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Es ist schwer, ein Pessimist zu sein!

 
Es ist schwer, ein Pessimist
Umweltzerstörung - Wasserknappheit – Aids - Werteverfall - Weltuntergang? Ich muss Ihnen etwas bekennen: Trotz allem Negativen in dieser Welt bin ich dabei, ein unverwüstlicher Opti­mist zu werden. Natürlich kenne ich die Widerstände auf dem Weg dorthin. Aber Gott an meiner Seite gibt mir allen Grund, mutig nach vorne zu schauen!

Wenn man jung ist und seelisch einigerma­ssen im Gleichgewicht, ist man in der Regel ein Optimist. Generell glauben junge Menschen an sich und ihre Chan­cen, und ihr Grundgefühl ist positiv. Doch dann werden wir älter. Ir­gendwann zwischen dreissig und vierzig kommt ein Punkt, an dem wir uns gerne als „Realisten” bezeichnen. Wir haben hinter so manche Ku­lisse geguckt, auch hinter unsere eige­ne, und plötzlich fällt es uns schwer zu sagen: „Es ist alles toll, es wird immer besser!” Nein, wir wenden scheinbar weise ein: „Nun ja, das Leben ist doch sehr vielschichtig.” So bemühen wir uns um die Balance in der Frage zwischen Optimis­mus und Pessimismus. Gegen Ende unseres Lebens kommen wir in die dritte Phase, die aus meiner Beobachtung eher pessimi­stisch gestimmt ist. Die meisten alten Menschen sind – und das sage ich nicht gern – Pessimisten. Ältere Menschen neigen dazu zu sagen, dass früher die Dinge irgendwie besser waren. Wenn man sich nun einmal dieses Schema ansieht, dann scheint der Optimismus lediglich ein Attribut der Jugend zu sein und eines ernsthaften Menschen in mittleren Jah­ren nicht mehr ganz würdig. Ein Opti­mist, so meinen viele, ist bei Licht betrachtet ein Naivling.

Grund, optimistisch zu sein
Und doch möchte ich hier eine Lanze für den Optimismus brechen. Ich spreche nicht von dem blauäugigen Optimismus, der einfach die Dunkelheiten dieser Welt ignoriert, sondern von dieser Grundkraft des Lebens, die Mut gibt gegen die Dunkel­heit, gegen die Resignation, gegen die Schwierigkeiten und gegen alles andere, was uns das Leben vergäl­len kann. Optimismus hilft uns, über die jetzigen Schwierigkeiten hinauszusehen und schon an das zu glauben, was passiert, wenn sie durchlebt worden sind. Er ist die Kraft, die sagt: „Der Berg ist zwar noch vor mir, aber dahinter liegt ein helles Land!” Er ist eine Kraft, die uns nicht über die Wirklichkeit hinweg hebt, sondern die es möglich macht, die Wirklichkeit auszuhalten, nicht an ihr zu verzweifeln oder sich runterziehen zu lassen.

 
Ein Pessimist zu sein

Das Gute in Gott
Was mich mutig macht, ist der Glaube an das Gute in Gott. Dieser Glaube ist für mich die Quel­le einer positiven und optimistischen Lebenseinstellung. Warum das so ist, möchte ich an fünf Punkten erklären:

1. Gott ist ein Gott der unbegrenzten Liebe. Seine Liebe geht nicht aus, wenn das Gegenüber nicht so reagiert wie es vielleicht sollte. Je mehr wir uns die­sem Gott aussetzen, um so mehr erkennen wir: „Ich bin eine geliebte Person! Nicht weil ich so toll, weil ich so brav oder so gläubig bin, sondern weil Gott beschlossen hat, ein Gott der Liebe zu sein.“ Es ist schwer, ein Pessimist zu sein, wenn man an ei­nen Gott der unbegrenzten Liebe glaubt.

2. Gott ist ein Gott der unbegrenzten Weisheit. Das bedeutet, dass die Lebensum­stände, die wir gerade durchmachen, von Gott zugelassen sind. Auch die, die nicht so erfreulich sind. Ich vertraue darauf, dass Gott weiss, was er mir zumuten kann. Ich bin überzeugt: Gott macht keine Fehler! Wenn ein Mensch eine schwierige Zeit durchmacht, dann weiss Gott, warum sie gut für ihn ist. Es ist schwer, ein Pessimist zu sein, wenn man an einen Gott der unbegrenzten Weisheit glaubt.

3. Gott ist ein Gott der unbegrenzten Kraft. Das Beste daran: Er behält sie nicht für sich. Er gibt sie an uns ab, wenn wir ihn darum bitten. Mit Gottes Kraft ist es möglich, auch harte Zeiten durchzustehen. Es ist schwer, ein Pes­simist zu sein, wenn man an einen Gott der unbegrenzten Kraft glaubt.

4. Gott ist ein Gott der unbegrenzten Möglichkeiten. Jesus Christus hat gesagt: „Bei Gott sind alle Dinge möglich!” Das hat er nicht theoretisch gemeint, sondern ganz praktisch. Gott hat das Potential einzu­greifen. Diese Möglichkeit können wir wahrnehmen, indem wir uns an ihn richten, zu ihm beten und sagen: „Gott, greife doch hier ein! Ich brauche deine Hilfe!” Sicher, Gott tut das nicht immer so schnell, wie wir es gerne hätten. Wer Gottes Hilfe erfahren will, muss Vertrauen haben. Irgendwann aber greift er ein und verändert die Si­tuation – manchmal radikal. Es ist schwer, ein Pessimist zu sein, wenn man an einen Gott der unbegrenzten Möglichkeiten glaubt.

5. Gott ist ein Gott der unbegrenzten Zukunft. Weil ich an Gott glaube, weiss ich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass es eine Zukunft gibt. Das ist ein sehr kostbares Wissen. Deshalb ist es für mich nicht fürchterlich, dass ich einmal sterben muss. Ich weiss, ich falle in Gottes Hand, die mich auffängt.

Das alles zusammen gibt Men­schen, die glauben und Gott vertrauen, Kraft gegen die Resignation. Kraft gegen das Gefühl: „Es hat alles keinen Sinn!”, „Aus mir wird nichts!”, „Es geht nicht weiter!”. Kraft gegen alle Selbstmordgedanken oder was uns sonst noch runterziehen will. So ist es möglich, im guten Sinne zu Optimisten zu werden. Das ist es wohl, was Glauben bedeutet: Das Beste von Gott erwarten.

Autor: Wolfram Kopfermann, verhei­ratet, zwei Söhne, ist Pastor der Aaskar-Kirche in Hamburg.


Quelle: NEUES LEBEN. Das Christliche Ratgeber-Magazin
Datum: 02.02.2006

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