Die von Privatleuten gestalteten Weblogs im Internet sind nach Expertenmeinung keine Alternative zum traditionellen Journalismus. Dennoch seien Weblogs auch für Medien interessant, weil sich hier Mediennutzer zu Wort meldeten, sagte der Internet-Experte Tim Fischer bei den Frankfurter Journalistentagen Anfang April.
Mit Hilfe von Weblogs oder Blogs könnten auch traditionelle Medien neue Aufmerksamkeit und neue Leser gewinnen, so Fischer. Lorenz Lorenz-Meyer, Professor an der Fachhochschule Darmstadt, sagte, die Macher von Weblogs verbreiteten nicht nur ihre Meinung im Internet, sondern seien auch selbst Informationsquelle. Die von Spezialisten angebotenen Weblogs zu Technologiethemen beispielsweise böten für Journalisten nützliche Hintergründe.
Der Blogger Jörg Kantel kritisierte, dass der traditionelle Journalismus die lokale Berichterstattung immer mehr vernachlässige. Da er über den Berliner Stadtteil Neukölln, in dem er lebe, in der Zeitung kaum noch etwas erfahre, habe er zusätzlich zu seinem eher technikorientierten Weblog auch eine Art Stadtteilzeitung im Netz (www.rollberg.de) gegründet.
Philip Graf Dönhoff von der Internetzeitung «Netzeitung» sagte, Journalismus und Weblogs ergänzten sich. Blogs seien für die Themenfindung und die Recherche sehr wichtig. Die «Netzeitung» plane derzeit eine Rubrik, die von Lesern geschrieben werden solle. Vor allem junge Journalisten und Journalistenschüler sollten dort die Möglichkeit erhalten, zu schreiben. Honorare zahle die «Netzeitung» für diese Beiträge allerdings nicht, sagte Dönhoff.