Ohne Religion keine bessere Welt
Die bekannte Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong sieht für Religion beim Aufbau einer globalen Gesellschaft eine grosse Rolle. In diesem Zusammenhang kritisierte sie den «militanten Atheismus», der derzeit in Grossbritannien und den USA auf dem Vormarsch sei. Dessen Vertreter hätten eine «sehr begrenzte Sicht» von Gott, sagte Armstrong bei einem Besuch in Tübingen. Der Kern aller Weltreligionen sei die «goldene Regel», anderen Menschen nichts anzutun, was man selbst nicht erleiden wolle. Die Weltreligionen bestünden im Kern aus Mitgefühl, Respekt und Gerechtigkeit. Die Welt brauche Mitverantwortung für alle Menschen, sagte die Londoner Theologin und Publizistin am Dienstag in Tübingen, wo sie den mit 50‘000 Euro dotierten Dr. Leopold Lucas-Preis der Eberhard-Karls-Universität entgegennahm. Terroristen: Verbrecher, nicht Muslime Karen Armstrong, die durch Bestseller über Religionen und ihre Stifter weltweit bekannt wurde, wirft den westlichen Ländern vor, islamfeindlich zu sein. Der Islam sei keine gewalttätige Religion. Attentäter und Terroristen seien Verbrecher, aber keine Vertreter des Islam, sagte sie in Tübingen. Das Kopftuch von Musliminnen verteidigte sie gegen westliche Kritik. In manchen islamischen Ländern sei es ein Zeichen des Protestes gegen Fremdbestimmung aus dem Westen. Der Islam habe Frauenrechtlerinnen hervorgebracht, die für ihre Emanzipation auf den westlichen Feminismus verzichten wollten. Dem Potenzial von Religionen nachgespürt Armstrong (64) war einst Nonne. In den 60er Jahren aus dem Orden ausgetreten, lehrte die Theologin später am Leo-Baeck-College für jüdische Studien in London und als Gastprofessorin an der Harvard-Universität. Ihre Bücher über die Ein-Gott-Religionen, die Bibel, Buddha, Mohammed, Islam und Fundamentalismus sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Sie beriet die Niederlande in Islam-Fragen. Als politische Beraterin fungierte sie auch in Spanien und in der Türkei. Im Jahr 2005 wurde sie von UN-Generalsekretär Kofi Annan in die Initiative «Allianz der Zivilisationen» berufen. Link zum Thema: Mehr zum Dr. Leopold Lucas-Preis
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch
Datum: 14.05.2009
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