In jungen Jahren beschäftigte ich mich wenig mit dem Glauben. Alles andere hatte Vorrang. Bis die Suche begann.
Berufsausbildung, Weiterbildung, Mitarbeit im elterlichen Betrieb und Sport füllten mich in jungen Jahren zeitlich vollständig aus. Eines jedoch führte mich immer wieder zum Nachdenken und in lange Gespräche mit Menschen aller Kategorien.
Das war die Frage: Wie löse ich das Spannungsfeld auf, das mich manchmal innerlich fast zerriss? Auf der einen Seite die Anforderungen und Ungerechtigkeiten des Alltags, die Heuchelei im Umgang der Menschen miteinander und auf der anderen Seite die Sehnsucht nach Echtheit, Geborgenheit und innerem Frieden.
Erfolgsrezepte kopiert
Als junger Mann lernte ich in Verwandtschaft, Gesellschaft, Kultur, Beruf und Sport Menschen kennen, die sehr selbstbewusst und erfolgreich waren. Ich beschäftigte mich mit deren Erfolgsrezept und versuchte, manches nachzumachen. Dabei entdeckte ich, dass jeder einen anderen Massstab für sein Handeln zu Grunde legt.
Ich kam mir vor, wie hin und her gezerrt, und mir wurde es bei diesem Angebot an verschiedenen Massstäben zunehmend unwohl. Ich dachte, es müsste doch das Mass aller Dinge geben, an dem ich mich lebenslang orientieren kann.
Spannungen nahmen zu
Von einigen Christen wurde ich immer wieder ermuntert, alle meine Sorgen in Gottes Hand zu legen. Aber auf die für mich wichtigen Fragen konnte mir keiner eine befriedigende Antwort geben. Eines aber ist mir aus meiner Kindheit und Jugend geblieben: die wichtigsten Sorgen in einem Gebet an Gott weiterzugeben.
Als ich meine Frau Andrea kennen lernte, wurde ich erneut mit Fragen über den christlichen Glauben konfrontiert. Wir heirateten bewusst kirchlich. Ein Jahr später übernahmen wir den elterlichen Handwerksbetrieb. Es wurden uns zwei Kinder geboren. Die Spannungen in Betrieb und Familie nahmen zu.
Antworten auf meine Lebensfragen
In dieser Zeit besuchten wir auf Grund der Initiative meiner Frau ein IVCG*-Vortragstreffen. Ein Professor aus Kiel sprach über ein aktuelles Thema. Zum ersten Mal erlebte ich, dass kritische Lebensfragen offen angesprochen und auch nachvollziehbare Antworten gegeben wurden. Weitere Vortragstreffen folgten, und wir wurden auch zu Gesprächsrunden eingeladen. Ich dachte, dass ich aus Zeitgründen leider nicht teilnehmen könnte.
Die Geschichte des Zöllners
Ohne mein Wissen hatte mich aber ein Bekannter zu einem Wochenendseminar einfach angemeldet. Gemeinsam mit meiner Frau besuchte ich dieses Seminar. Es übertraf alle meine Erwartungen. Ganz besonders ein Wort aus der Bibel traf mich persönlich sehr.
Der Zöllner Zachäus traute sich auf Grund seiner vielen Verfehlungen gar nicht, Jesus zu begegnen. Er stieg deshalb auf einen Baum, um aus Distanz Jesus, von dem er schon viel gehört hatte, zu sehen. Als Jesus vorbeikam sprach der, trotz der vielen Menschen, ausgerechnet Zachäus an und rief ihm zu: "Zachäus, komm schnell herunter! Ich möchte heute dein Gast sein" (Die Bibel, Lukas, Kapitel 19, Vers 5).
Glaube - eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus
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Karl Stollsteimer mit seiner Familie. |
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Dieser Bericht traf exakt auf meine Lebenssituation zu und ich beschloss, mit Jesus Christus eine persönliche Beziehung einzugehen. Mein Leben lang hatte ich versucht, durch Leistung Anerkennung bei Menschen zu gewinnen. Zu Jesus konnte ich in meiner Einfachheit kommen. Ich spürte, bei ihm würde auch ich in meiner ganzen Unvollkommenheit von Herzen angenommen sein.
Diese Geborgenheit und Gewissheit veränderten mein Leben. Die Veränderungen nahmen zuerst die Menschen in meinem Umfeld wahr. Manche wunderten sich sehr über mein neues Verhalten, weil sie es nicht verstanden. Wie Zachäus war es mir ein Bedürfnis, Dinge und Beziehungen zu Menschen in Ordnung zu bringen, wo dies möglich war.
Unrecht vor Menschen einzugestehen, unrechtes Gut zurückzuerstatten ist ein demütiges Geschäft, aber es war mir wichtig. Es kam zu einer Änderung in meinem Bewusstsein, und ich fand als erlöster, neuer Mensch Frieden jenseits der schwankenden Parolen des Zeitgeistes.
Der Kampf geht weiter
Alle Spannungen haben sich nicht aufgelöst. Höhen und Tiefen im privaten wie im geschäftlichen Bereich sind in guter Mischung erhalten geblieben. Mit meinen Schwächen und mit Rückfällen habe ich immer noch zu kämpfen. Aber die unendliche Gnade und liebende Barmherzigkeit Gottes geben mir immer wieder Mut, neu anzufangen und meine schwache Hand in seine starke Hand zu legen.
Rückblickend betrachtet habe ich zu all dem eigentlich gar nichts beigetragen. Gott hat alles perfekt vorbereitet, ich habe nur sein Angebot angenommen und ihm das Verfügungsrecht über mein Leben übergeben. Ich habe den Sinn meines Lebens an der Stelle empfangen, an der ich Jesus Christus begegnet bin, und habe durch ihn Zugang zu Gott und seiner Welt und somit zur Wahrheit gefunden.
Autor: Karl Stollsteimer