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Europarat will Kreationismus nicht verdammen

 
Guy Lengagne
Guy Lengagne, sozialistischer Abgeordneter im Europarat.
Der Europarat will einen Bericht, der die Formen von Kreationismus allesamt als gefährlich hinstellt, nicht beraten. Das Papier muss überarbeitet werden.

Ein Komitee unter dem französischen Mathematiker Guy Lengagne, einem sozialistischen Abgeordneten, hatte im Bericht schweres Geschütz aufgefahren: Wenn der aus der Bibel abgeleitete Schöpfungsglaube in den Schulen als Lehre gegen die Evolutionstheorie gestellt werde, gefährde dies die Demokratie und werfe die Gesellschaften in ihrer Entwicklung zurück. "Wenn wir nicht aufpassen, könnte der Kreationismus eine Bedrohung der Menschenrechte werden."

Der Kreationismus, egal in welcher konkreten Ausprägung oder Glaubensrichtung, sei "nicht faktenbasiert", schreibt Lengagne in dem Bericht. Dagegen gebe es aus wissenschaftlicher Sicht "absolut keinen Zweifel" daran, dass die Evolutionstheorie zentral sei "für unser Verständnis des Universums und des Lebens auf der Erde". Lengagne warnt insbesondere davor, Kreationismus im Biologieunterricht zu vermitteln, als Alternative zur Evolutionstheorie, wie dies in den USA in einigen Staaten möglich ist. Wenn überhaupt, so dürfte darüber nur im Religionsunterricht gesprochen werden.

Berichterstatter Lengagne behauptet, wenn die Anhänger des Kreationismus -schöpfungsgläubige Muslime inbegriffen - Auftrieb erhielten, würde die Suche nach einem Heilmittel für tödliche Krankheiten wie AIDS gebremst, Fundamentalismus und Extremismus würden gestärkt. Der Bericht warnt vor der engen Verbindung zwischen religiösem Extremismus, der oft hinter der Ablehnung der Evolutionstheorie stecke, und rechtsgerichteter Politik. Wer den Kreationismus konsequent vertrete, wolle die Demokratie durch die Theokratie, also einen Gottesstaat, ersetzen.

Kritik unausgewogen
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats setzte den Bericht von der Tagesordnung ab. Der Vorsitzende der konservativen Fraktion, der Belgier Luc van den Brande, erklärte, die Kritik an den kreationistischen Vorstellungen sei unausgewogen. Der zuständige Ausschuss muss nochmals über die Bücher. Lengagne reagierte entsetzt: "Wir erleben hier, wie die Weichen für eine Rückkehr ins Mittelalter gestellt werden, und zu viele Mitglieder dieser Menschenrechts-Versammlung bemerken es nicht."

Kommentar

Mit Kanonen auf Spatzen gezielt
von Peter Schmid

 
Europarat
Plenarsaal des Europarates.
Statt die Kreationisten als Feinde von Fortschritt, Freiheit und Demokratie zu verteufeln, könnte der Berichterstatter auch über die wahrhaft tiefgehenden Folgen des Glaubens an die Evolutionstheorie rapportieren. Denn diese dominiert auf unserem Kontinent seit Jahrzehnten das Bildungswesen.

Es wäre interessant, von Monsieur Lengagne und seiner Gruppe Antworten auf die folgenden Fragen zu erhalten:

- Inwiefern hat der Glaube an die Evolution des Menschen die Mentalität gefördert, dass wir auf Kosten der folgenden Generationen die natürlichen Ressourcen des Planeten verbrauchen können - weil diese, evolutionär fortgeschritten, Lösungen finden werden?

- Was hat der Wildwuchs der säkularen, Gott-losen Fortschrittsgläubigkeit im 20. Jahrhundert - kein Gott im Himmel, kein Schöpfer, der Rechenschaft einfordert - zum Grössenwahn und zur Umweltzerstörung beigetragen?

- Wie schafft es der Mensch, der sich als "Zigeuner am Rande des Universums", als Zufallsprodukt eines blinden Prozesses ohne Ende verstehen muss, Sinn im Leben zu finden und sich vernünftig, verantwortungsbewusst und zukunftsoffen zu verhalten?

- Wenn der Mensch das Mass aller Dinge ist, sich aber als ständig evoluierendes Wesen sieht, wie kann er Werte setzen, die der Gesellschaft Stabilität verleihen?

Auf diese Fragen sollte Europa Antworten erhalten. Damit würde der Europarat seiner Bestimmung gerecht.

Der Bericht im Wortlaut (englisch)

Quelle: Livenet / Die Welt

Autor: Peter Schmid

Datum: 28.06.2007

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