Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Durchsicht der Lutherbibel beschlossen. Ziel sei es, neue Ergebnisse aus der Textkritik und der Exegese einzuarbeiten. Geplant ist, die durchgesehene Bibel möglichst vor dem Jahr 2017 der Öffentlichkeit vorzustellen.
Für die Arbeit, die möglichst vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation Martin Luthers im Jahr 2017 abgeschlossen sein soll, wurde ein Lenkungsausschuss eingesetzt, dem unter anderem Wissenschaftler aus Exegese, Praktische Theologie, Liturgik und Germanistik angehören.
Vorsitzender des Gremiums ist der frühere stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und ehemalige Thüringer Landesbischof Christoph Kähler. Wie er ausführte, müsse man mit der Lutherbibel als einem „kostbaren theologischen und kulturellen Erbe" behutsam und sorgfältig umgehen. Der Wortlaut dürfe nur verändert werden, „wo es die Treue zu den biblischen Zeugen zwingend erfordert".
Ziel sei nicht, die zuletzt 1984 revidierte Lutherbibel modernem Deutsch anzunähern. Es gebe aber eine Vielzahl neuer Ergebnisse auf den Gebieten der Textkritik und der Exegese. Änderungen des Luthertextes werde es nur dort geben, wo sie zwingend geboten seien. Jede Veränderung des den Gemeinden vertrauten Klangs der Lutherbibel solle möglichst vermieden werden. Das Vorhaben, so Kähler weiter, sei zwar in der Zielsetzung bescheidener als eine Revision, in der Durchführung aber kaum weniger anspruchsvoll.
Zur Geschichte der Bibelrevision
Die Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen Martin Luthers und seiner Mitarbeiter in den Jahren 1521 bis 1545. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September des Jahres 1522. In den folgenden Jahren wurden kontinuierlich weitere Bücher der Bibel übersetzt, bis im Jahr 1534 die erste Gesamtausgabe erschien.
Im Jahr 1545 erschien dann die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man die Bibelübersetzungen, die auf Martin Luther zurückgingen, sich aber durchaus unterschieden, kritisch durchzusehen und eine erste Revision vorzunehmen. Diese hatte das Ziel, einerseits den ursprünglichen Luthertext wieder herzustellen und andererseits diesen Text an jenen Stellen, wo er nicht mehr verständlich oder unklar war, an den allgemeinen Sprachgebrauch anzugleichen.
Immer noch in Gemeinde-Gebrauch ist der Text der zweiten Revision von 1912. Die dritte und letzte Revision wurde in den Jahren 1964 (Altes Testament), 1970 (Apokryphen) und 1984 (Neues Testament) abgeschlossen.
Frühere Revision hatte Kritik ausgelöst
Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es Zuge diese Revisionsarbeiten im Jahr 1975. Der damals vorgelegte revidierte Text des Neuen Testaments stiess in weiten Teilen der evangelischen Kirche auf zum Teil massive Kritik. Man vermisste vor allem die „Treue gegenüber der Sprache Luthers". Es wurde eine „Nach-Revision" vorgenommen, so dass der gesamte Prozess der Revision erst 1984 zum Abschluss kam. Im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Rechtschreibung 1999 wurde der Text noch einmal durchgesehen.
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