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„Du sollst nicht seitenspringen...“

 
Seitensprung
„Was die 10 Gebote heute noch bedeuten." Nicht eine fromme Kirchenzeitung hat sich dieses Thema gesetzt, sondern die echt säkulare Zeitschrift „Beobachter". Sie kommt zu interessanten Ergebnissen.

„Die Zehn Gebote sind moralische Regeln, die seit je die menschlichen Kulturen steuern." Diese Feststellung macht Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi im Editorial der ersten Ausgabe seiner Zeitschrift im neuen Jahr 2010.

Keine andern Götter...?
Bemerkenswert sind die Aktualisierungen, welche die Zeitschrift vornimmt. „Du sollst keine andern Götter neben mir haben", heisst es im 1. Gebot. Das scheint heute wenig aktuell, haben die meisten Leute in der Regel ja keinen Gott mehr, dem sie sich verpflichtet fühlen. Für den Autor dieses Beitrags, Martin Vetterli, ist aber klar, dass es (Ersatz)Gott Mammon ist, der heute die Herrschaft übernommen hat. „Profit ist das oberste Gebot für die Hohepriester der Finanzwelt", schreibt er. Das zeige sich just bei den Boni oder überrissenen Manager-Gehältern.

Doch es gibt auch Warner, die indirekt den Tanz ums Goldene Kalb anprangern und eine Rückkehr zu den guten Werten verlangen, um die es schliesslich bei den 10 Geboten geht. Der Beobachter zitiert den neuen Präsidenten der Nationalen Ethikkommission, Otfried Höfe: „Verwaltungsräte und Bankenaufseher sollen endlich genau hinsehen und Missbräuche stoppen", sagt er. So einfach das klingt, so schwierig scheint es zu sein, dies gegen die Priesterschaft von Gott Mammon durchzusetzen.

Ruhen - so schwierig?
Nicht zu jedem Gebot ist die Aktualisierung gleich gut gelungen. Originell ist der Beitrag zum dritten Gebot, dem Ruhegebot („am siebten Tage sollst du ruhen"). Andrea Haefely machte den Selbsttest, indem sie nicht einen, sondern drei Tage in der Stille sein und ruhen wollte. Sie zog sich in ein stilles Bootshäuschen am Zürichsee zurück, nur mit einer Kamera (und für Notfälle einem Handy) ausgerüstet. Ausser Essen, Trinken und Körperpflege wollte sie nur Ruhe praktizieren.

Sie bekennt, dass sie es nicht schaffte, drei Tage nur mit Ruhe und Stille sowie Kochen, Essen und Körperpflege zu verbringen. Am dritten Tag vergriff sie sich an einem Buch, einem Kochbuch notabene ...

„Am lautesten ist die Stille in mir. Egal, ob ich sitze, liege, Augen offen oder zu", beschreibt sie eine der ganz schwierigen Erfahrungen beim Versuch, Stille auch nur einen Tag lang zu praktizieren.

Anhand der Gebote greift die Zeitschrift eine Reihe weiterer aktueller Themen auf wie Seitensprünge und Partnerschaftsfragen, wenn Kinder Eltern schlagen, über Suizidhilfe und Sterben oder über Wirtschaftskriminalität und schliesslich Umweltschutz. Das löst eine Reihe zustimmender Gedanken, manchmal auch Widerspruch oder Betroffenheit aus. Je nach persönlichem Standort. Aber der Versuch, auf eine ganz andere Art zu zeigen, dass die 10 Gebote auch heute aktuell sind, verdient Anerkennung.

Gebote begründen Werte
Ergänzt hat der Beobachter die Texte über die 10 Gebote mit einer Umfrage über persönliche Werte und über solche, die uns als gesellschaftliche Werte wichtig sind. Denn hinter den Geboten stecken schliesslich Werte. Raten Sie, was der höchste persönliche Wert ist ... es ist „GESUNDHEIT". Der oberste gesellschaftliche Wert lautet gemäss der Umfrage: „EHRLICHKEIT".

Webseite: http://www.beobachter.ch/die-10-gebote/

Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet.ch
Datum: 21.01.2010

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