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Portraits | Promis & Religion

„Ich konnte mich nicht von der Brücke stürzen“

 
Heinz Stucki und Frau
Fuhr viele Kurven, bis er ein Ziel sah: Heinz und seine Frau heute.
Heinz wächst in einer Familie auf, in der man Gefühle für sich behält und nicht über Probleme spricht. Als Lehrling verliert er sich an die einarmigen Banditen im Spielsalon, doch etwas hält ihn am Abgrund zurück.

Als guter Schauspieler habe ich von Kind auf verdecken können, was in mir abging. Ich war nicht glücklich. Mein Vater führte im Berner Oberland eine Bäckerei; früh hatte ich mitzuhelfen. Man war korrekt, ehrlich, tüchtig. Die Sekundarschule besuchte ich im Nachbartal; da kam ich mit meiner verschlossenen Art nicht an. Über Gefühle konnte ich nicht reden. Im OL und auf Langstreckenläufen fand ich Bestätigung. Obwohl ich mich anpasste, wurde ich als Aussenseiter gehänselt.

Im Konfirmandenunterricht forderte mich der Pfarrer enorm heraus; wir hatten viele gute Gespräche. Mein handwerkliches Geschick führte mich zur Elektronik. Ich fand eine Lehrstelle bei der PTT in Bern. Als Oberländer fühlte ich mich fremd in der Grossstadt. Der Lehrmeister setzte mich dauernd herab. An Wochenenden kam ich zurück, sass mit Kollegen in der Beiz und becherte, was das Zeug hielt.

 
Heinz Stucki
Der Bäckersbub im Bergtal

In der Stadt abgestürzt
Ich wohnte bei einer alten Frau. Nach einiger Zeit hatte ich genug von endlosen Fernsehabenden. Ich wollte in den Ausgang, aber ich hatte keine Freunde. Als erstes entdeckte ich den Spielsalon – und begann die Automaten zu füttern. Ich brauchte pro Abend bis zu 50, manchmal sogar 100 Franken. Nicht bloss der Lohn, auch meine Ersparnisse gingen innerhalb weniger Wochen drauf.

Die Verzweiflung wuchs. Ich sah keinen Ausweg mehr. Es kam 1980 so weit, dass ich den Vorsatz fasste, möglichst schnell und schmerzlos allem ein Ende zu machen. Ich wollte mich von der Kirchenfeldbrücke in die Aare stürzen. Doch ich konnte mir das Leben nicht nehmen. Jemand nahm mich auf der Brücke in Empfang und führte mich zurück in die Altstadt, wo er mir ins Gewissen redete: Ich könne einfach mein Leben nicht so beschliessen.

Ich weiss nicht, wie ich wieder nach Ostermundigen in mein Zimmer gelangte. Später nahm mich ein Lehrling, den ich mochte, mit zu einer Veranstaltung mit dem Evangelisten Wilhelm Pahls. Sein Vortrag schlug ein. Mein ganzes Leben kam mir entgegen. Ich kaufte die Kassette des Abends und hörte sie immer wieder ab. Doch wie ich die Kurve schaffen sollte, ging mir nicht auf – ich fand, ich hätte schon zu viel Schräges gemacht.

 
Heinz Stucki
Ausgang – wohin? In der Stadt war Heinz einsam.

Zu zweit
Der Kollege gab nicht auf. Er nahm mich mit zu christlichen Konzerten. Und dann hatte ich plötzlich – eine Freundin. Sie stammte aus demselben Oberländer Tal und war ähnlich verknorzt aufgewachsen. Nach der RS nahmen wir uns eine Wohnung. Mit ihr sah ich ein Ziel im Leben. Sie wurde schwanger, und wir heirateten 1985 im tiefsten Winter.

Während meiner Schulzeit waren Verwandte meiner Mutter aus Frankreich oft bei uns zu Besuch gewesen. Der Mann pendelte. Er hängte Weihnachtskugeln in der Wohnung auf – und sie begannen zu schwingen. Einmal pendelte er mit mir. Es war ganz unheimlich. Die Sache nahm mich gefangen. Ich spürte, dass dunkle Mächte im Spiel waren – als wäre mir eine Glocke übergestülpt worden.

Okkulte Bücher und ein ausführliches Horoskop
Als Erwachsener wollte ich mir darüber Klarheit verschaffen. Ich vertiefte mich in diese Themen. Erich von Dänikens Bücher las ich alle. Für viele hundert Franken kaufte ich Literatur, probierte Meditationstechniken bis zum Überdruss und liess mir ein ausführliches Horoskop stellen. Der Witz: Es sagte bloss aus, dass es mit mir nicht aufging. Ein zweites Horoskop zeigte die Spannungen in meiner Ehe. Ich legte Karten, studierte Beschwörungsformeln und stellte Pyramiden unters Bett, um Kräfte zu beeinflussen.

Inzwischen gingen unsere zwei Kinder zur Schule. Ihr Jungscharleiter kam einmal zu uns und sprach über Jesus und den Glauben. Da ging mir auf, dass der Konfirmanden-Pfarrer, der Kollege in der Lehre und der Mann auf der Brücke alle dasselbe meinten. Ich griff zur Bibel – aber es war zum Verzweifeln: Ich verstand nicht, was das Ganze sollte. Dies obwohl auch die Schwester meiner Frau mich immer wieder auf den Glauben an Christus hinwies. Ich spürte, dass sie es gut mit uns meinte, aber ich ignorierte ihre Bemühungen – mich faszinierten die enormen Kräfte des Okkulten. Irgendwie hoffte ich, selbst mit meiner Persönlichkeit zurechtzukommen.


Fortsetzung:Teil 2
Fortsetzung:Teil 3

Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch
Datum: 12.07.2006

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