Von Bitterkeit befreit: Helge Urban mit seiner Frau Amanda und den Kindern Jason, Kevin und Lisa.
Seinen Lohn musste der 15-jährige Helge Urban seinem Vater abgegeben, der es brauchte, um seine Alkoholsucht zu finanzieren. Doch der gehörlose junge Mann liess sich davon nicht unterkriegen. Eine erstaunliche Lebensgeschichte.
Geboren bin ich 1964 in Gerolstein/Eifel. Von Geburt an bin ich schwerhörig. In Aachen habe ich eine Schule für Gehörlose besucht. Als wir 1975 nach Neuberg bei Erlensee gezogen sind, lernte meine Mutter einen anderen Mann kennen. Dies war der Anfang einer Krise, die zur Scheidung meiner Eltern führte. Ich wurde von meinem Vater gefragt, ob ich bei ihm oder bei der Mutter leben möchte. Als 15-Jähriger war ich von dieser Frage stark vor den Kopf gestossen. Ich wollte aber lieber bei meinem Vater bleiben, da ich viele "Sauf-Freunde" in der Umgebung hatte.
Spannungen mit dem Vater
Als die Familie in Neuberg noch zusammen lebte, stellten wir fest, dass der Vermieter unserer Wohnung Mitglied einer Freikirche war. Wir besuchten auch deren Gottesdienste. Das Problem war für mich, dass ich dort nichts verstand. Später, mit 15 Jahren, fing ich an, Geld zu verdienen. Ich arbeitete in verschiedenen Handwerksbetrieben. Die Freikirche besuchte ich von da an nicht mehr.
Später wurde ich von meinem Arbeitgeber gefragt, was ich denn mit dem Geld mache. "Meinem Vater geben", antwortete ich. Der Chef empfahl mir, mein Geld meinem Vater nicht mehr zu geben, er verschwende es nur. Diesem Rat bin ich gefolgt. Als mich mein Vater wieder um Geld bat, habe ich es ihm nicht gegeben. Dies war der Anfang von vielen Spannungen. Oft wurde ich vom Vater rausgeschmissen, denn er war Alkoholiker.
Kurz darauf begann ich meine Ausbildung als Elektroniker im Berufsbildungswerk für Gehörlose in Nürnberg. Weil es zuhause unterträglich war, übernachtete ich damals bei verschiedenen Leuten, zuletzt bei meiner Oma. Nach der Ausbildung war ich 14 Wochen arbeitslos. Eines Tages bekam meine Oma einen Anruf von der Firma Siemens. Ich durfte dort anfangen!
Predigt aufgeschrieben
Als ich zwischendurch bei meinem Vater lebte, erzählte meine Schwester oft von Jesus und einer Freien Christengemeinde. Dort bin ich dann gerne mit meiner Schwester hingegangen. Drei Jahre lang schrieben liebe Leute die Predigt im Gottesdienst für mich auf. Aber ich verstand sie trotzdem nicht. Ich erfuhr später, dass die hörenden Leute auch viel für mich gebetet hatten.
Eines Tages erfuhr ich, dass es in Stuttgart eine Gemeinde für Gehörlose gab. Als ich dann in den Gottesdienst kam, verstand ich zum ersten Mal Gottes Wort richtig! Denn der Gottesdienst wurde in Gebärdensprache geführt. Hier durfte ich die echte Umkehr zu Jesus erleben.
Versöhnung mit dem Vater
Wieder in Hessen, wollte ich die frohe Botschaft von Jesus weitersagen. Ich wurde passives Mitglied in einer Volleyballmannschaft für Gehörlose in Offenbach. Dort traf ich eine Frau. In einem Gespräch erzählte ich ihr von Jesus. Gross war die Freude, als ich merkte, dass sie auch Christin war! Sie wunderte sich, dass ich gläubig geworden war, denn ich war in der Gehörlosenschule Friedberg als Schläger bekannt. Auch war ich wegen meiner starken Bitterkeit nicht beliebt. Sie stellte eine grundlegende Veränderung bei mir fest und so fanden wir zueinander.
Durch ein versöhnendes Gespräch mit meinem Vater wurde ich langsam von meiner Bitterkeit vollständig geheilt. Jetzt bin ich verheiratet, habe drei kleine Kinder und habe mich als Elektroniker selbstständig gemacht. Mein Vater hilft mir jetzt sogar in der Firma!
Claude Schnierl, 52, fuhr beruflich lange Zeit auf der Überholspur. Bis er den Fuss vom Gas nahm, und ihn auch die Gesundheit abbremste. Eindrücklich...