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«Kirche Bild» baut Sozialfirma

 
Andi Dubach
Andi Dubach in seinem Büro in der «Kirche Bild» (Fotos: Rolf Frei).
Die Ostschweiz hat viel Attraktives zu bieten, nicht nur den Säntis oder die St. Galler Olma-Bratwurst. Auch Freikirchen aus dieser Region machen zunehmend auf sich aufmerksam, so baut etwa die «Kirche Bild» eine Sozialfirma auf. In einer losen Serie berichten einzelne Vertreter von Freikirchen über Aktivitäten, Projekte und persönliche Eindrücke.

Andi Dubach sitzt relaxt im «Kafiägge» seines Büros in der «Kirche Bild», der Baptistengemeinde im St. Galler Bildquartier, im Westen der Stadt. Nicht weit vom neuen St. Galler Fussballtempel AFG Arena und der ganz neuen, modernen Kletterhalle entfernt. Beim Thema Wachstum der Kirchen nimmt der Pastor und Jugendverantwortliche rasch Fahrt auf.

«Es ist Fakt, dass die christlichen Kirchen in den letzten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten nicht mehr gewachsen sind», sagt Andi Dubach. Natürlich seien einzelne Gemeinden deutlich grösser geworden, wie etwa die Bewegungen «ICF» oder «Vineyard». Andere Kirchen wiederum seien stark geschrumpft oder ganz von der Bildfläche verschwunden. «Unter dem Strich ist es einfach zu einer Verlagerung der Kräfte und nicht zu einem wirklichen Wachstum gekommen», schliesst er daraus.

Wohlstand macht selbstzufrieden
«Es geht uns noch zu gut als Christen», sieht Andi Dubach als einer der Gründe für die fehlende Attraktivität von Kirchen in der Gesellschaft. Das kirchliche Leben funktioniere ja soweit ganz gut, man pflege die gewohnten Anlässe und Aktivitäten, sei gut organisiert. Also bestehe kein Grund, etwas zu ändern oder gar in Frage zu stellen. Was die Leute aber tatsächlich beschäftige, zöge man kaum in Erwägung. Es sei an der Zeit, auf gesellschaftliche Fragen einzugehen und nach Antworten zu suchen. «Ich wünsche mir, dass im neuen Jahrzehnt vermehrt auf die Bedürfnisse und Nöte der «Menschen dort draussen» eingegangen wird», sagt Andi Dubach.

Jugendarbeitslosigkeit
«In den nächsten zwei Jahren könnte die Jugendarbeitslosigkeit zu einem ernsthaften Problem werden», vermutet Dubach. Beispielsweise hätten einem kürzlichen Radiobericht zufolge gerade mal knapp 60 Prozent der ausländischen Jugendlichen eine Lehrstelle gefunden. Entsprechend steige die Gefahr, dass Junge - ganz unabhängig von der Nationalität - kriminell würden, verwahrlosten und keinen Lebenssinn mehr sähen. Der Aufbau einer Sozialfirma sei ein möglicher Lösungsansatz.

 
Breakdancer 2010
Vorführung eines Breakdancers am Schluss der Projektwoche 2010.
Sozialfirma am Entstehen

So sei man in der Kirche Bild auch tatsächlich dran, eine solche Sozialfirma aufzubauen. Ein Sozialpädagoge befinde sich in einer entsprechenden Weiterbildung zum Sozialmanager. Vorerst sei man etwa dran, für Arbeitslose aus der Kirche Arbeitsplätze bei interessierten Firmen zu vermitteln. Und befinde sich in der Planung von niederschwelligen Hilfsdiensten für ältere Menschen. «Wenn wir den Menschen ganz real helfen, dürfen wir auch damit rechnen, dass sie sich für die Botschaft von Gottes Liebe öffnen», ist Andi Dubach überzeugt.

Nullbock-Generation
«Viele Jugendliche brechen heutzutage ihre Lehre ab, trinken den ganzen Tag Alkohol und haben Nullbock. Sie sehen keine Perspektiven mehr für die Zukunft», stellt Andi Dubach fest. «Was wird in zehn, zwanzig Jahren sein?», fragt er sich. Die letzten zehn Jahre seien von zunehmender Verunsicherung geprägt gewesen. Gewisse Grundfesten seien durch «9-11», Krisen oder Epidemien erschüttert worden. Diese Verunsicherung werde wohl noch zunehmen, die nächste Katastrophe komme bestimmt.

Chance für Kirchen
Deshalb rechnet Andi Dubach damit, dass die Menschen wieder mehr nach Alternativen Ausschau halten. Hier sieht er eine Chance für die Kirchen. Da die Menschen aber kaum mehr in die Kirche gingen, müsse man halt zu ihnen gehen. Um sie aus ihrer Einsamkeit oder virtuellen Welt rauszulocken. Dubach's Jugendarbeit holt bisher mehrheitlich kirchennahe «kids und teens» ab. Immer wieder machen aber auch «fremde Kinder» bei den diversen Treffs von «kids culture», «teens culture» und «youth culture» mit. Mit «CrossCulture» haben Jugendliche ab 16 Jahren zudem die Möglichkeit, eine Woche lang Ferien in einem anderen Kulturkreis zu verbringen und sich dort auch gemeinnützig zu engagieren.

 
St. Gallen Kirche 2010
Die St. Galler Kirche im eigenen Haus, einem ehemaligen Gewerbebetrieb.
Projektwoche St. Gallen

Vor gut zehn Jahren hat Andi Dubach die «Projektwoche» gestartet, die jeweils während den Herbstferien stattfindet. Begann es anfangs mit einem Basketballcamp, werden mittlerweile gut zehn Sport- und Freizeitcamps für Kinder und Jugendliche angeboten. So etwa im Fussball, Volleyball, Dance oder Rap. Neu werden auch zwei «Girlpowercamps» (Selbstverteidigung) angeboten. Letztes Jahr verzeichnete man erstmals 400 Teilnehmer. Während fünf Tagen treffen sich die Gruppen etwa in Sporthallen und werden von teilweise «hochkarätigen Sportcracks» angeleitet. Täglich vermitteln die Campleiter den kids während 15 Minuten einen Input über christliche Werte. «Die Begeisterung der kids ist riesig, viele von ihnen trifft man immer wieder», freut sich Andi Dubach. Sowohl unter den Teilnehmern wie auch den mittlerweile 100 freiwilligen Helfern befänden sich etliche, die mit Kirche sonst wenig bis nichts am Hut hätten. Dies freut Andi Dubach besonders.

Stärken und Schwächen
Als eine Stärke der Kirche Bild betrachtet er die Tatsache, dass jeder Platz habe, egal ob jung oder alt, arbeitslos oder Bankmanager, Schweizer oder Ausländer. Unter den Leitern herrsche eine gute Vertrauensbasis. Man lege Wert darauf, die Selbstinitiative der Leute zu fördern und ihnen möglichst viel Freiraum zu lassen. Dies sei eine Stärke, berge aber auch die Gefahr der Schwäche im Sinne von Unverbindlichkeit. Bei der Unterstützung von Familien, den Glauben zu Hause (und nicht nur in den Kirchenräumen) zu leben, habe man Handlungsbedarf entdeckt.

Defizite im familiären Leben
Viele Mitarbeiter in christlichen Kirchen seien so beansprucht, dass kaum mehr Zeit für die Familie bleibe. Dies zu realisieren «habe wie eine Bombe bei Gemeindeleitern eingeschlagen». «Willow Creek» habe deshalb familienfreundliche Strukturen aufgebaut und biete überall Seminare an. Das Buch «den Glauben zu Hause leben» von Mark Holmen sei in aller Leute Munde. Nach einem Seminar von Holmen in der Schweiz sei eine Arbeitsgruppe entstanden, zu der verschiedene Freikirchen gehörten, so auch die Baptisten. Entsprechende Gegenmassnahmen zu ergreifen, habe sich die Kirche Bild für dieses Jahr «gross auf die Fahne geschrieben».

Webseiten:
www.kirchebild.ch
www.teensculture.ch
www.projektwoche.sg

 



Datum: 08.02.2010

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