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Erdrückende Schuld

Weiterleben als Mörder

Im Alkoholrausch gerät Wolfgang Schulten in einen Streit, bei dem ein Mann ums Leben kommt. Schulten sitzt die Haftstrafe ab, aber die Schuld lässt ihn nicht los. Immer tiefer rutscht er in den Sumpf aus Drogen und Alkohol, bis er nicht mehr kann. Und dann greift Jesus ein...

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Wolfgang Schulten
Ich hatte die letzte Nacht gar nicht mehr richtig in Erinnerung. Ich wusste nur noch, dass wir aus drei Kneipen geflogen waren, dass meine Jacke geklaut wurde und ich 2,8 Promille gehabt haben soll. Jetzt stand die Polizei vor der Tür. Aber dieses Mal nicht wegen Drogenhandel: «Herr Schulten, Sie hatten letzte Nacht Streit. Der Mann ist mittlerweile verstorben.» In Handschellen wurde ich abgeführt.

Ich habe das erst mal gar nicht begriffen, alles war so überwältigend, so konfus. Mir war klar, ich kann nichts dazu sagen. Aber für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein, war erschreckend, erschlagend. Das habe ich nicht gewollt. Mord. Gefängnis. Was war passiert? Wie konnte es so weit kommen? Was konnte ich jetzt noch tun? Konnte ich die Zeit nicht irgendwie zurückdrehen?

Einen Menschen auf dem Gewissen

Ich kam in Untersuchungshaft, in einen Trakt, in dem nur Schwerverbrecher untergebracht waren; inmitten von Menschen, die alle wahnsinnige Probleme haben. Anfangs konnte ich meine Schuld nicht annehmen und tragen. Aber immer wieder kam sie in mir hoch: Wie konnte es so weit kommen? Was soll meine Familie denken? Wegen mir lebt einer nicht mehr. Die Schuldgefühle waren erdrückend.

Ich bekam vier Jahre wegen Totschlags. Aber die Schuld konnte ich nicht im Gefängnis lassen. Als ich wieder frei kam, musste ich damit weiterleben. Ich war drogensüchtig, dealte und hatte einen ziemlich harten Ruf.

Der Versuch, sich zu ändern

Dann lernte ich eine Frau kennen. Ich dachte, die ist ja viel zu lieb, die kann ich nicht in meine Schwierigkeiten mit reinziehen, aber dann kamen wir doch zusammen. Und wieder musste ich ins Gefängnis. Ich war inzwischen 30, meine Freundin schwanger und es war schlimm, wieder im Knast zu sein. Ich wollte dieses Leben nicht mehr. Mein grösster Wunsch war, ein guter Vater zu sein. Aber mich plagten die grössten Selbstzweifel. Ich hatte so viel vergeigt im Leben. Damals fing ich an, sporadisch zu Gott zu beten, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer er ist.

Ich kam aus dem Gefängnis frei und versuchte, als Familienvater ein neues Leben zu starten. Für mich war klar: Keine harten Drogen mehr. Dafür trank ich mehr Alkohol als gut war. Das ging eine Zeit lang gut, aber dann wurde ich wieder rückfällig. Um nicht mehr so viel trinken zu müssen, fing ich wieder mit Heroin an.

Die Holy Riders

Zu der Zeit fragte mich ein Arbeitskollege, ob ich mit zu einem christlichen Motorradclub will, den «Holy Riders». Ich staunte, dass diese tätowierten Jungs, die eher wie Türsteher aussahen, von Jesus Christus sprachen. Manchmal ging ich dort in den Bibelkreis, aber meistens war ich völlig zugekokst oder betrunken und bekam wenig mit. Doch die Jungs akzeptierten mich, wie ich war, und ich durfte immer dabei sein.

Totaler Absturz

Mit 39 Jahren war ich durch Alkohol und Drogen so kaputt, dass ich in die Klinik musste. Es gab für mich kaum noch Hoffnung. Als mich die «Holy Riders» besuchten, sagten sie: «Jetzt kann dir nur noch Jesus helfen.» Ich war wirklich am Ende und eine Zumutung für meine Frau und meine Kinder. In letzter Verzweiflung ging ich auf die Knie und warf Jesus mein Leben vor die Füsse: «Ich will nicht mehr leben, das weisst du ganz genau. Wenn du mein Leben haben willst, dann nimm es. Aber clean sein muss schon drin sein...» Nach dem Gebet fand ich Ruhe und ging schlafen. Und als ich am nächsten Tag aufwachte, war alles anders.

Verändert durch die Kraft Gottes

Gott hat mich nicht nur clean gemacht, ich war von einem Tag auf den anderen auch viel sensibler für mein Umfeld. Ich spürte Gottes Gegenwart und aus dem Monolog mit ihm wurde ein Dialog. Er sprach durch Bibelverse zu mir, durch andere Leute, aber auch direkt. Freunde von mir erkannten mich nicht mehr wieder, so anders war ich.

Wieder daheim, fing ich an, regelmässig in die Kirche zu gehen und mit meiner Familie Fuss zu fassen. Es begeisterte mich, in der Bibel zu lesen und von Gottes Wort zu hören. Nach und nach durfte ich durch Gottes Liebe auch selbst lernen zu lieben.

Und dann las ich den Bibelvers aus Jesaja, Kapitel 1, Vers 18: «Selbst wenn eure Sünden blutrot sind, sollt ihr doch schneeweiss werden. Wenn sie an euch haften wie Purpur, will ich euch doch reinwaschen wie weisse Wolle.» Dieser Vers haute mich um. Hier stand schwarz auf weiss, dass Gott mich kennt und mich liebt. Er kennt meine Schuld, meine Drogensucht und sogar mein Name «Wolle» steckt drin. In diesem Moment habe ich rational und emotional begriffen, dass ich meine ganze Schuld an Jesus abgeben kann, denn er ist für mich ans Kreuz gegangen.

Es ist für mich nicht einfach, meine Geschichte zu erzählen. Die Schuldgefühle sind immer noch schwer für mich. Ohne Jesus Christus könnte ich das auf Dauer nicht tragen, es würde zu einem Desaster führen. Aber ich habe verstanden, dass Jesus mich trotz meiner Vergangenheit liebt und dass er mir vergeben hat. Er steht mir bei allem bei und ist überall, wo ich bin. Das ist meine Freude im Leben.

Hier können Sie die ganze Geschichte von Wolfgang Schulten sehen:

Zum Thema:
Den Glauben von Wolfgang Schulten kennenlernen
Ausgebrochen aus der Kriminalität: Mörder wird Christ
Ausstieg aus dem Milieu: Früher Zuhälter – heute Pastor 
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Datum: 26.05.2017
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / menschgott.tv

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