Sie suchte nach Sinn

Und stiess auf Hexenzirkel

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Hexen arbeiten mit Büchern, die es überall zu kaufen gibt.
Auch in Deutschland treffen sich Hexen. Susanne Reddig war eine von ihnen. Auf der Suche nach einem Sinn für ihr Leben und nach einer göttlichen Kraft geriet sie in einen Wicca-Zirkel. Und in eine Gefangenschaft – aus der sie erst mit Gottes Kraft wieder frei wurde.

Susanne Reddig studierte Religionswissenschaften und suchte nach dem Sinn des Lebens. Was sie fand, faszinierte sie zunächst: In Hexenkulten und in der Esoterik erlebte sie beeindruckende Gemeinschaft und eine Harmonie mit der Natur. Doch diese Erfahrungen waren zugleich unheimlich und zugleich gefährlich. Denn die angeblich göttlichen Mächte zeigten ihre finstere Seite. Schwere Depressionen folgten. Der Rettungsanker war ein Gebet an Jesus Christus.

Livenet.ch: Frau Reddig, wie haben Sie angefangen, sich für das Okkulte zu interessieren?
Susanne Reddig: Ich stellte mir die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das schliesst auch die Frage nach Gott mit ein, aber ich suchte zunächst nicht speziell nach übersinnlichen Erfahrungen. Ich hatte Zweifel an der atheistisch-materialistischen Weltsicht bekommen, die Wissenschaft schien mir auf meine existenziellen Fragen keine Antworten mehr zu geben. Esoterik und Hexenkult ergaben sich eher zufällig.

Wie begann die Hinwendung zu den modernen Hexen?
Ich hatte einen Traum von einer Göttin, die mich sehr beeindruckte und las in einigen Büchern von der Göttin, die in allen Zeiten und überall auf der Welt von Menschen und auch von modernen Hexen, die sich Wicca nennen, angebetet wird. Zusammen mit meinem Traum fand ich dies in meiner Jugend sehr spannend. Da ich auch feministisch und ökologisch interessiert war, sprach mich eine Religion sehr an, die die Weiblichkeit und die Naturverbundenheit äusserst positiv bewertet. Ich dachte mir, der Traum könnte ein „Wink des Schicksal“ sein, der mir zu einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Existenz einer göttlichen Kraft verhilft.

Welche Gefühle hatten Sie im ersten Moment, als Sie zum ersten Mal Hexen trafen?
Ich war neugierig und freute mich, die Frauen kennenzulernen. Es waren einige nette junge Frauen, die ich ganz sympathisch fand.

Wie liefen diese Hexen-Treffen ab?
In erster Linie waren es zwanglose private Treffen, in der Regel bei uns zuhause. Wir gingen auch gerne in die Natur, wenn es sich einrichten liess, um dort allein zu sein und Ruhe zu finden. Dabei unterhielten wir uns über alles, was uns interessierte und trafen gemeinsam Vorbereitungen für das jeweilige Fest, das wir feiern wollten.* An den Festtagen brachten wir die Speisen zusammen oder bereiteten sie gemeinsam zu. Dann vollzogen wir die Riten, wie sie in Ritualbüchern vorgegeben sind: Wir setzten uns in einen Kreis zusammen, sangen, riefen die Göttin oder Naturkräfte an. Dabei haben wir oft meditiert, um uns für die geistige Welt zu öffnen. Diese Feste klangen mit gemeinsamen Essen und Trinken aus.

* Es gibt acht Feste im Jahreskreis und zusätzlich die Möglichkeit, zu Neumond oder Vollmond Feiern durchzuführen.

Welche Erfahrungen haben Sie bei Hexentreffen gemacht?
Die gemeinschaftlichen Erlebnisse empfand ich damals als sehr schön und intensiv, es waren starke Gruppenerlebnisse. Wenn man in der Natur meditierte, nahm man auch sehr intensiv die Schöpfung wahr und fühlte sich innig mit den Kräften der Natur verbunden.

Auch die Esoterik hat Sie angezogen. Sie vollzogen schamanische Riten in Gruppen. Wie ging das vor sich?
An schamanischen Riten habe ich zum Beispiel die Schamanischen Reisen kennengelernt. Dies wird weltweit von Schamanen und Medizinmännern praktiziert. Dabei handelt es sich in der Regel um Trancezustände, die zum Beispiel durch die Klänge von Trommeln oder Rasseln willentlich herbeigeführt werden und in denen man mitunter Visionen erlebt.

Die kann man sich wie einen bewusst erlebten Traum vorstellen: Man hat die Augen geschlossen und sieht ihn innerlich. Man kann sehr detailliert Dinge, Landschaften, Personen und Tiere erkennen, mit denen man kommuniziert. Die Visionen können schön, aber auch sehr furchteinflössend sein. Die beängstigenden Visionen machten mich natürlich sehr nachdenklich.

Welche Erfahrungen haben Sie zum Zweifeln gebracht?
Ich habe furchteinflössende Erfahrungen gemacht: schlimme Albträume, schwere Depressionen, beängstigende Visionen, seltsame Erlebnisse. Ich wurde darin zum Beispiel mit dem Tode bedroht. All dies zeigte mir, dass man über okkulte Techniken mit bösen Mächten in Kontakt treten könnte. Das überraschte mich, denn ich hatte zuvor nicht an Geistwesen geglaubt, nur an unpersönliche Kräfte oder an Erscheinungen des eigenen Unterbewusstseins. Da stieg in mir jedoch der Verdacht auf, es könnte reale böse Mächte geben. Daraufhin hatte ich fürchterliche Angst.

Was half Ihnen, von den dunklen Mächten loszukommen?
Zunächst handelte ich eigenständig, indem ich mit den Wicca-Praktiken aufhörte. Damit liessen auch die Albträume langsam nach, und die furchteinflössenden Eindrücke verschwanden. Doch ich blieb sehr depressiv, da ich nun überhaupt nicht mehr wusste, was ich glauben sollte. Ich fühlte mich sehr ratlos und im Leben alleingelassen. Mein Mann Rainer stand mir damals zur Seite und half mir durch diese schwere Zeit.

Schliesslich gab mir jemand den Hinweis, mich an Jesus Christus zu wenden. Daraufhin sprach ich ein einfaches Gebet, und einige Tage später erschien er mir. Es war also letztendlich eine visionäre Erfahrung, die mich zu Jesus führte. Es war ein sehr ausführliches Erlebnis, dass ich hier nicht vollständig wiedergeben kann, aber es veränderte mein Leben von Grund auf, als hätte ich schlagartig eine Kehrtwendung vollzogen. So wurde ich innerhalb von einer halben Stunde Christin.

Lesen Sie auch den 2. Teil des Interviews: Das Christentum ist für sie negativ besetzt

Buchtipp: „Die Geister, die ich rief“, von Susanne Reddig


Autor: Iris Muhl
Quelle: Jesus.ch

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