Motivation im Gebet

Warum beten wir – und nichts passiert?

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„Dein Wille geschehe“: John Mulinde ruft Christen auf, Gott mehr Raum zu geben.
Was motiviert uns eigentlich, wenn wir uns an Gott wenden? Der ugandische Pastor und Gebetsleiter John Mulinde stellte an den Thuner Gebetstagen am 1. September die Selbstbestimmung des Menschen in Frage, welche die westliche Kultur, Theologie und Kirche prägt.

In welcher Haltung, mit welcher Erwartung beten wir? Jesus leitete seine Freunde im Gebet an, indem er ihnen das „Unser Vater“ gab. Den Vorrang hat darin Gottes Willen, sein Reich, seine umfassende Herrschaft im Leben der Menschen. Im Brief des Jakobus, kurz nach dem Wirken von Jesus geschrieben, findet sich der Satz: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.“ John Mulinde kam in Thun immer wieder auf das spirituelle „Geheimnis des Sich-Auslieferns“ (surrender) zu sprechen. „Wenn wir in Jesus bleiben und er uns bestimmt, wird die Erhörung des Gebets nicht nur uns freuen, sondern Gottes Reich voranbringen.“

„Wir haben nicht die Zeit, uns Gott zu öffnen“

Mulinde warf Schlaglichter auf die geistliche Erweckungsbewegung von Wales, in der ab 1904 viele tausend Menschen Gottes Macht und seinen Geist überwältigend erfuhren. Im Zentrum der Bewegung stand Evan Roberts. Gott habe, so Mulinde, durch Roberts mächtige Taten wirken können, nachdem dieser sich ihm völlig ausgeliefert hatte. Dass diese Bereitschaft heute vorhanden ist, bezweifelte der Ugander: „Wir möchten, dass Gott in grösserer Weise in unserer Leben hineinkommt, aber wir haben nicht die Zeit, uns ihm zu öffnen.“

Leider erweise sich auch die westliche Theologie als Hindernis für das Wirken Gottes, klagte Mulinde. Dann jedenfalls, wenn sie sich stolz dem Herrschaftsanspruch Gottes verschliesse und den Menschen sage, „dass wir solches nicht erleben können“. Der Widerstand gegen Gottes Wort trage zum Verfall der christlichen Kirche in Europa und zum Niedergang des Kontinents bei. „Ist da jemand, der verzweifelt nach Gott Ausschau hält? Der sagt, Gott ist grösser als mein Stolz?“

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Knallrote Sinnlichkeit in der Zigarettenwerbung.
Ringen mit der eigenen Natur

In Wales blieben die inneren Kämpfe, die Roberts vor der Erweckungswelle, vor seinem segensreichen Wirken durchgestanden hatte, unbekannt. Viele, die geistlich angerührt wurden, wussten nicht um diese Hintergründe – und liessen später, als Schwierigkeiten auftraten, vom Glauben ab.

Wirkungsvolles Gebet setzt laut Mulinde voraus, dass ChristInnen ihrer menschlichen, eigensten Natur absagen und sich ganz Gottes Willen öffnen. “Stolz vertreibt Gott, Demut zieht ihn an. Menschliche Logik und menschliche Lösungen funktionieren auf dieser Ebene nicht. Sind wir willens, unseren Stolz zerbrechen zu lassen, uns auszuliefern und Jesus Herrn sein zu lassen?“ Erweckung wachse nicht aus theologischen Erörterungen, hielt der Prediger fest und rief zum demütigen Bussgebet auf.

Die königliche Herrschaft Gottes sehen und annehmen

Am Abend des 1. September hielt John Mulinde in der Thuner Curlinghalle eine weitere Predigt über das Gebet. Gott wolle Menschen an seinem Reich Anteil geben, unterstrich der Ugander: „Die Königsherrschaft Gottes nimmt in der Gesellschaft Gestalt an, indem diese sich mehr auf ihn ausrichtet. Nur wenn wir das Königreich Gottes verstehen lernen, sehen wir die Dinge im Licht Gottes.“ Eine Kirche könne sehr aktiv sein – sogar viel beten. „Solange dies nicht Gottes Herrschaft im Zentrum hat, geht es am Herzen und am Sehnen Gottes vorbei.“

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Seit Jahren in Kontakt: Der Thuner Gebetsleiter Walter Bernhard hatte John Mulinde zu den Gebetstagen eingeladen.
Was angebetet wird, hat Einfluss

Bei jedem Reich ist, so Mulinde, zu fragen, wer es beherrscht, nach welchen Massstäben er handelt und was die Leute vom Herrscher erwarten. Ihre Religiosität wirkt sich stärker aus, als sie vielleicht glauben: „Die Dinge, die sie anbeten, werden die Sphären in ihrem Umfeld kontrollieren. Jede Religion hat eine geistige Macht hinter sich – eine Macht, die nicht durch Argumente zerstört wird, nur durch geistlichen Sieg.“ Die aktuellen geistlichen Probleme Europas seien nicht durch Gesetze zu überwinden, sagte Mulinde, sondern nur dadurch, dass Christen eine tiefere Gemeinschaft mit Gott pflegten und das siegreiche Leben von Christus in allen Bereichen zum Tragen brächten.

Der Mensch, der sich selbst als Massstab nimmt

Im Westen, in Europa noch deutlicher als in den USA, herrscht nach dem Prediger aus Uganda eine Weltanschauung, die wesentlich auf die griechische Antike zurückgeht, ein Denken, das die Bedürfnisse des Menschen ins Zentrum stellt. Die antike griechische Mythologie habe selbstsüchtige, zum Bösen fähige Götter gekannt, führte Mulinde aus. Ihnen hatte der Mensch nicht einfach zu gehorchen, sondern er entschied selbst, wie er sich zu ihnen stellte.

Dies wirke im Westen noch heute nach: „Man nimmt aus der Bibel, was einem passt. Wir erheben die menschliche Weisheit über die Autorität des Wortes Gottes. Wenn meine Gedanken etwas nicht verstehen, kann ich es nicht akzeptieren.“ Für Mulinde liegt hier der Hauptgrund dafür, dass Gottes machtvolles Wirken in Europa kaum erlebt wird und die Kirche schwächelt.

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Warum die Kirchen in Europa schwächeln: John Mulinde verweist auf die Kulturgeschichte.
Gegen den Strom schwimmen – sich von Gott verändern lassen

Mulinde legte dar, dass das afrikanische Verständnis von Gott und dem Menschen andere Schwächen habe (Fatalismus durch Geisterglauben). In allen Kulturen hätten Christen die Aufgabe, ihr Denken von Gott verändern zu lassen und sich ihm hinzugeben. Sie sollen der prägenden Kraft der Medien und der herrschenden Kultur, in welcher Sinnlichkeit und Freizügigkeit gefeiert werden, widerstehen.

John Mulinde bezog an diesem Punkt die Erfahrungen in seiner Heimat ein: „Was Uganda verändert hat, war nicht Gebet allein, sondern dass wir uns gottesfürchtig der Herrschaft von Jesus Christus ausgeliefert haben.“ Mit dem Bibelwort von 2. Chronik 7,14 – der Verheissung, dass Gott Sünde vergeben und das Land heilen wird, wenn sich das Volk vor ihm demütigt – leitete der Prediger zum Bussgebet über: „Herr, bitte komm, durchbrich die Schranken unserer Weltanschauung!“

Weiterer Bericht von den Thuner Gebetstagen

Datum: 16.09.2006
Quelle: Jesus.ch

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