dicken schwarzen Sonnenbrille quälte, erzählte ich ihr die Geschichte von meiner Ess-Brechsucht. Unter Tränen bekannte sie mir dann, dass sie soeben einen Fressanfall gehabt und den unerklärlichen Drang verspürt habe, nach draussen an die Sonne zu gehen. «Solche Erlebnisse spornen mich an und verbinden sich auch mit einem persönlichen Eindruck, den mir mal jemand weitergab: ‚Miriam, du wirst noch vielen Frauen ein Licht sein’.»
Claude Schnierl, 52, fuhr beruflich lange Zeit auf der Überholspur. Bis er den Fuss vom Gas nahm, und ihn auch die Gesundheit abbremste. Eindrücklich...