Depression

Wie ein Sog in die Tiefe

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Gaby Wittwer war bekannt für ihre Lebensfreude und Kraft. Doch vor drei Jahren wurde plötzlich alles anders: Die kleinste Aufgabe wurde ihr zur Last.

Frau Wittwer, wie haben Sie gemerkt, dass etwas mit Ihnen nicht mehr stimmt?
Ich konnte plötzlich die Arbeit im Haushalt nicht mehr bewältigen. Zum Aufstehen musste ich mich richtig zwingen. Bis unsere vier Kinder am Morgen aus dem Haus waren, war meine Energie bereits aufgebraucht. Dann kamen die Tränen. Ich weinte viel. In den Nächten lag ich wach. Ich war immer nervös. Manchmal schlief ich nur noch eine oder zwei Stunden. Ich hatte das Gefühl, nichts wert zu sein, nicht schön zu sein. Es zog mich immer wieder vor den Spiegel.

Wie reagierte Ihre Familie?
Die Kinder waren überfordert. Ich versuchte ihnen zu erklären, warum ich so anders war. Mein Mann reagierte mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen. In der Nacht, wenn ich so ruhelos war, sangen wir oft Lieder und beteten. Das half mir die Nächte durchzustehen. Eine grosse Hilfe war mir in dieser Zeit auch meine Mutter. Sie kam täglich und half mir im Haushalt. Wir konnten auch einmal am Tag bei ihr essen. Ich hätte sonst wohl auch nicht zu Hause bleiben können. Eigentlich war ich reif für die Klinik.

Wie behandelte Sie Ihr Hausarzt?
Zuerst wollte er gar nicht glauben, dass ich eine Depression habe. Er dachte, ich sei einfach nicht der Typ dafür. Doch die Symptome waren eindeutig. Er gab mir Schlafmittel, doch ich blieb hellwach. Er gab mir auch Antidepressiva, doch als ich die Packungsbeilage las, hatte ich Angst vor den Nebenwirkungen. Ich nahm sie nur widerwillig. Es wurde mir übel. Ich setzte sie nach einigen Tagen wieder ab. Das hätte ich wohl nicht tun sollen. Aber ich wollte einfach keine Medikamente nehmen. Irgendwo in meinem Kopf war auch immer wieder der Gedanke: Wozu vertraue ich auf Gott? Kann er mir nicht helfen? Ich suchte nach dem richtigen Umgang mit meiner Krankheit und betete viel für Heilung. Doch es wurde nur schlimmer.

Sie haben aber auch mit Ihrem Selbstwert gekämpft und sich selbst abgelehnt. Warum?
Ich leide seit der Pubertät an unreiner Haut. Schubweise werde ich von Akne befallen. Ich hätte auch lieber weniger Härchen im Gesicht. Aber ich wollte und konnte mich immer so akzeptieren, wie ich bin. Dann, in der Zeit vor meiner Depression, begann ich plötzlich mit meinem Hautproblem zu kämpfen. Ich hatte meinen Grundsatz – mich so anzunehmen, wie ich bin – verworfen. Es war wie ein Sog in die Tiefe.

Haben Sie in den Wochen Ihrer Depression gekämpft?
Ja, gebetet habe ich viel. Selbst als ich an schlimmen Tagen an Gott gezweifelt habe. Ich wollte, dass sich etwas verändert. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Ich war ganz auf die Hilfe anderer angewiesen. Ich hoffte auch immer wieder auf Gottes Hilfe. Ich bat Willy, meinen Mann, mich mit Öl zu salben und für mich zu beten, weil in der Bibel steht, dass dies ein Mittel zur Heilung sei. Zuerst veränderte sich nichts. Ich war enttäuscht.

Aber dann hatte Ihr dunkler Tunnel dennoch einen Ausgang.
Ja, zwei Tage später konnte ich zum ersten Mal so richtig aus Verzweiflung zu Gott schreien. Ich betete kniend und weinend: „Jesus, so geht es nicht weiter. Das ist ja kein Leben mehr. Du musst etwas unternehmen ...!“ Ich klagte ihm alles, was ich falsch gemacht hatte, alle Schuld, alle Schwachheit, alle Zweifel. Danach war ich völlig erschöpft. Ich spürte keine Veränderung. Doch am Abend fühlte ich mich erleichtert. Zum ersten Mal seit acht Wochen war ich fähig, meiner Tochter eine Geschichte aus einem Büchlein zu erzählen. Am nächsten Morgen strömte wieder der Duft von frischem Brot aus meinem Backofen. Ich spürte die Veränderung. Ich wusste: Du bist geheilt. Seitdem bin ich feinfühliger. Zwar hatte ich einen leichten Rückfall, aber seit diesem Gebet bin ich gesund. Ich schaue jetzt besser zu mir als früher.


Autor: Hans Ueli Beereuter

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