Eine Analyse und Anmerkungen zur Magie in den Harry
Potter-Romanen der Kinderbuchautorin Joanne K. Rowling.
Die Bücher der englischen
Kinderbuchautorin Joanne K. Rowling, begeistern
ihre Leser im wahrsten Sinn des Wortes. Die bisher
in Deutsch erschienenen drei ersten Bände
und der für diesen Monat angekündigte
vierte Band ("Harry Potter und der Feuerkelch"),
der auf sieben Bände angelegten Abenteuer
ihres "Zauberlehrlings" Harry Potter,
verkaufen sich in millionenfachen Auflagen in Deutschland
und weltweit. Die Bestsellerlisten der Magazine
platzieren Rowlings Romane auf den ersten drei
Plätzen.
Eine Analyse der Potter-Romane ergibt, dass Stoff-
und Textstruktur, die adressatenbezogene Sprache,
die geschickte Vermischung verschiedener Genres
und die klug geplante und ausgeführte "Architektur" der
Reihe den Leser mitreissen. Der Text ist so strukturiert,
dass die einzelnen Bände jeweils der Bildungsstruktur
eines englischen Internats entsprechen. Hier gehen
die Schüler sieben Jahre zur Schule (vom 11.
bis zum 17. Lebensjahr), um im Anschluss je nachdem
auf die Universität oder in die Berufsausbildung
zu gehen. Hier sind sie in einzelne "Häuser" aufgeteilt.
Bei den Rowling-Romanen um Harry Potter in deren
vier: Haus "Gryffindor", wo der Tradition
zufolge die Rechtschaffenen und Unerschrockenen
untergebracht sind. Harry und seine besten Freunde,
Ron und Hermine, sind in diesem Haus. Haus "Ravenclaw
House", wo der Akzent besonders auf Verstand
und Bildung gelegt ist. Haus "Hufflepuff",
in dem es "gerecht, treu und arbeitsam" zugeht
und das Haus "Slytherin", "dessen
Insassen mit List und Tücke versuchen, ihre
Ziele zu erreichen".
Rowling steht mit ihrem literarischen Stoff in
der Tradition der klassischen britischen Schulgeschichte,
wobei sie in diese die magische Welt des Fantasy-Genres
einbaut. Dieses realisiert sich in der Hexen- und
Zauberschule Hogwarts (Sauwarz) und ihrem Umfeld.
In dieser "Gegenwelt" gibt es magische
Figuren, magische Gegenstände, magische Schulfächer
( Weissagung, Abwehr von schwarzer Magie, Einübung
in magische Kräfte etc.), magische Rituale,
magische Spiele und die Wirkungsweisen der weissen
bzw. schwarzen Magie. Der Platz, den diese magische
Welt einnimmt, steigert sich von Band zu Band.
Der Leser wird immer tiefer in die Wirkmacht der
Magie hineingeführt.
Im ersten Band ("... der Stein der Weisen")
ist es der Kampf gegen Voldemort um den Stein der
Weisen, der ihm Körperlichkeit und Macht geben
soll: "'Siehst du, was aus mir geworden ist',
sagte das Gesicht. 'Nur noch Schatten und Dunst
... Ich habe nur Gestalt, wenn ich jemandes Körper
teile ... aber es gibt immer jene, die willens
sind, mich in ihre Herzen und Köpfe einzulassen
... Einhornblut hat mich gestärkt in den letzten
Wochen ... du hast den treuen Quirrell gesehen
(Abhängiger von Voldemort, Anm. des Autors),
wie er es im Wald für mich getrunken hat ...
und sobald ich das Elixier des Lebens besitze,
werde ich mir meinen eigenen Körper schaffen
... Nun ... warum gibst du mir nicht diesen Stein
in deiner Tasche?'"
Im zweiten Band ("... die Kammer des Schreckens")
wird Harry mittels eines geheimen Taschenkalenders7
zu Voldemort geführt und muss zunächst
gegen den König der Schlangen ("Basilisk")
kämpfen. Dabei taucht "Riddle" auf,
der Voldemort ist, sich Harry zu erkennen gibt
und zu ihm sagt: "'Voldemort', sagte Riddle
sanft, 'ist meine Vergangenheit, meine Gegenwart
und meine Zukunft, Harry Potter ...' (Harry wird,
nachdem er die Schlange mit einem Schwert besiegte,
von dieser in den Arm gebissen, wobei der Giftzahn
abbricht und in Harrys Arm stecken bleibt. Harry
kann diesen aber mit letzter Kraft aus seinem Arm
ziehen. Dann hört er Schritte und ein dunkler
Schatten taucht vor ihm auf, Anmerkung des Autors)
'Du bist tot, Harry Potter', hörte er Riddles
Stimme über sich. (...) 'Ich bleibe hier sitzen
und sehe zu, wie du stirbst, Harry Potter. Lass
dir Zeit. Ich hab's nicht eilig.' (...)
'So endet der berühmte Harry Potter', sagte
Riddles ferne Stimme. 'Allein in der Kammer des
Schreckens, aufgegeben von seinen Freunden, am
Ende besiegt vom Dunklen Lord, den er so vorwitzig
herausgefordert hat. (...)' (...) Den Bruchteil
einer Sekunde lang starrten Harry und Riddle mit
immer noch erhobenem Zauberstab auf das Tagebuch.
Dann, ohne nachzudenken, ohne zu zögern, als
habe er es schon immer vorgehabt, hob Harry den
Basiliskzahn vom Boden und stach ihn mitten in
das Herz des Buches. Ein langer, fürchterlicher,
durchdringender Schrei ertönte. Tinte quoll
in Sturzbächen aus dem Buch, strömte über
Harrys Hände und überflutete den Boden.
Riddle wand und krümmte sich, schreiend und
mit den Armen rudernd, und dann - Er war verschwunden."
Im dritten Band ("... der Gefangene von Askaban")
wird Harrys Kampf gegen die Dementoren, ebenfalls
Verbündete von Lord Voldemort, geschildert.
Es sind finstere, schwarzmagische Gestalten, die
nur durch die Kraft weisser Magie zurückgehalten
werden können. Als Harry auf dem Weg zur Zauberschule
im Hogwarts-Express ist, der sie nach Hogwarts
bringt, begegnet er zum ersten Mal diesen Wesen: "Am
Eingang, (...) stand eine vermummte Gestalt, die
bis zur Decke ragte. Das Gesicht war unter einer
Kapuze vollständig verborgen. Harrys Blick
schoss nach unten, und was er sah, liess seinen
Magen zusammenkrampfen. Eine Hand lugte unter dem
Umhang hervor und es war eine glitzernd graue,
schleimige Hand, wie die eines Toten, der zu lange
im Wasser gelegen hatte ... Und dann holte das
Kapuzenwesen, was immer es war, lange und tief
rasselnd Atem, als ob es versuchte, mehr als nur
Luft aus seiner Umgebung zu saugen. Eine bittere
Kälte legte sich über sie. Harry spürte
seinen Atem in der Brust stocken. Die Kälte
drang ihm unter die Haut. Sie drang in seine Brust,
ins Innere seines Herzens ... Harrys Augäpfel
drehten sich nach innen. Er konnte nichts mehr
sehen. Die Kälte ertränkte ihn. In seinen
Ohren rauschte es, wie von Wasser. Etwas zog ihn
in die Tiefe, das Rauschen wurde lauter ... Und
dann, aus weiter Ferne, hörte er Schreie,
schreckliche, grauenerfüllte, flehende Schreie
- er wollte helfen, wer auch immer es war, er versuchte
die Arme zu bewegen, doch er konnte nicht - ein
dichter weisser Nebel wirbelte um ihn auf, drang
in sein Inneres ..."
Die Leserinnen und Leser im Kinder- und Jugendalter
finden Harrys Erlebnisse "supertoll, cool,
klasse, echt super, einfach super, spannend und
lustig, total spannend, sehr, sehr, sehr, sehr
gut" und warten sehnsüchtig auf weitere
Bände der Harry Potter-Serie von Joanne K.
Rowling. Aber auch Erwachsene schwärmen, sie
hätten schon lange keine so spannenden Bücher
mehr gelesen. Das "Harry Potter-Fieber" grassiert.
Was ist sein Erreger, was die dahinter steckenden
Symptome? Immerhin wurden die Potter-Bücher
weltweit bereits in 40 Sprachen übersetzt
und bislang über 35 Millionen Mal verkauft.
Solch finstere Gestalten, allesamt Todesgesellen,
können nur mit einem starken Abwehrzauber
("Expecto patronum") besiegt werden.
Am Ende seines dritten Schuljahres muss Harry den
Kampf gegen mindestens hundert solcher finsterer
Gestalten aufnehmen.
"
Er spürte, wie sie ihn beobachteten, ihr rasselnder
Atem kam ihm vor wie ein wütender Sturm. Dieser
Dementor schien es auf ihn abgesehen zu haben.
Er hob die verrotteten Hände -und zog die
Kapuze vom Gesicht. Dort, wo die Augen hätten
sein sollen, war nur dünne, schorfige Haut,
die sich glatt über die leeren Höhlen
spannte. Doch er hatte einen Mund ... einen tiefen,
unförmigen Schlund, und sein Atem klang wie
ein Todesröcheln. Lähmendes Grauen überkam
Harry, er konnte sich weder rühren noch sprechen.
(...) Doch ein paar kräftige, nasskalte Hände
klammerten sich plötzlich um Harrys Hals.
Der Dementor drückte ihm das Kinn nach oben
... Harry spürte den Atem ... sie wollten
ihn zuerst erledigen ... er roch den widerlichen
Atem ... (...) Und dann, durch den Nebel, der ihn
ertränkte, glaubte er ein silbernes Licht
zu sehen, das heller und heller wurde ... er spürte,
wie er aufs Gras fiel - (...) Der Dementor musste
ihn losgelassen haben - blendend helles Licht fiel
auf das Gras um ihn her - das Schreien hatte aufgehört,
die Kälte wich ... Etwas trieb die Dementoren
davon ... (...)"
Harry ist gerettet und erkennt als seinen Retter
ein Einhorn. Als Rowling nach den Dementoren gefragt
wurde, welche die Seele der Menschen absorbieren,
sagt sie: "Die Dementoren spiegeln Depressionen
wider, ein Gefühl der totalen Hilflosigkeit.
Erwachsene reagieren darauf wesentlich heftiger
als Kinder, die so was gewöhnlich noch nicht
erlebt haben." Doch was bewirken solche detaillierten
Beschreibungen im Erleben von Kindern?
Der bisherige Höhepunkt schwarzmagischer Szenen
und Konstellationen findet sich im vierten Band
(" ... der Feuerkelch"). Hier eine Textübertragung
aus dem englischen Original von Sigrid Tünnermann.
Diese Stelle belegt, dass die schwarzmagischen
Anteile der Pottergeschichten von Band zu Band
stärker werden.
Als habe er es schon immer vorgehabt, holte Harry
den Basiliskzahn vom Boden und stach ihn mitten
in das Herz des Buches. Ein langer, fürchterlicher,
durchdringender Schrei ertönte. Tinte quoll
in Sturzbächen aus dem Buch, strömte über
Harrys Hände und überflutete den Boden.
Im Kapitel 32 des vierten Bandes, mit dem Titel: "Flesh,
Blood and Bone" (Fleisch, Blut und Knochen)
wird folgendes erzählt: "Harry und Cedrik
werden mit dem Feuerkelch, der durch die Luft fliegt,
weil er hierzu verzaubert wurde, auf einen Friedhof
gebracht. Das Erste, das Harry hört, als er
hier ankommt, ist der Zauberspruch: 'Avada Kedavr'.
Gegen diesen Spruch kann man nichts tun, denn er
ist der schlimmste der schwarzmagischen Zaubersprüche.
Grünes Licht erscheint und Harrys Narbe tut
ihm fürchterlich weh (dies geschieht bei ihm
immer, wenn sich das Dunkle um Lord Voldemort ihm
nähert). Harry hat die Augen geschlossen, öffnet
sie aber wieder und sieht, dass Cedrik tot ist.
Ein kleiner Mann, in einem Umhang, nimmt ihn in
den Arm und bringt ihn zu einem Grabstein, auf
dem Tom Riddel (Vater von Voldemort, vgl. Riddle
im zweiten Band!) steht.
Harry wird an dem Stein festgebunden und von Wormtail
geknebelt, so dass er keinen Laut mehr von sich
geben kann. Harry sieht eine Schlange neben sich
im Gras - der kleine Mann kommt mit einem Steintopf
(Zaubergefäss der Hexen) zurück und schiebt
diesen an den Fuss des Grabes. Es ist ein riesengrosser
Zaubertopf, so gross, dass ein erwachsener Mann
darin sitzen kann. Wormtail arbeitet mit dem Zauberstab.
Flammen entstehen und die Schlange verschwindet.
Das Wasser in dem Topf beginnt nun gewaltig zu
kochen. Harry hört eine hohe, kalte Stimme,
die sagt: 'Harry, beeil dich!'
Ein Bündel von Kleidern wird geöffnet,
Harry sieht, was drinnen ist und beginnt zu schreien
- Ekeliges, Glitschiges, Blindes, aber einhundert
Mal Schlimmeres wird er gewahr. Die Gestalt eines
zusammengekrümmten, menschlichen Kindes ist
zu sehen, ohne Haare. Ein schwarzes, rohes, rötliches
Schwarz. Arme, Beine sehen sehr gebrechlich aus.
Kein lebendes Kind hatte jemals so ein Gesicht
gehabt: flach, mit schlangenähnlichen, glänzenden
roten Augen. Das Kind schien hilflos, hob seine
dünnen Arme und schlang sie um Wormtails Hals.
Diese Kreatur wird ins Wasser gelassen - sie verschwindet
unter der Wasseroberfläche. Harry hört,
wie der Körper auf den Boden des Kessels mit
einem sanften Laut aufstösst. Wormtail beginnt
zu sprechen, er ist aufgeregt und sehr ängstlich.
Er nimmt seinen Zauberstab, schliesst die Augen
und spricht in die Nacht: 'Knochen des Vaters,
unwissentlich gegeben, ihr werdet euren Sohn erneuern!'
Wormtail schneidet sich die Hand ab, die auch
in den Zauberkessel fällt. Harry kann den
Anblick nicht ertragen. Die Flüssigkeit hat
sich in ein brennendes Rot verwandelt. Wormtail
stöhnt unter den Qualen, weil seine Hand abgeschnitten
ist.
Die Oberfläche des Grabes beginnt zu Harrys
Füssen auseinander zu brechen und Harry sieht,
wie eine feine Staubwolke in die Luft steigt (auf
Wormtails Kommando hin) und dann in den Hexentopf
fällt. Die Wasseroberfläche zischt, sendet
Spritzer in alle Richtungen und verwandelt sich
in ein giftiges Blau. Jetzt wimmert Wormtail und
zieht aus seiner Kleidung einen langen, dünnen,
silbrig scheinenden Dolch und sagt einen weiteren
Zauberspruch: 'Fleisch des Dieners, willentlich
gegeben, du wirst deinen Meister wiederbeleben!'
Dann schwingt er den Dolch, Harry schliesst die
Augen, weil er weiss, was passiert - Wormtail schneidet
sich die Hand ab, die auch in den Zauberkessel
fällt. Harry kann den Anblick nicht ertragen.
Die Flüssigkeit hat sich nun in ein brennendes
Rot verwandelt. Wormtail stöhnt unter den
Qualen, weil seine Hand abgeschnitten ist.
Als Harry Wormtails Atem in seinem Gesicht spürt,
nimmt er Wormtail unmittelbar vor sich wahr. Wormtail
sagt: 'Blut des Feindes, mit Gewalt genommen, du
wirst deinen Feind wiedererstehen lassen!'
Harry kann sich gegen das weitere Tun Wormtails
nicht zur Wehr setzen, weil er an dem Stein festgebunden
ist. Wormtail ritzt Harrys rechten Arm ein und
das Blut Harrys tropft an dessen Ärmel herunter.
Wormtail holt ein Glasgefäss aus seiner Tasche,
hält es an Harrys Schnittwunde, so dass Blut
in das Gefäss hineintropft. Dann geht er zum
Kessel und giesst das Blut hinein. Die Flüssigkeit
im Kessel verwandelt sich sofort in ein blendendes
Weiss. Köcheln, Funken spritzen so hell, dass
alles andere dunkel erscheint. Stille. Harry hofft:
'Lass es ertrunken sein!'
Dann plötzlich steigt dicker, weisser Dampf
aus dem Kessel. Er ist so dick, dass man nichts
mehr sehen kann. Harry glaubt immer noch an ein
Missgeschick, sieht dann aber durch den Nebel die
dunklen Umrisse eines Mannes, der gross und skeletthaft
dünn ist und sich aus dem Hexenkessel erhebt.
Dieser Mann sagt zu Wormtail: 'Kleide mich!'Er
nimmt die schwarzen Kleider vom Boden auf und zieht
sie mit einer Hand über den Kopf des Meisters.
Der steigt daraufhin aus dem Kessel und starrt
Harry an. Harry starrt zurück. Lord Voldemort
war wieder erschienen."
In Kapitel 33 kommen dann wieder die Dementoren.
Sie eilen Voldemort zu Hilfe, der Harry töten
will. Im Kapitel 34 wird beschrieben, wie Harry
und Voldemort miteinander kämpfen. Harry spürte
seinen Atem in der Brust stocken. Die Kälte
drang ihm unter die Haut. Sie drang in seine Brust,
ins Innere seines Herzens ... Harrys Augäpfel
drehten sich nach innen. Er konnte nichts mehr
sehen. Die Kälte ertränkte ihn. In seinen
Ohren rauschte es, wie von Wasser.
Nach aufgesagten Zaubersprüchen kleben ihre
beiden Zauberstäbe zusammen. Eine Stimme sagt
Harry, er dürfe die Verbindung der Zauberstäbe
nicht auflösen (es ist Dumbledores Stimme,
Schulleiter in Hogwarts und Gegenfigur als "weisser" Magier
zu Voldemort). Sie sagt ihm weiter, dass er durchhalten,
loslassen und zu dem Feuerkelch laufen soll, damit
dieser ihn wieder zurückbringt. Der durch
Magie verwandelte Feuerkelch kann ja fliegen.
Wieder, gegen Ende des vierten Bandes, wie übrigens
immer gegen Ende der jeweiligen Bände, siegt
das "Gute" über das Böse. Über
die schwarzmagische Szene sagt Rowling: "Ich
habe heftig geweint, während ich es schrieb.
Aber es musste sein. Man kann nicht über Gut
und Böse schreiben, indem man das Böse
ausspart. (...) Aber Bücherschreiben hat nun
wirklich nichts mit Demokratie zu tun. Da darf
nur der Autor entscheiden. Auch wenn man mir in
Amerika Verherrlichung schwarzer Magie vorwerfen
wird." Verherrlichung schwarzer Magie ist
ihr bisher nicht vorzuwerfen. Doch die bewusste
Arbeit mit okkulten Vorstellungen lässt sich
in ihren Büchern nachweisen.
Dass Joanne Rowling in der Kontrastierung von
Gut und Böse so weit gehen muss, verdeutlicht,
dass sie zwar das grauenvoll, abartige, grundsätzlich
Böse kennt, nicht aber dessen Überwindung,
die allein durch den Geist Gottes in Jesus Christus
gegeben ist. Die Inanspruchnahme der weissen Magie
ist noch nicht einmal eine schwache Chiffre gegenüber
dem, was Gott durch den Tod seines Sohnes am Kreuz
von Golgatha an Sieg über Hölle, Tod
und Teufel schenkte. Im Gegenteil, sie lenkt von
diesem Sieg ab, womit der Böse seine Wirkmacht
behält. Insofern wäre unbedingt zu diskutieren,
ob literarisch die Fantasy-Stoffe geeignet sind,
den Kampf zwischen Gut und Böse begreifbar
werden zu lassen.
Wir Menschen stehen doch oftmals genau in diesen
Kämpfen und können sie, weder durch unsere
Vernunft, noch durch unsere eigenen Geistbezüge
(etwa die in der Magie) bewältigen. Wir benötigen
hierzu allein die Inanspruchnahme des Kreuzestodes
Jesu Christi und den Glauben daran, dass er uns
befreit. Wer das glaubt, wird recht frei und weiss
gleichzeitig davon zu berichten, dass der Geisterkampf
innerpsychisch erlebbar ist. Demnach ist "Voldemort" besiegt,
aber nicht durch weisse Magie, die nur die andere
Seite der magischen Medaille ist - Jesus Christus
sagt: "Wenn nun der Satan den Satan austreibt,
so muss er mit sich selbst uneins sein; wie kann
dann sein Reich bestehen?"
Die Sprache der Potter-Bücher ist sehr auf
Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Die Satzstruktur
ist einfach, die Gedankenführung logisch und
die Beschreibung der Geschehnisse, der Figuren,
Orte und Spannungselemente gelungen. Die miteinander
zu einem Lesevergnügen verwobenen Literaturgenres
sind: das Märchen, die Fantasy, der Horror
und der Krimi. Ferner sind Anleihen aus der Gespenstergeschichte
und dem Bildungsroman zu finden. Bei letzterem
allerdings vorrangig die Einführung in die
Wirkmacht der Geister und die dadurch ausgelösten
innerpsychischen Prozesse wie Identitätsfragen,
Krisenerleben und Beziehungskonstellationen zwischen
der Macht von Gutem und Bösem.
Der Potter-Stoff packt seine Leser, rüttelt
und schüttelt ihre Gefühle, hält
sie in Spannung und vermittelt Schulerfahrungen,
an die man sich als Erwachsener erinnert und die
man als Kind noch macht oder teilweise schon gemacht
hat: Qual der Hausaufgaben, Konkurrenz unter den
Schülern, Sportwettkämpfe, lästige
Prüfungen, Verführung zum Übertreten
der Schulregeln, Gerede über die Lehrer, Verdruss über
den Schulbeginn und Freude über das Ende des
Schuljahres. An der Seite von Harry und seinen
Freunden Ron und Hermine wird mitgezittert und
geschaudert, wenn es um den Kampf gegen den geht,
dessen Name man nicht nennen darf und von dem man
deshalb als von dem "Du-weisst-schon-wer" (dem
Bösen schlechthin, dem Schwarzmagier), Lord
Voldemort, spricht.
Harry erweist sich als der Zauberlehrling schlechthin,
weil er zum Zaubern begabt ist, weil er andere
zum Zaubern einlädt und weil er und seine
Freunde auf der Zauberschule (...) alles lernen,
was unter Zauberei, Magie, Hexerei etc. zu verstehen
ist. Doch die eigentliche Wirkung und Begeisterung
entsteht, weil er selbst, Harry, als unterdrückter,
vernachlässigter, missachteter Junge in mysteriöser
Weise durch die Kraft der Magie um ihn und in ihm,
sich selbst und andere befreien kann. Das kommt
an, das beeindruckt in einer Zeitgeiststimmung,
die von manchen Geistern schwanger ist und die
im Horizont gigantischer Veränderungen sich
beschwert fühlt und sehnsüchtig nach
Erlösung Ausschau hält.
Harry zaubert und bezaubert, doch wird er die
Geister, die er rief, auch bändigen können?
Nein, er will dies nicht. Er ist der Zauberlehrling,
der sich entsprechend seiner "Begabung" vorbildlich
erweist. Doch was folgt, wenn man so lebt?
Ein paar kräftige, nasskalte Hände klammerten
sich um Harrys Hals. Der Dementor drückte
ihm das Kinn nach oben ... Harry spürte den
Atem ... sie wollten ihn zuerst erledigen ... er
roch den widerlichen Atem ... Und dann, durch den
Nebel, der ihn ertränkte, glaubte er ein silbernes
Licht zu sehen.
Harry Potters Erlebnisse sind inzwischen zu einem
drogenartigen Lesestoff geworden, der, wie in einer
Art "Manie", seine begeisterten Leser
erfasst und sie sehnsüchtig auf den folgenden
Band warten lässt. Verwundert es, wenn so
bei vielen die Frage aufkommt, aus welcher Substanz
die Potter-Geschichten sind?
Joanne K. Rowling (das K. hinter ihrem ersten
Namen ist ein Pseudonym, ausgedacht, um dem amerikanischen
Leser zu suggerieren, dass hier ein Mann schreibt)
ist eine 34-jährige Lehrerin, die folgende
Begebenheit erlebte, die heute unglaublich, ungewöhnlich
oder gar unvorstellbar klingt: "Diese Geschichte
klingt wie ein modernes Märchen: Es war einmal
eine junge Frau namens J. K. Rowling, 31, frisch
geschieden, alleinerziehende Mutter eines drei
Monate alten Mädchens, mittellos.
Sie schob ihr Kind im Kinderwagen so lange im
Regen durch Edinburgh, bis das Kind einschlief.
Da wusste J. K. Rowling, dass sie nun anderthalb
Stunden Zeit haben würde, stürzte ins
nächste Café, bestellte einen Espresso
und ein Glas Wasser und schrieb fieberhaft an ihrem
Roman. Das Manuskript schickte sie an einen Agenten,
der es sofort annahm und augenblicklich einen Verlag
fand, und dann verkaufte er das Buch in viele,
viele Länder. Nun konnte sich J. K. Rowling
zum Espresso sogar ein Sandwich leisten. Und weil
die Geschichte wahr ist, werden noch weitere Bücher
mit Abenteuern von Harry folgen. Vom Scottish Arts
Council erhielt J. K. Rowling für 'Harry Potter'
die höchste Stipendiensumme, die je ein Kinderbuchautor
bekommen hat.
Wie die Romanfigur Harry, den die FAZ letzthin
auf ihrer Biographie-Spalte als "höchst
ungewöhnlich" bezeichnete, so ist auch
seine Erfinderin zumindest ungewöhnlich. Am
3. August 2000 erhielt Joanne K. Rowling an der
Universität von Exeter die Doktorwürde
der Literaturwissenschaft. An dieser Uni hatte
sie Französisch und Geschichte des Klassischen
Altertums studiert, bevor sie begann, Bücher
zu schreiben.
Sie wurde auch von der britischen Königin
Elizabeth II. mit dem Orden des Britischen Empires
ausgezeichnet, der mit dem Bundesverdienstkreuz
zu vergleichen ist. In einem "Spiegel"-Interview
geht sie -wenn auch spärlich - auf nähere
Hintergründe ihrer Absicht und Überzeugung
bezüglich ihrer Zaubergeschichten ein. In
der "Mischung aus Normalität und Magie,
mit der sich viele Menschen identifizieren können",
sieht sie den Erfolg ihrer Bücher begründet.
Ist dies so? Leben die Menschen heute in ihrer
gestressten, oft künstlichen und mehr und
mehr das Natürliche verlassenden Welt, in
der im Internet die Cyberwelt erfahren wird - in
der Realität und in der Magie? Letzteres würde
nicht verwundern, denn die Religionen vagabundieren,
der Soft-Okkultismus blüht und Magier, Zauberer,
Hexenmeister und vielfältigste dubiose Geister
und Gestalten spuken durch unsere Kulturangebote.
Angefangen beim Fernsehen, in dem innerhalb der
Kindersendungen nur noch wenige Zeichentrickfilme
auf magische Zusätze verzichten, über
Theater, fernöstliche Entspannungsangebote,
Horoskope, Astrologie, magische Visualisierungen
bis hin zu magischen Kontemplationen. Steht im
Vakuum der Gottlosigkeit unserer Zeit die Magie,
in den Spielweisen von weisser und schwarzer Magie
bereit, die Menschen zu begeistern?
Wenn man die Potter-Bücher liest, in denen
die einzelnen Schuljahre von Harry auf der Hexen-
und Zauberschule Hogwarts, mit seinen Freunden
Ron und Hermine, aufregend, spannend, horror- und
magiegeladen geschildert werden, so kann man sich
dieses Eindrucks nicht entziehen. Die Realität
der drei ist eine rein magische. Die der Anverwandten
hingegen, bei denen Harry lebt, weil seine Eltern
vom Schwarzmagier Voldemort getötet wurden
und er nur überlebte, weil seine Mutter für
ihn starb (vgl. "Harry Potter und der Stein
der Weisen"), der sogenannten Muggel (solche,
die keine magischen Fähigkeiten haben), wird
in den Büchern nur knapp geschildert. Harry,
Ron und Hermine leben in der Magie-Realität.
Muss man dies zunehmend tun, um die Wirklichkeit
um einen herum ertragen zu können?
Spannend und teilweise dramatisch sind gerade
jene schwarzmagischen Abschnitte, in denen es um
den Kampf zwischen Harry und Voldemort geht (etwa
ein Drittel des gesamten Textes und von Band zu
Band an Intensität zunehmend). Spannend sind
die Geschichten deshalb, weil Rowling bereit ist,
die Grenzen zu überschreiten. Zwischen Märchenanteilen,
Horrorverschnitten und schwarzmagischen Szenen
und Ritualen (besonders im vierten Band) wird die
Grenze immer wieder überschritten, so dass
die einzelnen Genres ineinanderlaufen. Damit steht
sie in der Tradition der englischen Literatur,
die sie aber nun - sogar mit Krimianteilen - geschickt
in die Welt der Kinder übersetzt.
Harry ist elf Jahre alt, als er in die Hexen-
und Zauberschule kommt. Jeder weitere Band enthält
die Geschichten des folgenden Schul- und Lebensjahres
des Harry Potter, so dass er, inzwischen im vierten
Band, 14 Jahre alt ist und das vierte Jahr in der
Schule erlebt. Rowling sagt: "Harry Potter
sieht die Welt, wie ich sie als Elfjährige
erfahren habe."
Literarisch geht Rowling teilweise auf Jan Nesbit,
Tolkien und C.S. Lewis zurück, wobei letzterer
gerade in scharfem Gegensatz zu Rowling steht.
Denn Lewis überschreitet die Grenzen bewusst
nicht und bekämpft das Böse nicht mit
Bösem, er setzt der schwarzen nicht die weisse
Magie entgegen. Lewis wusste um die Macht, die
allein das Böse besiegt und für alle
Zeiten besiegt hat. Sein Löwe Askalan ist
als Figur Hinweis auf Jesus Christus, der am Kreuz
von Golgatha ein für alle Mal den Bösen
(Tod, Hölle, Teufel) besiegte. Rowling hingegen
benutzt die Magie, um über sie Spannung und
Macht zu erzeugen, von der sie meint, dass die
Kinder sie in ihrer Rezeption der Geschichten aufnehmen.
"
Besonders in der Kinder-Literatur war das Magische
stets von zentraler Bedeutung. Das hat einen simplen
Grund: Es verleiht Kindern Macht, die sie sonst
nicht haben. Es ist eine historische Tatsache,
dass der erste Glaube in wohl jeder Kultur die
Magie ist. Sie wird immer erst später durch
Religion ersetzt. Und erst ganz spät kommt
dann die Wissenschaft hinzu."
Vor dem Erscheinen der Rowling-Bücher wurde
bereits in vielfältiger Weise das gesellschaftliche
Umfeld zur Aufnahme solcher Geschichten geschaffen.
Die Rezeption und inhaltliche Aufnahme der Michael
Ende-Bücher in den Kanon der Kinder-und Jugendliteratur
zeigt dies ebenso wie die Verbreitung der New Age-Philosophie
und die neue Religiosität ohne Gott in unserer
Zeit. Bezüglich der Magie ist heute geradezu
eine Offenheit für die Praxis derselben festzustellen.
In einem Praxisbuch der weissen Magie und in einem,
das das Hexenwissen weitergibt, wird durch die
Kenntnis entsprechender Beschwörungs- und
Hexenrituale ein glückliches Leben verheissen.
Unsere Zeit ist geisterschwanger und gleichzeitig
geistlos, was die Akzeptanz Gottes in Jesus Christus
und die Beachtung seines Wortes, der Bibel, betrifft.
Denn in dieser ist all das Magische, ganz gleich
in welcher Gestalt, Gott ein Gräuel und den
Menschen keine Hilfe zum Leben. Im Gegenteil, sie
bereitet noch schneller den seelischen Tod des
Menschen vor.
Dem steht der Geist Gottes entgegen, der die Geister
prüft. Dieser Geist ist es auch, der echte
und bleibende Freiheit schafft - "Der Herr
ist Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da
ist Freiheit."
Harry kann sich nicht selbst aus der Unterdrückung
seiner Verwandten befreien, deshalb kommen die
Geister aus der "Hogwarts-Welt" in seine "Muggelwelt",
um ihn zu befreien. Er selbst, dazu bestimmt, Zauberer
zu sein, ist durch seine Prädestination hierzu
für viele in seiner Zauberweltumgebung ein
Vorbild und ein Anstoss des Ärgernisses. Zauberei
gibt ihm Macht und zeigt ihm gleichzeitig die Grenzen
der eigenen. Wie er schliesslich im siebten Band,
dann 17 Jahre alt, den Geisterkampf bestehen wird,
ist noch nicht abzusehen. Rowling hat das letzte
Kapitel des siebten Bandes schon fertig und in
einem Safe aufbewahrt. Bis wir um Harrys Ergehen
im siebten Band wissen, mag noch viel Zaubereibegeisterung
Millionen Leser erfassen.
Doch schon jetzt, das zeigt die Wirkung der Harry-Erlebnisse,
ist er Vorbild für viele seiner Leserfreunde.
Buchhandlungen werben mit Zauberern, Leser verkleiden
sich in Zauberer, der Stoff der Romane wird verfilmt
und die ganze Welt kennt Harry als den Zauberer.
Dass er nebenbei eine gute Freundschaft mit Hermine
und Ron erlebt, dass er sich vorbildlich für
seine Freunde und das Gute einsetzt, dass seine
Mutter aus Liebe zu ihm starb, damit er lebt, dass
er seine Gegner nicht mit den Waffen schlägt,
mit denen sie ihn bedrohen, dass er mit seinen
Geschichten die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen
wieder zum Lesen, statt zum Fernsehen oder Internetsurfen
bringt, dass sein geschätzter Lehrer Dumbledore
ihm Weisheiten vermittelt, die der Beachtung wert
sind, all dies sind nicht die eigentlichen Gründe,
warum Harry Potter so begeistert gelesen wird.
Im Gegenteil, wer ohne viel Getöse mit Magie,
Horror und Märchenanteilen die Wirklichkeit
menschlicher Existenz beschreibt, bleibt vergleichsweise
unbeachtet in der Lesergunst.
Erst das Spiel mit dem Okkulten verleiht den Romangeschichten
um Harry Potter den Reiz. Menschen schenken von
Natur aus dem Bösen immer wieder mehr Interesse
als dem Geist Gottes. Wir werden durch literarische
Stoffe, die das Verwerfliche, Teuflische und Unmenschliche
zeigen, mehr angesprochen. Dies reizt uns und ist
teilweise geeignet, um die Realität des Bösen
zu begreifen, auch gerade im Kontext menschlichen
Handelns. Doch wenn die Hilfe aus dem Dschungel
teuflischer Verstrickungen und Angriffe (vgl. Voldemorts
Bemühen, Harry zu töten und durch seinen
Tod zu der Macht zu kommen, die ihn über alle
anderen Mächte mächtig sein lässt)
durch Magie kommt, dann ist die Wahrheit durch
die Lüge besiegt. Echte Freiheit von "Voldemort-Eigenschaften" und
-absichten ist damit nicht gegeben. Alle anderen
Stoffe, auch die, welche die rohe Realität
beschreiben, sind dagegen von geringerem Interesse.
Das lässt sich an den verkauften Auflagen
entsprechender Bücher im Vergleich mit solchen,
in denen Magie, Horror etc. vorkommen, belegen.
Denken wir nur zum Beispiel an die vielen Millionen
verkaufter Bücher von Stephen King und an
seine Dauerleser. Warum dies so ist, ist mehr denn
je zu bedenken und in den Folgen für das menschliche
Miteinander abzuschätzen.
Einmal vom Harry Potter-Fieber angesteckt, ist
es schwer, über Kinder- und Jugendbücher,
ihre Klassiker und ihren Wert, jenseits der Fantasy-Stoffe,
nachzudenken und Beachtung zu finden. Schliesslich
empfehlen Fachleute, Harry Potter-Bücher im
Grundschulunterricht einzusetzen oder sie schon
bereits als Kinderbuchklassiker zu betrachten.
Besonders dann, wenn man ihre Stoffe, Elemente
und Aufgaben benennen will. Das habe ich schon
vor zehn Jahren versucht. Ich komme heute, trotz
der Potter-Euphorie, zu keinem anderen Ergebnis.
Deshalb möchte ich auf das sechste Kapitel
meiner Arbeit über die Magie in den Bestsellern
unserer Zeit verweisen, wo ich Etliches über
Alternativen sage.
"Vertraue deiner eigenen Kraft", lautet
die Botschaft von Joanne K. Rowling, meint Monika
Osberghaus. Ich stimme ihr zu und frage weiter,
inwiefern denn diese eigene Kraft das Gute schaffen
und das Böse besiegen kann? Wir Menschen bleiben
erlösungsbedürftig, weshalb Harry ja
auch zur Erlöserfigur gegenüber dem Bösen
gemacht wird - doch können wir uns am eigenen
Schopf aus dem Sumpf ziehen? Gegen das Selbsterlösungskonzept
Rowlings, wobei dieses allein schon durch die Inanspruchnahme
von weisser Magie zur Problem-Lösung fragwürdig
ist, steht die Erfahrung der Erlösungsbedürftigkeit,
dieser Sehnsucht nach Freiheit, die man sich selbst
nicht verschaffen kann. Gegen dieses Konzept steht
das Lebenszeugnis vieler Jesus-Nachfolger, die
berichten und bezeugen, durch ihn frei geworden
zu sein, durch ihn die "Voldemort-Figuren" ihres
Lebens als besiegt erfahren zu haben. Das muss
auch offen gesagt werden dürfen.
Erst das Spiel mit dem Okkulten verleiht den Romangeschichten
um Harry Potter den Reiz. Menschen schenken von
Natur aus dem Bösen mehr Interesse als dem
Geist Gottes.
Das Gespräch zwischen den Potter-Fans und
solchen, die von der Freiheit durch und in Jesus
Christus zu berichten haben, ist durchaus angebracht.
Dabei geht es nicht um ein Pro und Kontra zu Harry
Potter und seiner Schöpferin, sondern um die
ernsthafte Frage nach wahrhaftiger, echter, im
Leben und im Sterben sich bewährender Freiheit
von menschen- und gottverachtenden Einflüssen.
Aus diesem Grunde engagiere ich mich, analysiere
die Potter-Bücher und nehme Stellung als jemand,
der ganz entschieden ihre Botschaft der Befreiung
aus eigener Kraft bestreitet. Schliesslich ist
die Realität der Lebenswirklichkeit und -befindlichkeit
der Leser für diese realer als dasjenige,
was Harry sie als Zauberlehrling und Zaubermeister
lehrt. An dieser sollten sie ihre Freiheit realistisch überprüfen.
Klaus Rudolf Berger
factum Magazin