Hat Ostern wirklich stattgefunden?

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Ostern kommt immer wieder ins Gerede: Kann ein aufgeklärter Zeitgenosse die Berichte über die Auferweckung Jesu überhaupt für wahr halten? Selbst manche Theologen predigen, daß Jesus nicht wirklich auferstanden sei, entsprechende Berichte müßten symbolisch verstanden werden..

Auferstehung eines Toten - kann das denn sein? Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Mensch (Jesus) von den Toten auferstanden ist. Ich habe so etwas noch nie erlebt.

Gibt es nur das, was wir persönlich gesehen haben oder uns vorstellen können? Natürlich stellt die Osternachricht unser gesamtes Weltbild und Denken in Frage. Aber die Frage, ob es Ostern gegeben hat, kann man nicht unabhängig von den Argumenten beantworten, die für diese in der Tat zunächst unglaubliche Nachricht ins Feld geführt werden. Wer von vornherein sagt, Ostern ist nicht möglich, der verhielte sich gerade nicht kritisch, sondern engstirnig; der dächte "dogmatisch" und gerade nicht wissenschaftlich, d.h. offen gegenüber Wahrnehmungen, die den eigenen Horizont erweitern und das eigene Denken ggf. auch in Frage stellen.

Aber die Behauptung, daß ein bereits Toter lebt, steht doch im Widerspruch zur Naturwissenschaft. Stellt dies nicht die Gültigkeit eherner Naturgesetze in Frage?

Wenn es sehr starke historische Gründe für die Richtigkeit der neutestamentlichen Osterbotschaft gibt, könnte ein Naturwissenschaftler nicht einfach sagen: Das gibt es nicht. Er müßte sich vielmehr fragen lassen: Wie kann ich das verstehen? Wie muß ich meine Physik so ändern, daß sie solchen Wahrnehmungen von Wirklichkeit gerecht wird. Der Begriff der ehernen Gesetzmäßigkeit, die in der Natur waltet, gehört einer Naturphilosophie an, die dem überholten Denken eines in sich geschlossenen mechanistischen Weltbildes des 19. Jahrhunderts verhaftet ist. Naturkonstanten werden heute als statistische Aufhäufungen formuliert, die also nicht "100 Prozent" gelten, vielmehr eine bestimmte Wahrscheinlichkeit besitzen. Die moderne Physik stellt sich die Welt gerade nicht als ein in sich geschlossenes System vor, sondern als ein nach allen Seiten offenes.

Beruht die Osterbotschaft nicht auf einem Betrug? Die Jünger konnten und wollten sich mit dem Scheitern ihrer Hoffnungen nicht abfinden und haben das größte Täuschungsmanöver der Weltgeschichte in Szene gesetzt.

Die Behauptung eines Betruges ist historisch nicht wahrscheinlich: Die ehemaligen (!) Jünger Jesu, die ihn verlassen und verleugnet hatten, haben sich durch diese Botschaft ungeheuren Unannehmlichkeiten ausgesetzt, die in einigen Fällen im Märtyrertod gipfelten. Dafür lohnt kein Betrug.
Die neutestamentlichen Osterberichte wirken gerade darin sehr authentisch, daß sie von dem Zweifel und der fehlenden Bereitschaft der ehemaligen Jünger berichten, die Tatsache anzuerkennen, daß Jesus wieder unter ihnen war. Schließlich war er gekreuzigt worden und in der schlimmsten Stunde seines Lebens hatten sie ihn alleingelassen. Der Auferstandene hatte alle Not, sich gegenüber der Skepsis der Jünger und der Frauen durchzusetzen. Sie waren bereit, alles möglich zu akzeptieren: daß es sich um einen Geist oder einen Gärtner handele, daß Jesu Leichnam gestohlen worden sei usw., nur das eine nicht, daß ihr Meister von den Toten auferstanden war. Es bestand also keinerlei Bereitschaft zum Betrug.
Gott selber hatte offenbar Nein gesagt zu Jesus. Verflucht ist jeder, der am Holze (Kreuz) hängt (5. Mose 21,23). Über dieses Urteil Gottes konnten sie sich als gläubige Juden nicht hinwegsetzen. Den Sinn dieses Todes, daß Jesus ein Fluch an Stelle der Menschen geworden ist (Galater 3,13), haben die ersten Christen offenbar erst später eingesehen. Am Anfang steht vor allem gemäß den Berichten der Apostelgeschichte über die erste Missionspredigt der zunächst unbegreifliche Sachverhalt: Den, den ihr gekreuzigt habt, den hat Gott auferweckt. Ein Betrug hätte also keinen Sinn gemacht.
Als Zeugen für die Auferstehung werden (a) unter anderem urchristentumsgeschichtlich wenig oder gar nicht bekannte und bedeutsame Personen genannt (vgl. Lukas 24,13-35). Erstaunlich ist weiter (b), daß als erste Zeugen sogar - was damals ungewöhnlich war - Frauen genannt werden. Schlecht angesehene Zeugen erfindet man nicht, wenn man andere unbedingt überzeugen will.
Die späteren "Säulen" des Urchristentums kommen in den Ostergeschichten mit ihren Schilderungen des Versagens, des Zweifels und der Skepsis von Petrus und anderen außerordentlich schlecht weg. Das spricht für die Authentizität der Überlieferung und gegen die Betrugshypothese. Man stellt sich nicht ohne sachlichen Grund selbst in ein schlechtes Licht.
Schließlich ist gerade die Behauptung einer Auferweckung Jesu wenig geeignet zur Täuschung. Da man damals den Anbruch der Endereignisse für alle auf einmal erwartete, war die Behauptung der Auferweckung eines einzelnen "vorneweg" wenig geeignet, zweifelnde Gemüter zu gewinnen. So betrügt man nicht.
Im Gegensatz etwa zu späten, zum Zweck einer Beweisführung konstruierten Schilderungen der Auferstehung Jesu (vgl. das sogenannte Petrusevangelium!) tut das Neue Testament an keiner Stelle den Schritt zu einer Darstellung des Auferweckungsvorganges selbst. Das hätte aber doch bei einem willentlichen Betrug allzu nahegelegen.

Haben sich die Jünger dann die Begegnungen mit dem Auferstandenen nicht einfach eingebildet?

Die Annahme von bloßen Visionen der Jünger, denen kein reales Ereignis entspricht, scheitert an der Vielzahl und der weiten Verbreitung der Erscheinungszeugnisse. Die hier zur Erklärung herangezogene These einer seelischen Kettenreaktion, bei der sich sozusagen eine Einbildung an der anderen ansteckt, scheitert daran, daß man mindestens drei weit auseinanderliegende Erscheinungen unterscheiden muß: die erste vor Petrus ganz am Anfang, zweitens die vor Jakobus (vgl. 1. Korinther 15,7) und drittens die ganz späte vor Paulus (1. Korinther 15,8). 4.2. Vor allem: Die Jünger waren restlos enttäuscht und ernüchtert. Aus dem Ende des Markus-Evangeliums kann man erschließen, daß einige wieder fischen gingen - eine Folge ihrer Resignation. Ihre Enttäuschung über Jesus und sein Ende muß abgrundtief gewesen sein. Frage: Welches Ereignis von welcher Wirklichkeitsmächtigkeit war nötig, um die Jünger aus ihrer durch totale Desillusionierung hervorgerufenen Lethargie und Resignation zu reißen? Reicht zur Überwindung einer so abgrundtiefen Enttäuschung eine bloß subjektive Vision oder eine kollektive Einbildung?

Spricht es nicht gegen die Glaubwürdigkeit der Osterbotschaft, daß alle Zeugen von Erscheinungen ohnehin schon Anhänger Christi sind?

Es sind nicht nur ehemalige Jünger Jesu, die nach Ostern zu seinen Zeugen werden. Da ist zunächst und vor allem Petrus, der Jesus und seine Gemeinde sogar nach Ostern noch verfolgt und erst durch die Begegnung mit dem Auferweckten selbst umkehrt. Da ist dann auch der Herrenbruder Jakobus zu nennen, der zu Lebzeiten des irdischen Jesus alles andere als ein Anhänger seines Bruders war (Johannes 7,5), ihn vielmehr sogar für verrückt und durchgedreht hielt (Markus 3,21). Nach Ostern ist dieser Jakobus eine der Säulen der Jerusalemer Urgemeinde. Und schließlich ist festzuhalten, daß auch die anderen Apostel streng genommen nicht einfach Jünger, vielmehr ehemalige Jünger Jesu waren, die ihn ja nahezu alle verlassen oder gar verleugnet hatten und von der Tatsache seiner Auferweckung erst mehr oder minder mühsam überzeugt werden müssen.

Wenn es sich bei den Erscheinungen nicht um Visionen gehandelt haben kann, wenn auch ein Betrug auszuschließen ist, wenn man vielmehr historisch von der Realität der Erscheinungen ausgehen muß, ist Jesus dann vielleicht gar nicht gestorben?

Der Tod Jesu ist eines der am besten bezeugten Ereignisse der Antike. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen wissenschaftlich begründeten Zweifel. Wiederum gilt, daß die Zeugen für diesen Sachverhalt nicht nur aus dem Jüngerkreis stammen. Auch die jüdische Kultusbehörde, die im übrigen jedes Interesse an einem wirklichen Vollzug der Hinrichtung haben mußte, hat sich bezeichnenderweise diesen naheliegenden Einwand eines bloßen Scheintodes nicht zu eigen gemacht.

War das Grab Jesu tatsächlich leer? Ist Jesu Leichnam nicht doch im Grab verwest - wie der Göttinger Theologieprofessor Gerd Lüdemann behauptet hat? Kann man verlangen, daß Christen an das leere Grab glauben? Glauben wir nicht vielmehr an den Auferstandenen?

Antwort: Die Auferstehungsbotschaft hätte sich nicht einen einzigen Tag in Jerusalem halten können, wenn man parallel zu ihr auf das Grab und dem verwesenden Leichnam hätte hinweisen können. Daß das Grab Jesu leer war, bestreiten bezeichnenderweise noch nicht einmal die Gegner Jesu. Der in Matthäus 28,11-15 berichtete Vorwurf, die Jünger Jesu hätten den Leichnam Jesu gestohlen, setzt vielmehr voraus, daß das Grab auch nach Kenntnis derjenigen, die das Osterzeugnis bekämpften, leer gewesen sein muß. Daß das leere Grab nicht als Beweis vereinnahmt wird, daß im Gegenteil gerade angesichts des leeren Grabes die Phantasie blüht (Johannes 20,2-13) und der Zweifel der Jünger wächst (Markus 16,8;
Lukas 24,11f.22, Johannes 20,9), ist nur ein weiterer Hinweis auf die Zuverlässigkeit dieser Nachricht. - Im übrigen gilt: Wir glauben zwar nicht an das leere Grab. Aber wir können nicht an den Auferstandenen glauben, ohne anzunehmen, daß das Grab leer gewesen ist.

Kann die Osterbotschaft des Neuen Testaments vertrauenswürdig sein, wenn die Osterberichte selbst so unterschiedlich sind? Wieviele Frauen waren denn z.B. beim leeren Grab: waren es nur eine (Johannes 20,11), zwei (Matthäus 28,1) oder mindestens fünf (Lukas 24,10)?

Im Gegensatz zum Laien wird der Fachhistoriker gerade in den Unterschieden, die die Details betreffen, ein Indiz für die Zuverlässigkeit der Weitergabe der Ostertradition sehen. So wären ja die in allen Einzelheiten übereinstimmenden Berichte verschiedener Autoren gerade kein Beleg für die Authentizität und Unversehrtheit der Überlieferungen, sondern ganz im Gegenteil ein Beleg für den Eingriff einer alle Unterschiede einebnenden Zensur. Umgekehrt gilt, daß gerade die bestehenden Unterschiede in Einzelheiten einen Hinweis auf die Unversehrtheit der Traditionen darstellen, die man gerade darin in Ehren hielt, daß man sie so, wie sie waren, weitergab, auch wenn man natürlich die Unterschiede bemerkte. 9. Frage: Muß man so für die Auferstehung Jesu argumentieren? Darf man es tun? Kann man nicht einfach nur an sie glauben? Antwort: Von beispielhafter Bedeutung ist das Vorgehen des Paulus, der Leugnern und Kritikern der Auferstehung in Korinth nicht durch den Aufruf zu einem blinden Glauben begegnet - frei nach dem Motto: das müßt ihr halt glauben, wissen kann man es nicht! Paulus hat vielmehr in für viele fast ärgerlicher Weise historisch argumentiert und für die Wirklichkeit der Auferstehung gestritten. Zunächst beruft er sich auf eine frühe historische Tradition, die bereits ihm vorlag und die anerkannte Gewährsmänner nennt (1. Korinther 15,1ff); dann bezieht er sich auf eine Erscheinung Christi vor 500 Brüdern auf einmal (Vers 6), von denen zwar einige gestorben sind, die meisten aber noch leben. Nichts anderes als eine Anweisung auf historische Nachvollziehbarkeit liegt hier vor: Wenn ihr Fragen habt und zweifelt, geht doch hin und befragt diese Augenzeugen. Schließlich und letztlich benennt er auch sich selbst als Gewährsmann und Zeugen des Auferstandenen.

Kann man denn die Auferstehung beweisen? Kann man denn, ja soll man denn den Glauben durch Argumentieren ersetzen?

Man wird mit den Mitteln historischer Vernunft nie hundertprozentig beweisen können, daß Jesus auferstanden ist. Die historische, sich an Paulus anschließende Argumentation ist freilich geeignet, Vernunftschlüsse und Blockaden zu zerstören, mit denen Menschen meinen, sich dem Auferstandenen nicht stellen zu müssen, weil die Osterbotschaft ja von vornherein nicht ernstzunehmen sei. Hier kann ein sachliches Argumentieren für die historische Zuverlässigkeit entscheidend weiterhelfen. Ob dieser Auferstandene lebt, auch heute noch lebt, das wird freilich nur der erfahren, der bereit ist, sich auf ihn und seine Wirklichkeit einzulassen.

Datum: 29.03.2002
Autor: Heinzpeter Hempelmann
Quelle: idea Deutschland

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