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Darwin – ein Theologe mit einem «abscheulichen Geheimnis»

 
Charles Darwin im Alter
Charles Darwin im Alter von 51 Jahren, als er die Evolutionstheorie publizierte.
Am 24. November 2009 ist es 150 Jahre her, seit der britische Naturforscher Charles Darwin das Evolutionsbuch «Die Entstehung der Arten» publizierte. In diesem Werk weist Darwin aber auch auf ernsthafte Schwierigkeiten hin, die der studierte Theologe an anderer Stelle gar als «abscheuliches Geheimnis» bezeichnet.

Den ersten, gekritzelten Stammbaum skizzierte Darwin im Jahr 1837 und überschrieb das Papier mit «I think - Ich denke». In der Art eines solchen Stammbaums entfalteten sich nach seiner Darstellung sämtliche Lebewesen; daraus wurde der Kern der Evolutionstheorie.

Darwins Theorie sieht vor, dass Lebewesen durch Selektion neue Baupläne entwickeln und sich so selbst verbessern. Der besser Angepasste überlebt in dieser «Auslese», der Unangepasste bleibt auf der Strecke. Das betrifft auch die Entstehung von Verhalten und Moral. Gut und böse seien weniger moralisch absolute Gegebenheiten als vielmehr Attribute, die auf die Abstimmung von den Affen hinweisen, notierte Darwin. Jeder Trieb, jedes Verlangen seien evolutionäre Erbgüter, selbst die Anbetung zu Gott.

Neutral schien er nicht an seine Arbeit zu gehen. So protokollierte er 1871 in seinem Buch «Descent of man»: «Ich habe wenigstens, wie ich hoffe, einen guten Dienst getan, dazu beizutragen, das Dogma der separaten Schöpfung umzustürzen.»

Darwin lernt Theologie
 
Reinhard Junker
Reinhard Junker, Mitarbeiter der Studiengemeinschaft «Wort und Wissen».
Zur Welt kam Charles Darwin am 12. Februar 1809. Mit 16 Jahren begann der junge Brite ein Medizinstudium. Biologe Reinhard Junker, Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen: «Er beobachtete aber lieber Tiere in der Natur. Gerade die Operationen waren damals sehr schlimm, sie wurden ohne Narkose durchgeführt. Nach zwei Jahren brach Darwin sein Studium ab.»

Schliesslich durchlief Darwin ein Theologie-Studium, das er mit einer guten Note abschloss. Aus dem angestrebten Pfarramt wurde dann aber nichts. Denn für eine Weltreise auf dem Vermessungsschiff «HMS Beagle» wurde ein standesgemässer Begleiter für den Kapitän gesucht. Junker: «Darwin wurde von einem Freund dafür vorgeschlagen, mit dem Hinweis, dass er auf dieser Reise weltweit forschen kann.»

Darwin segelte mit Kapitän Robert FitzRoy fünf Jahre um die Erde. «Er beobachtete und forschte viel, schickte kistenweise Material nach Hause und kam als berühmter Naturforscher zurück.» Im Oktober 1836 erreichten die Segler London wieder.

Darwin zuerst pro Schöpfung
Darwin publizierte viele Werke und Artikel und schrieb Tagebücher und zahllose Briefe, deshalb weiss man viel über ihn. Seine bekanntesten Werke waren 1859 «Die Entstehung der Arten» und 1871 «Descent of Man».

Inspiriert wurde der junge Darwin vom Buch «Natural Theology» von William Paley. Dieser englische Theologe beschreibt eingangs seines Buches einen Gang über die Heide, bei man auf dem Boden eine Uhr finde. Man schliesse hier sicher auf einen Konstrukteur. Ähnlich, so schloss Paley, könnten auch die Lebewesen kein Zufallsprodukt sein, sondern müssten einen Schöpfer haben. Reinhard Junker: «Darwin fand das zuerst auch schlüssig.» Später kam der Engländer zu einem anderen Schluss: «Im Rückblick schreibt er: "Das alte Argument vom Design in der Natur, wie es von Paley verwendet wurde und das mir früher so schlüssig schien, scheitert nun, nachdem das Gesetz der natürlichen Auslese entdeckt worden ist."»

Fliegen stürzen ab
 
Mit der HMS Beagle
Mit der HMS Beagle segelte Darwin fünf Jahre forschend um die Welt.
Die Lebewesen würden immer besser und vollkommener, glaubte Darwin. Es gebe Verbesserungen, die durch eine natürliche Selektion unvermeidlich zu einem Fortschritt führen würde. So seien auf dunklem Boden die dunklen Vertreter einer Art besser dran, da die helleren von ihren Fressfeinden besser gesehen werden; die besser getarnten bleiben übrig.

Reinhard Junker: «Was Darwin nicht wusste, ist, woher die vorhandene Vielfalt kommt. Unterschiedliche Fellfarben etwa sind eine Variabilität, die im Erbgut bereits vorhanden ist. Oder es gibt Erbsen, deren Blätter eine unterschiedliche Anzahl von Ranken besitzen. Solche Mutationen basieren aber nur auf Bauteilen, die bereits vorhanden sind. Grundlegend neue Bauelemente sind nicht dabei.»

Junker nennt das Beispiel Fruchtfliegen. «Diese haben ein Flügelpaar, dahinter liegen Schwingkölbchen. Diese sorgen für das Gleichgewicht; ohne sie sind die Fliegen flugunfähig.» Im Labor wurden nun auch Fruchtfliegen mit vier Flügel gezüchtet. «Das ist aber kein neues Bauelement, die Konstruktion ist ja schon da und nur an falscher Stelle ausgeprägt. Das erklärt nicht, woher die Flügel kommen.» Ausserdem waren diese Fliegen wegen den fehlenden Schwingkölbchen nicht in der Lage zu fliegen, letztlich handelte es sich um einen Verlust.

Auch zu nennen sind die Darwinfinken, die verschieden dicke Schnäbel aufweisen und sich je nach Inselgruppe, auf der sie leben, spezialisierten. «Diese Variabilität ist ebenfalls im Erbgut vorgesehen. Es ist eine Spezialisierung und nicht die Entstehung von etwas Neuem, wie zum Beispiel einem Kiefer mit Zähnen.»

Darwin kam ins Frösteln
Eines der bedeutendsten ungelösten Probleme in der Evolutionstheorie ist das Verständnis, wie neue, komplexe Körperbauteile entstehen. Junker: «Eine Reihe von Biologen sagen heute, dass bestehende Wissen reiche nicht aus. Die bekannten Mechanismen erklären nicht die Entstehung, nur die Variabilität.»

Darwin ging aufs Ganze, als er schrieb: «Wenn gezeigt werden könnte, dass irgendein komplexes Organ existiert, das nicht durch zahlreiche, aufeinanderfolgende, geringfügige Veränderung gebildet worden ist, würde meine Theorie absolut zusammenbrechen. Aber ich kann keinen solchen Fall finden.»

Beim Auge komme ihm das Frösteln, schrieb Darwin einem Freund. Er schlug aber vor, dass aus einem einfachen Grubenauge ein komplexeres hervorging, das sich immer verbesserte, bis es zum komplizierten Linsenauge wurde. Junker: «Das einfache Lochkamera-Auge machte ein Bild. Aber was nützt es, wenn ein Organismus mit einem Grubenauge nur Richtungen wahrnehmen konnte? Das Lebewesen muss das Bild auch auswerten können, wenn es einen Vorteil bringen soll. Es kann ja nicht voraussehen, dass irgendwann die "Software" kommt, die das Bild dann verarbeitet. Das kann nicht mit kleinen Schritten erreicht werden. Das komplette System muss vorhanden sein, sonst schlägt die Auslese zu. Auch die Linse braucht viele Elemente gleichzeitig, um die Scharfstellung bewirken zu können, nämlich den Linsenkörper, geeignete Linsenproteine, Muskeln und so weiter und auch eine Regelung.» Zudem sei die Frage ungeklärt, woher der Prototyp des Auges kommt, denn selbst das einfachste Auge beherberge vieles an Biochemie und eine nicht reduzierbaren Komplexität (lesen Sie dazu auch: Ein erstaunlicher Blick aufs Auge).

Oder es kann der Bakterienmotor genannt werden, der ähnlich wie Rotationsmotor funktioniert. Dieser ähnelt einer von Menschen entworfenen Maschine - ein Stück Natur, das Planung erkennbar macht. Reinhard Junker: «Darwin konnte nicht wissen, was sich in den Zellen abspielt, es war für ihn eine Blackbox.»

Ähnlichkeit bedeutet nicht gemeinsamer Vorfahr
 
Michael J. Behe
Darwins Blackbox: Michael J. Behe nennt «Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie».
Die Hand eines Menschen, die für das Greifen konstruiert ist, die Hand eines Maulwurfs zum Graben, das Bein eines Pferdes, die Flosse eines Delfins, der Flügel einer Fledermaus - sie sind nach demselben Muster konstruiert, ihre Knochen ähnlich angeordnet.

«Es wird gesagt, dass in einer Schöpfung sicher ganz unterschiedliche Knochengerüste gebaut würden. Woher aber weiss man, dass es anders gebaut besser wäre», fragt Reinhard Junker. «Die Funktionen sind logisch, die Drehbewegung etwa mit Elle und Speiche. Ein ähnlicher Grundbauplan macht Sinn. Dieses Argument von Darwin spricht also nicht zwingend für Evolution.»

Lange Zunge
Spezies dagegen, die weit auseinander liegen, weisen manchmal gemeinsame Merkmale auf. Als Beispiel nennt Junker eine ausstülpbare, klebrige Zunge (sogenannte «Leimrute»), die Erdferkel, Ameisenbär und Schuppentier besitzen; entsprechend ist der Schädel geformt und ein spezieller Kaumagen liegt vor. Ausserdem muss die Zunge verstaut werden können. Ein Blick auf den Stammbaum der Evolution zeigt, dass dieses System keinen gemeinsamen Vorfahren der Leimrutennutzer hat.

«Man muss in der Evolution also annehmen, dass das gleiche System mehrfach unabhängig voneinander entstanden ist - und dann wäre ohne Richtungs- und Zielvorgabe mehrfach das gleiche, komplexe System erwischt worden.» Das würde bedeuten, dass es nichts mit einem gemeinsamen Vorfahren zu tun hatte. Manchmal sind die Verwandtschaftsverhältnisse so verwirrend, dass man kaum mehr einen Stammbaum mehr entwerfen kann «Es liegt dann kein eingeschachteltes System der Evolution mehr vor, sondern die Darstellungen sehen eher wie ein Rasen aus, nicht wie ein sich verzweigendes Geäst. Es sieht eher nach einer Vernetzung aus, nicht nach einer Verzweigung.»

Gene lügen nicht
 
Klein, unscheinbar
Klein, unscheinbar und doch hochkomplex – eine Biene mitten in ihrem Alltag (Foto: Muhammad Mahdi Karim).
Völlig unterschiedliche Tiergruppen besitzen oft dieselben Regulationsgene. Beispiel: Fast alle Augen werden durch das Gen «Pax6» oder das fast identische Gen «Eyeless» gesteuert; so etwa Mensch, Wespe oder Schnecke. Und dies, obschon diese Augen komplett verschieden sind im anatomischen Aufbau und Wirbeltiere sich komplett von Insekten unterscheiden.

Oder da ist das Gen Distalless (DII), das sowohl die Bildung unserer Finger steuert, als auch die Saugfüsse eines Seeigels. Reinhard Junker: «Da diese Gene dermassen ähnlich sind, hätte ein gemeinsamer Vorfahre diese schon besitzen müssen. Somit hätte er keine spezialisierten Extreme haben können. Es ist völlig überraschend, dass alle Organsysteme querbeet von gleichen Steuergenen eingeschaltet werden.» Ein gemeinsamer Vorfahre hätte also bereits unglaublich komplex sein müssen, was aber evolutionstheoretischen Vorstellungen von einfachen Vorfahren widerspricht. Oder wie es der britische Paläntologe Conway Morris ausdrückte: «Die sehr ähnliche Art des Erbgutes, die dem Flügel und dem Arm zugrunde liegen, deuten auf einen Satz von Baukasten, mit dem je nach Bedarf gearbeitet wird.»

Ein abscheuliches Geheimnis
«Wenn zahlreiche Arten derselben Gattung oder Familie auf einmal ins Leben gestartet sind, wäre dies für die Theorie der Abstammung mit langsamen Veränderungen durch natürliche Selektion verhängnisvoll.» Diese Situation trifft tatsächlich öfter zu, so bei den bedecktsamigen Blütenpflanzen. Und so stellte Darwin fest: «Die schnelle Entwicklung aller höheren Pflanzen innerhalb jüngerer geologischer Zeit ist ein abscheuliches Geheimnis.»

Zudem lasse sich der darwinsche Stammbaum offenkundig nicht belegen. Weder die primitiven Formen hätten sich finden lassen, noch die passenden Übergangsformen. «Die Fossilien lassen eher auf eine Abgrenzbarkeit schliessen», bilanziert Reinhard Junker.

Darwin diplomatisch
 
Reinhard Junker schreibt
Reinhard Junker schreibt für wachsendes Wissen über Aufbau und Funktion der Lebewesen, deren komplexe zweckmässige Organisation die Diskussion über einen schöpferischen Ursprung erzwingt.
Darwin stand unter unterschiedlichen Einflüssen, erklärt Reinhard Junker: «Väterlicherseits kamen keine Anregungen zum christlichen Glauben und Erasmus Darwin, der Grossvater von Charles, verfolgte bereits evolutives Gedankengut, das er sogar in Gedichtform fasste. Auch andere Zeitgenossen äusserten sich in diese Richtung, Evolution war also nicht einzig Darwins neue Idee.»

Ganz andere Einflüsse kamen von seiner Frau Emma. Kurz vor der Hochzeit schrieb sie ihm einen flammenden Brief, in dem sie eine grosse Kluft zwischen sich und Charles in Fragen des Glaubens feststellte. Sie bat ihn, das dreizehnte Kapitel im Johannes-Evangelium in der Bibel zu lesen. Charles war da aber schon weit weg und schrieb diplomatisch, dass er Verständnis für ihre Sorgen habe.

In seinen frühen Jahren schreibt der Engländer jedoch: «Die Religion Jesu bleibt wunderbar geeignet für unsere Vorstellungen vom Glück, von dieser und der nächsten Welt.» Es gebe keinen anderen Weg als die Göttlichkeit Jesu, um die Kette von Evidenz und Wahrscheinlichkeit zu erklären.

Dies änderte sich später deutlich: «Ich kann mich nicht recht damit befreunden, dass ein gütiger und allmächtiger Gott bewusst Schlupfwespen erzeugt hat, mit der ausdrücklichen Absicht, dass sie sich von Raupen ernähren.» Darwin fragte sich, woher die Grausamkeiten in der Natur kommen: «Was für ein Buch könnte ein Kaplan des Teufels über das Zerstörerische schreiben!»

Darwin konnte kaum verkraften, dass seine Lieblingstochter Annie im Alter von zehn Jahren verstarb; er hatte zehn Kinder, drei starben. Annies Grab besuchte er erst zwölf Jahre nach ihrem Tod. Was Darwin nicht in Betracht zog, war, dass wir es mit einer gefallenen Schöpfung zu tun haben, wie Römer 8 schildert, mit jenem «sehnsüchtige Harren» der Schöpfung, mit einer «Knechtschaft der Vergänglichkeit», und dass die Schöpfung unter Schmerzen seufzt. Darwin starb am 19. April 1882.

Wort und Wissen bietet drei Bücher zum Thema an:
«Darwins Rätsel - Schöpfung ohne Schöpfer?» von Reinhard Junker und Henrik Ullrich. 61 Seiten, Hänssler Verlag.
«Spuren Gottes in der Schöpfung?» von Reinhard Junker. 171 Seiten, Hänssler-Verlag.
«Darwins Black Box - Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie» von Michael J. Behe. 480 Seiten, Resch Verlag.

Webseiten:
www.wort-und-wissen.de
www.genesisnet.info


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Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch
Datum: 19.11.2009

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