Im Alkohol ertränkt

«Gott holte mich aus der Gosse!»

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Gescheitert – an den eigenen überhöhten Ansprüchen!
„Es ist soweit: Ich liege in der Gosse!“ Lange hatte Magdalene Deitenbeck ihre Probleme verdrängt. Jetzt begreift sie: „Ich bin Alkoholikerin und brauche Hilfe!“ Seit Jahren trinkt sie schon, immer heimlich und auch die nächtlichen Abstürze kennt sie zur Genüge. Doch an diesem Morgen ist etwas anders. Sie liegt angezogen im Bett und weiss nicht, wie sie da hingekommen ist.

Bis zu diesem Tag war die Grundschullehrerin jeden Morgen pünktlich und ordentlich auf der Arbeit erschienen, selbst wenn sie am Abend zuvor mal wieder zuviel getrunken hatte. Doch nun will sie einen Schlussstrich ziehen, will sich und den anderen nichts weiter vormachen: Magdalene, die Perfekte, Magdalene, die Starke, ist gescheitert! An ihren eigenen überhöhten Ansprüchen („Nichts lief ohne Magdalene!“), an seit Jahrzehnten unterdrückten Sehnsüchten („Ich dachte immer, meine Bedürfnisse dürften nicht sein.“). Sie informiert ihre Familie, ihre Freunde und ihren Arbeitsgeber und beginnt eine Langzeittherapie. Dort lernt sie, über ihre Sucht zu sprechen und auch über ihre Sehnsüchte dahinter. Monate später gilt sie als „trocken“ und ist es bis heute geblieben. Das war vor 22 Jahren. Heute arbeitet die 64-Jährige selbst in der Suchtprävention.

Wichtig sind nur die anderen

Warum sie zu trinken begann, erahnt Magdalene Deitenbeck inzwischen. Aufgewachsen in einer engagierten Pfarrersfamilie, verfestigt sich in ihrem Kopf schon früh ein falsches Lebensmotto: „Ich komme nicht in Betracht.“ Zu viele Menschen beanspruchen zu oft die Aufmerksamkeit der Eltern. Wichtig sind immer nur die anderen, resümiert das kleine Mädchen. Sie leidet sehr daran, ist einsam und ängstlich, aber sie klagt nie: „Es war in Ordnung. Papa und Mama taten ja was für Gott.“ Wenn Magdalene etwas für sich selbst einfordern will, plagt sie das schlechte Gewissen: „Wenn ich erlebte, dass in mir etwas hochkam, was mich meiner Meinung nach daran hinderte, etwas für Gott zu tun, dann konnte ich mich nicht leiden.“

Willkommen auf dieser Welt

Magdalene Deitenbeck weiss: So schlimm ihre Sucht war, am Ende hat sie ihr doch „irgendwie“ das Leben gerettet. Ihr Absturz hat sie dazu gezwungen, Teile ihrer Seele anzusehen, von denen sie bis dahin nichts geahnt hatte. „Früher mochte ich meine Sehnsüchte nicht, heute bin ich froh über sie. Früher habe ich geglaubt: Irgendetwas ist falsch an mir. Heute weiss ich: Ich bin willkommen auf dieser Welt!“

Heil für jeden Tag

Auch ihr Denken über Gott hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert. Als Teenager hatte sie Jesus Christus ihr Leben anvertraut. Und war doch nie vertraut mit ihm geworden. Das ist mittlerweile anders. Während der Therapie begreift sie Jesus zum ersten Mal als den, der ihr das Heil bringen will – das ewige Heil natürlich, aber auch das für jeden Tag: „Meine Beziehung zu mir selbst wurde heiler – durch den Heiland. Dieses Wort ist ganz wichtig für mich geworden, weil das Wort ,heil’ darin steckt.“

Nimm mich doch mal in den Arm!

Nach dem Scheitern beginnt ein neues Leben. Magdalene Deitenbeck hat gelernt, anders zu leben und vor allem anders zu denken. Ihre Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu Gott ist seither lebendiger und echter. Heute kann sie ausdrücken, was sie sich wünscht, was sie freut und auch was sie bedrückt. Und noch wichtiger: Sie kann Hilfe und Liebe von anderen annehmen. „Früher habe ich immer gesagt: ,Ach, ich muss dich mal drücken!’, wenn ich eigentlich selbst gedrückt werden wollte. Heute bin ich so frei zu sagen: ,Mensch, nimm mich doch mal in den Arm, ich brauche das gerade!’“ Sie hat den Unterschied begriffen: Sie, Magdalene, kommt in Betracht!


Autor: Sabine Müller

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