Die Magoi von Ekbatana

Drei Könige waren es nicht. Aber was waren sie dann, die "Weisen aus dem Morgenland"? Wo lebten sie, woher kamen sie? Was war so wichtig, dass sie eine weit über 1000 Kilometer lange Reise unternahmen? Die Spurensuche führt zurück in die alte Mederstadt Ekbatana und in die Nähe des Propheten Daniel.

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"Es tritt hervor ein Stern aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel." (Die Bibel, 4. Buch Moses, Kapitel 24, Vers 17b)

"Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland aufgehen gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. (Die Bibel, Matthäus, Kapitel 2, Verse1-2)

Was wird nicht alles gesagt, wenn es um die Magier, "Magoi" nach Matthäus 2 geht! Ein Beispiel einer, äusserst negativen Beurteilung stammt von Manfred Lurker. In seinem 1991 herausgegebenen "Wörterbuch der Symbolik" ist unter dem Stichwort "Drei Könige" (S. 154f) unter anderem folgendes zu lesen: "Die Evangelienkritik hat die Drei Könige mit der ganzen Kindheitsgeschichte Jesu ins Reich der Legende verwiesen, ihre Elemente, der Stern, der die Geburt eines grossen Mannes kündet, der Stern als Wegweiser und vollends die Idee der Huldigung sind Gemeingut der vorderorientalisch-synkretistischen Gedankenwelt."

Oberflächlich geforscht

Dieses Zitat ist ein bedenkliches Zeugnis für die Qualität der liberalen Theologie, die sich willentlich dem biblischen Glauben verschliesst und ihrerseits mehr und mehr synkretistische Züge annimmt. Der wirkliche Hintergrund des Magierberichts lässt sich sehr wohl aufzeigen. Die Magoi gehören alles andere als "ins Reich der Legende". Die Bestimmung ihres Herkunftsortes verhilft unter anderem zur Klärung der oft diskutierten Frage, ob es tatsächlich Könige waren, die vor dem Jesuskind anbetend niederfielen.

Woher kamen die Sterndeuter?

Als Anhänger "rechnender Sterndeuter" vertritt der Astronom Konradin Ferrari d'Occhieppo folgende Auffassung: "Man muss also annehmen, dass sie von weit her erst vor kurzer Zeit ins Land gekommen waren. Das nach heutiger Kenntnis einzige bedeutende Zentrum wissenschaftlicher Sternkunde in östlicher Richtung von Palästina aus befand sich damals noch in Babylon. Freilich hatte diese einstige Weltstadt um Christi Geburt herum schon längst ihren Glanz verloren. Manche ihrer alten Tempel und Paläste lagen bereits in Trümmern. Die Beherrscher des Landes, seit etwa 145 v. Chr. die aus dem Hochland von Iran vorgestossenen Parther, hatten in Ktesiphon am Tigris eine neue Residenzstadt gegründet. Aber trotz des unaufhaltsamen Niedergangs der Stadt Babylon harrte noch eine kleine, allmählich aussterbende Gruppe von Sternkundigen dort aus, wahrscheinlich am Heiligtum des Gottes Marduk. Ob sie noch Kulthandlungen vollzogen und Opfer darbrachten, weiss man nicht. Aber die von ihren leiblichen oder geistigen Vorfahren zu hoher Blüte gebrachte rechnende Astronomie pflegten sie noch bis über die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts hinaus. Dicht mit Keilschriftzeichen beschriebene Tontafeln mit astronomischen Berechnungen oder deren Ergebnissen, genau datiert und selbst bei stark beschädigten Stücken aufgrund der darin enthaltenen Angaben wieder datierbar, sind dafür untrügliche Beweise."1

Unverständlich ist, dass Ferrari d'Occhieppo dann weiter hinten im Buch (S. 135; S. 161) aus diesen Sternkundigen, den Magoi, schlicht und einfach "babylonische Magier" werden lässt. Diese beiden Ausdrücke sind aber nie und nimmer austauschbar.

Begriffsverwirrung

In die richtige Richtung weist Werner Papke. Er schreibt mit einem Seitenblick auf die Anhänger der "Sterndeuter von Babylon": "Hinzu kommt, dass die Magier, die im Evangelium des Matthäus erwähnt werden, ganz sicher nicht babylonische Sterndeuter waren: Seit der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. werden die babylonischen Sternkundigen Chaldäer genannt, auch in der Bibel. Dagegen war 'Magier' der stehende Begriff für Angehörige einer ursprünglich medo-persischen Priesterkaste. Der schon genannte Kirchenlehrer Origenes weist in seiner Schrift gegen Kelsos die Meinung dieses Stoikers, die 'Magier' seien 'Chaldäer' gewesen, entschieden zurück. Auch Clemens von Alexandria (ca. 150-215 n. Chr.) unterschied beide Gruppen peinlich genau. Das Wort 'Magier' selbst ist von dem altpersischen maga-van abgeleitet, was so viel wie 'Besitzer der Offenbarung' bedeutet und deshalb wohl am besten mit 'Seher' übersetzt wird. (...) Die 'Magier', die dem Stern des Messias folgten, waren offensichtlich von ganz anderem Schlage. Auch Philo von Alexandria, ein Zeitgenosse Jesu von Nazareth, unterscheidet die echten Magier, die sich der Wissenschaft widmeten, von solchen Magiern, die Zauberei trieben. Ob indes die Magier, die im Bericht des Matthäus erwähnt werden, aus Persien nach Jerusalem kamen, ist nicht sicher, da ja Matthäus kein Land nennt, sondern vage schreibt, die Magier seien 'aus dem Osten' nach Jerusalem aufgebrochen. Wenn wir sie im Folgenden als persische Gelehrte bezeichnen, dann geschieht das in Anlehnung an die frühen christlichen Schriftsteller, die jedenfalls darin übereinstimmen, dass die Magier Anhänger des aus Persien stammenden Zoroaster waren."2

Meder aus dem Reich der Parther

Es waren Perser, genauer: Meder aus dem Reich der Parther, die nach Jerusalem aufgebrochen waren, wie wir mit Sicherheit erkennen werden. Doch vorher lesen wir noch ein weiteres, aufschlussreiches Zitat:

"Ein wichtiger Hinweis dafür, dass es sich bei den Weisen nicht um Könige handelte, sondern um Sternkundige, ist die im griechischen Urtext des Matthäus-Evangeliums vorkommende Bezeichnung 'Magoi', was Magier bedeutet. Magoi wurden speziell die persischen Magier genannt, die einer ganz bestimmten Priesterkaste angehörten. Darauf weisen auch die frühen Kirchenväter Clemens von Alexandrien, Basilius, Diodorus von Tarsus, Chrysostomus, Euthymius, Theophylius und Cyrillus von Alexandria hin. Auf den frühen Wandgemälden in den Katakomben werden die Weisen auch immer mit der persischen Kopfbedeckung Pileus gezeigt."3

Personen wie Perser

Der Jerusalemer Journalist Ludwig Schneider schreibt in einem Bericht über den Davidstern in dem aus dem 4. Jahrhundert stammenden Goldmosaik der Geburtskirche von Bethlehem: "Diesem Stern und Goldmosaik ist es auch zu verdanken, dass die Perser im Jahr 614 diese Basilika nicht zerstörten, denn sie sahen in den dort dargestellten Weisen, die diesem Stern gefolgt sind und hier dem Jesuskind ihre Huldigung darbrachten, Personen, die wie Perser aussahen" (NAI 12/95, S. 15).

Diese Zitate belegen – wen auch noch wenig präzise - die Herkunft der Magoi. Mit grosser Selbstverständlichkeit sprechen beispielsweise auch Bjornstadt/Johnson4 und E.H. Broadbent5 von den "persischen Weisen". Die Herkunft der Sterndeuter kann jedoch noch enger gefasst werden, denn die Bezeichnung "Magoi" ist auch ein präziser geographischer Hinweis.

Die Magoi waren ein Stamm der Meder

Im "Jerusalemer Bibellexikon" von Kurt Hennig ist über die Ursprünge der Meder und damit Heimat der Magoi auf Seite 576 zu lesen: "Madai, der hebrische Name für Medier, wird in der Völkertafel als dritter Sohn Jafets aufgeführt (1. Mose 10,2; 1. Chr. 1,5). Die Meder waren ein Volk, das im Osten von Mesopotamien lebte. Medien wird oft zusammen mit Persien erwähnt (Esth. 10,2; Dan. 5,28; 8,20). (...) Das Königreich Medien wurde von Diokes gegründet, der die sieben Mederstämme vereinte (am bekanntesten unter ihnen sind die Magi, ein Geschlecht von Priestern); er regierte 53 Jahre (699-646 v. Chr.)".

Die einzelnen medischen Stämme waren gemäss Herodot6 (I,101): Die Busen, die Paretakener, die Struchaten, die Arizanter, die Budier und die Mager. Der Stamm der Mager bzw. Magi war nächst den Persern ein politisch bevorzugter Stamm. Betreffs des Magierberichts Matth. 2 schreibt Hennig über die Sterndeuter unter dem Stichwort "Magie" (!): "Die 'Weisen' in Matth. 2,1 - griech. magoi - waren von Hause aus eine Volksgruppe; der Begriff 'Magier' kommt urspr. von Meder bzw. Madai" (S. 522). Deutlicher könnte das Zeugnis nicht sein: Der Begriff Magoi in Matth. 2 hat nichts, aber auch gar nichts mit dem gemein, was wir heute unter der Bezeichnung "Magier" verstehen. Dies bestätigt auch Lurker in beachtenswerter Weise: "Nach Matth. 2,1 'kamen die Weisen vom Morgenlande', - griechisch magoi, lateinisch magi -, um Jesus anzubeten. Magier, altpersisch magu, sind ein Stamm oder eine Kaste der Meder mit Priesterfunktion, sodass Magier im lateinischen Sprachgebrauch schlechthin Priester bedeutet (Apuleius)."7

Priester der Mager

Die priesterliche Funktion der Magoi hebt auch die RGG8 unter dem Stichwort "Magier" (S. 602) hervor: "'Magier' (altpers. magus, magos), nach Herodot I,101 Name eines medischen Stammes, der das Priesteramt ausübte (...). Die antiken Quellen, u.a. schon Herodot, sind voller Widersprüche und zeigen bald das uns geläufige Bild der Magier als Schüler und Lehrer des Zoroastrismus (Iran: III.VII). Vor allem tritt eine Verquickung mit dem Priestertum Babyloniens ein, so dass Magier als Synonym von Chaldäer und Astrologe, Traum-Deuter und Zauberer erscheint, Berufe, die mit den Magiern ursprünglich gar nichts zu tun hatten." Philo von Alexandria verglich die Magoi mit den Essenern 9; in der RGG ist unter dem Stichwort "Iran" (S. 879) gar zu lesen: "Im Westen lag das Priestertum in der Hand des medischen Stammes der Mag(i)er (vergleichbar den Leviten)."! Der Theologe August Strobel hebt besonders die Gelehrsamkeit der Magoi hervor:

Keine Zauberer

"Wir richten unser Augenmerk auf die Gruppe der Weisen. Was sagt der Evangelist über sie? Schon am Eingang der Geschichte werden wir über ein 'Siehe', das besondere Aufmerksamkeit heischt, mit ihnen bekannt gemacht. Nach dem griechischen Text waren es Magier, ein Begriff, der Verwirrung stiften könnte, bedenkt man nicht seine damalige Bedeutung. Mit Zauberei haben nämlich diese Männer absolut nichts zu tun. Sie gehörten vielmehr der höchsten Bildungsschicht des iranisch-persischen Landes an. Sie waren Priester, Mediziner, Philosophen in einem und überhaupt Gelehrte im Dienst des Volkes. Es waren die Besten ihres Landes, die danach eiferten, ein heiliges Leben zu führen (so Strabo XV 3,1:727). Porphyrius nennt sie Naturwissenschaftler, 'die wissen, wie die Götter zu verehren sind' (de abstin. 4,16). (...) Nach den grundlegenden Arbeiten von G. Messina bewahrten sie vor allem die Hoffnung auf einen letzten Erlöser der Menschheit, dessen Erscheinen sich durch ein Sternzeichen ankündigen werde."10

Damit wird deutlich, aus welcher Gegend im Morgenland, das heisst im Osten von Judäa, die Magoi aufbrachen, und wir sind vertraut mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Das führt uns zur nächsten Frage.

Wo wirkten sie um die Zeitenwende?

Diese Frage lässt sich schlüssig beantworten: Zum Beispiel beim Propheten Daniel findet sich eine Reihe von Zeugnissen, wonach die Gelehrten vornehmlich am Königshof in der Hauptstadt des Landes tätig waren (vgl. Dan. 1,4.5; 2,2; 4,3; 5,7) - so auch die Magoi die vom Apostel Matthäus in der Bibel beschrieben werden. Ihr Wirkungsfeld war die unter der Herrschaft der Parther stehende Hauptstadt der Meder mit dem wohlklingenden Namen Ekbatana.

Herodot schreibt in seinen "Historien" (I,98) über Deiokes, den Begründer von Ekbatana:
"Als er so die Macht in Händen hatte, zwang er die Meder, sich in einer einzigen Stadt anzusiedeln, damit sie sich vor den Umwohnenden nicht mehr zu fürchten brauchten. Auch das taten die Meder, und er erbaute eine grosse starke Stadt, die heute den Namen Agbatana führt, indem er mehrere Mauerringe umeinander herum legte. Diese sind in der Weise angelegt, dass immer der innere über den nächst äusseren ein wenig hinausragt, und zwar so viel, wie die Brustwehr beträgt. Die Lage der Stadt, auf einem Hügel, begünstigt die Anlage, doch wurde sie absichtlich so durchgeführt. Im Ganzen sind es sieben Ringe; im innersten stehen der Königspalast und die Schatzhäuser. Der weiteste Mauerkreis hat etwa denselben Umfang wie die Mauer Athens. Am äussersten Mauerring sind die Brustwehren weiss, am zweiten schwarz, am dritten purpurn, am vierten blau, am fünften sandarachfarben. Die Brustwehren aller dieser fünf Ringe sind also farbig bemalt; am vorletzten Ring aber sind sie versilbert und am letzten vergoldet."

Was bedeuteten die verschiedenen Farben an den konzentrischen Mauerringen von Ekbatana? Sie entsprechen den Farben, die in der Antike den damals sieben bekannten Planeten zugeordnet wurden!11 Und zwar in der Reihenfolge von innen nach aussen: 1. Sonne, 2. Mond, 3. Jupiter, 4. Merkur, 5. Mars, 6. Saturn, 7. Venus.

Der Löwe spielte in Ekbatana eine besondere Rolle, ebenso die Planeten. Diese Indizien belegen zusammen mit den folgenden Fakten die Herkunft der Magoi unzweifelhaft, wenn wir uns nun der Frage zuwenden: "Woher hatten die Sterndeuter ihre Informationen?"

Juden in Ekbatana

Bereits um 720 v. Chr. siedelte der assyrische Herrscher Salmanasser V. höchstwahrscheinlich Juden in Achmeta bzw. Ekbatana an. In (Die Bibel, Könige, Kapitel 17, Vers 5 und 6) ist diesbezüglich zu lesen: "Dann zog der König von Assur durch das ganze Land und zog herauf nach Samaria und belagerte es drei Jahre lang. Im neunten Jahr Hoscheas nahm der König von Assur Samaria ein und führte Israel gefangen fort nach Assur. Und er liess sie wohnen in Halach und am Habor, dem Strom Gosan, und in den Städten Mediens." Anstelle von "in den Städten Mediens" liest die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (LXX) "in den Bergen Mediens". Dies lässt unweigerlich an Ekbatana denken! Als Darius, der Meder, im Jahr 539 v. Chr. die Königsherrschaft von den Babyloniern übernahm, residierte mit ihm zusammen als einer der drei Minister wohl auch Daniel (vgl. Daniel 6,1-4) im Sommer in Ekbatana. Die Gemahlin von Ahasveros (485-465 v. Chr.), Königin Esther, gründete der Überlieferung nach in Ekbatana eine jüdische Kolonie.12 Von Juden aus Medien zur Zeit Alexanders des Grossen (356-323 v. Chr.) berichtet Josephus in "Antiquitates" XI,8,5. Seit ca. 200 v. Chr, wurden Juden in Medien von den Parthern beherrscht (RGG "Iran" S. 882). Die bekannte Stelle Apg. 2,9 berichtet u.a. von "Juden aus Parthien, Medien und Elam, die im Jahr 33 n. Chr. das Pfingstwunder miterlebten.

Ekbatana gehörte um die Zeitenwende zu den Städten mit einer jüdischen Gemeinde! Bei Keller (S. 309) ist zu lesen, dass die jüdische Gemeinde in Ekbatana erhebliche Achtung und grossen Einfluss genossen hat. Gemäss dem Talmud gelangte im 1. Jahrhundert n. Chr. Rabban Gamaliel schriftlich an die Juden von Babylon und Medien betreffs des Einschubs eines Schaltmonats im Frühling.13 Die Notiz in der RGG ("Iran", S. 887) über die Juden in Hamadan und Isfahan, die ihren spätmittelmedischen Jargon beibehalten haben, kann ich leider nicht zeitlich einordnen. In den Jahren 1949/50 übersiedelten ca. 25000 Juden von Persien nach Israel. Noch heute wird in Hamadan (= Ekbatana) das Grabmal von Esther und Mordechai verehrt (vgl. Keller S. 304; sowie die Abb. bei Hennig S. 609).

Das Buch Esther bestätigt, welche Planeten die Geburt Jesu an- bzw. verkündigten, denn "Esther" ist gleich "Venus"; "Mardochai" ist gleich "Jupiter"! Es kann auf einen weiteren wundersamen Bezug der Juden zur medischen Hauptstadt Ekbatana, welche der Herkunftsort der Magoi Matth. 2 war, hingewiesen werden: Das apokryphe Buch "Tobit" (Abfassungszeit ca. 200 v. Chr.) spielt an diesem einzigartigen Ort. In Kürze seien einige erstaunliche Aspekte daraus notiert:

- Hochzeit von Tobias und Sara in Ekbatana (10,7)
- Aus dem Lobpreis von Tobit: Die Völker werden dem himmlischen König Geschenke bringen (13,13)!
- Tobias verlegt seinen Wohnsitz zu seinen Schwiegereltern nach Ekbatana (14,12)
- Jerusalem wird aus 7 (!) verschiedenen Edelsteinen aufgebaut werden (13,17) - eine Anspielung auf die sieben farbigen Mauerringe von Ekbatana?

Bemerkenswert ist auch, wie im ebenfalls apokryphen Buch Judith, die Mauern, Türme und Tore von Ekbatana gepriesen werden (1,1-4). Die bisher zusammengetragenen Indizien würden eigentlich schon nahezu zur Beantwortung der zweifachen Frage "Woher kamen die Magoi und woher hatten sie ihre Informationen?" ausreichen. Doch die Spitze der Beweisführung kommt erst im Folgenden.

Bileams Weissagung und die Festung von Ekbatana

An dieser Stelle folgt eine "Anhäufung von Zitaten", ohne Kommentar. Die Aussagen sprechen für sich selbst.

"Die Kenntnis einer persischen Tradition zum 'Stern der Weisen' verrät mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bemerkung des Klemens von Alexandrien in Strom. I 71,4, wonach das philosophisch-religiöse Wissen 'bei den Persern die Magier' verwalteten: 'diese sagten mit ihrer Wahrsagekunst auch die Geburt des Heilands vorher, und kamen, geleitet von einem Stern, in das jüdische Land'" (Strobel 1987, S. 1100; vgl. S. 1127)14.

"In seiner Schrift 'Der Stern der Weisen' (1827) bietet er (Bischof Münter; Anm.) aus Bottaris Roma Sotterana Tab. LXXXVI eine Kupfertafel mit einer antiken Darstellung der Geburt Jesu. Sie zeigt die Ankunft der persischen Magier, erkenntlich an ihren phrygischen Mützen, vor der hl. Familie in einem Stall. Im gleichen Zusammenhang wird bemerkt, dass sich 'einzelne Sagen' erhalten haben, wonach man die Sternerscheinung längst vorausberechnet hatte: 'Zoroaster, d.h. Magische Astronomen, sollen dem Julius Africanus (2./3. Jh. n. Chr.) zufolge davon geweissagt haben" (Strobel 1985, S. 34).

"An dieser Stelle entfaltet sich noch einmal die ganze Fantasie des Erzählers, es ist aber zugleich deutlich, dass er sich im Kern seiner Ausführungen durch ein Wissen hat leiten lassen, das von einer altpersischen Erlöser- und ebenso von einer Sternerwartung ausgeht, die nachweislich in Ostpersien zu Hause war (...)" (Strobel 1987, S. 1112).

"Zumindest einen entfernten Ausläufer der Tradition vom Himmelskreuz des kommenden Erlösers (vgl. Matth. 24,30; Anm.) kennt das 'Opus imperfectum in Matthaeum', ein anonym überlieferter, teilweise fragmentarischer homiletischer Kommentar zum Matth.-Evangelium in lateinischer Sprache, dessen Entstehung zwischen 450 und 550 n. Chr. im Dunkeln liegt. Die Ausführungen zu Matth. 2 sind wegen ihrer Tradition und ihres Inhalts bemerkenswert. Es heisst darin, dass man auf einem fernen Bergheiligtum bei den Persern schon immer das Kommen des Erlösers mit dem Aufscheinen eines Sternes erwartet habe" (Strobel 1987, S. 1121).

"Ein sogenanntes Traktat über den Stern von Bethlehem wird Eusebius von Cäsarea zugeschrieben. Es ist uns in syrischer Sprache überliefert. Das Traktat bietet eine Art Geschichte der Bileams-Weissagung (Num 24,17) und geht davon aus, dass es im persischen Raum eine uralte Überlieferung gegeben hat, nach der die Sternerscheinung bei der Geburt Jesu zum Zug der drei Weisen (gemäss Matth. 2) Anlass gewesen sein soll. Die Geschichte der Weissagung vom künftigen Stern, wie sie sich mit dem Seher Bileam verbindet, wird auf der Basis von Chroniken dargestellt. Als Grundlage dienen die Makkabäerbücher und andere chronistische Werke aus jener Zeit. (...) Eusebius berichtet weiter, dass die Weissagung des Bileam von dem künftigen Messiasstern nach Persien gelangt sei, wo sie in der Festung 'Achmethan' (vermutlich Ekbatana, heute Hamadan) verwahrt wurde. Der assyrische König Askretos sei es gewesen, der den Auftrag zur Niederschrift der Weissagung und zu ihrer Verwahrung erteilt habe. Diese Meldung erhält Unterstützung durch neuere aramäische Funde aus der Ruinenstätte Tell Der'Alla im südlichen Jordantal. Die dort gefundenen Bileam-Inschriften bestätigen ein sehr altes Wissen (6. Jh. v. Chr.) um den Seher Bileam. Im Übrigen sind altpersische Erlöser-Texte bekannt, die mit der Erwartung einer ungewöhnlichen Sternerscheinung verbunden sind" (Weisensee, S. 28f)15.

Mit dem letzten Zitat ist zugleich die Herkunft und die Informationsquelle der Magoi endgültig belegt. In zeitlicher Hinsicht werden unsere Blicke auf das 6. Jahrhundert v. Chr. gerichtet, als die ersten Juden aus dem babylonischen Exil zurückkehrten (537 v. Chr.; vgl. Esra 1,1-3). Damals wirkte eine herausragende jüdische Persönlichkeit am medo-persischen Königshof in Susa und Ekbatana: der Prophet Daniel! Dies berichtet uns nebst der Bibel auch der jüdische Historiker Flavius Josephus:

"Darius, der in Gemeinschaft mit seinem Verwandten Cyrus das babylonische Reich vernichtete, war zweiundsechzig Jahre alt, als Babylon fiel. Er war der Sohn des Astyages und wird von den Griechen mit einem anderen Namen genannt. Dieser nahm den Seher Daniel mit sich nach Medien in seine Residenz und ehrte ihn dadurch, dass er ihn seiner nächsten Umgebung beigesellte. Auch verlieh er ihm den Rang eines der drei Obersatrapen, welche er über die dreihundertsechzig Satrapien seines Reiches gesetzt hatte. Als nun Daniel bei Darius in so hohen Ehren und in solchem Ansehen stand und wegen seiner prophetischen Gabe das grösste Vertrauen des Königs genoss, blieb er auch vom Neide nicht verschont" (Antiquitates X,II,4.5).

Was die Folge dieses Neides seiner nächsten Umgebung war, das ist dem Bibelleser bestens bekannt: Daniel wurde in die Grube der Löwen geworfen. Über eine der Tätigkeiten Daniels in Ekbatana - nach seiner wundersamen Rettung und der Bestrafung seiner Feinde - gibt uns wiederum Josephus näheren Aufschluss. Was er zu berichten weiss, ist höchst bemerkenswert:

Weise Männer

"Als nun die Satrapen den Bestien vorgeworfen waren, erkannte Darius die wunderbare Rettung Daniels. Denn die Löwen verschonten keinen einzigen, sondern zerrissen sie alle, als wenn sie noch hungrig und nach Nahrung begierig wären. (...) Als so die Feinde Daniels umgekommen waren, liess der König Darius im ganzen Lande verkünden, man solle den Gott verherrlichen, den Daniel anbete, denn er sei der wahre und allmächtige Gott. Den Daniel aber hielt er nach wie vor in hohen Ehren und machte ihn zu seinem ersten Freunde. Als Daniel so den Gipfel seines Ruhmes erstiegen hatte, erbaute er, der besondere Liebling Gottes, in der medischen Stadt Ekbatana einen prachtvollen und wunderbar anzuschauenden Turm, der noch heute steht. Wer ihn sieht, könnte glauben, er sei erst jüngst erbaut worden, so wohlerhalten und frisch bietet er sich dem Auge dar, ohne vom Zahne der Zeit gelitten zu haben. In diesem Turm wurden die Könige der Meder, der Perser und Parther bestattet, und die Obhut über ihn ist noch heute einem jüdischen Priester anvertraut. Es geziemt sich, diese wunderbaren Ereignisse aus dem Leben Daniels hier mitzuteilen; denn alles gedieh ihm, wie einem der grössten Propheten, zu unverhofftem Glücke, und er genoss nicht nur während seines Lebens die höchste Ehre und Auszeichnung beim Könige wie beim Volke, sondern hinterliess auch nach seinem Tode ein unsterbliches Andenken. Die von ihm verfassten Schriften werden noch heute bei uns gelesen und beweisen, dass Daniel im Verkehr mit Gott gestanden hat. Denn er sagt nicht bloss, wie andere Seher, die zukünftigen Ereignisse voraus, sondern bestimmt auch die Zeit, wann sie eintreffen werden. Und während die anderen Seher Unglückspropheten und deshalb bei König und Volk verhasst waren, war Daniel ein Verkündiger des Glückes, so dass er durch die glänzenden Bilder, die er von der Zukunft entwarf, allgemeine Beliebtheit erlangte. Weil aber seine Weissagungen sich so bestimmt erfüllten, wurde er von dem Volke nicht nur zu den Wahrsagern, sondern auch zu den Gottgesandten gerechnet. Aus seinen Schriften kann man seine Weissagungen in unveränderter und glaubhafter Gestalt entnehmen" (Antiquitates X,11,6.7).

Vermächtnis des Propheten Daniel

Das ferne Bergheiligtum bei den Persern, auf dem schon immer das Kommen des Erlösers zusammen mit dem Aufscheinen eines Sternes erwartet wurde, ist zweifellos in Ekbatana zu suchen. Und was könnte es anderes sein, als das von Daniel erbaute Mausoleum, von dem uns Josephus berichtet? Der vom jüdischen Geschichtsschreiber gepriesene Turm diente mit Sicherheit nicht nur der Bestattung der medischen, persischen und parthischen Könige!

Angesichts der ausgezeichneten Höhenlage von Ekbatana war er geradezu für die Beobachtung des Sternenhimmels prädestiniert. Dies dürfte dann auch der ursprüngliche Verwendungszweck gewesen sein, für welchen ihn Daniel als Oberster der Astronomen/Astrologen Babylons (vgl. Dan. 5,11.12) und wohl auch der medischen Gelehrten (vgl. 6,4), erbauen liess. Es ist kaum wahrscheinlich, dass der von Josephus erwähnte Turm identisch ist mit der "Festung Achmeta", in der das berühmte Edikt von Kyrus betreffs dem Wiederaufbau des jüdischen Tempels aufgefunden wurde. Diese Begebenheit ist in Esra 6,1-2 nachzulesen: "Darauf erliess der König Darius einen Befehl, und man forschte in Babel nach im Urkundenhaus, wo man die Schätze niederlegte. Und es wurde zu Achmeta, in der Festung, die in der Provinz Medien (liegt), eine Schriftrolle gefunden, und darin war folgendes geschrieben: (...)"

Aber mit einiger Wahrscheinlichkeit wurde der von Daniel erbaute Turm noch für einen dritten Zweck verwendet: Er diente als Archiv, gleich wie die biblische "Festung Achmeta". In diesem Sinne bestand die Aufgabe des jüdischen Priesters, der auch nach der Zeitenwende noch die Obhut über den Turm innehatte, in nichts anderem als der Verwahrung des schriftlichen Vermächtnisses des grossen Propheten Daniel!

Daniel hinterliess seine Spuren allerdings nicht nur in Ekbatana, sondern auch in Susa, der Winterresidenz der Achämeniden. Bei Maier können wir über diese Stadt lesen: "Biblisch gesehen ist Susa mehrfach wichtig geworden: Es ist die Stadt Daniels, die Stadt Esthers und Mardochais, die Stadt Nehemias und kommt als Teil Elams auch in der Prophetie vor."16 In der Festung von Susa empfing Daniel das Gesicht vom Widder und Ziegenbock. Nach schiitischer Tradition liegt Daniel in Susa begraben; sein Mausoleum wird daselbst noch heute verehrt17. Wäre es nicht auch möglich, dass die gewissermassen von Daniel gesandten Magoi, von Susa aus nach dem jüdischen Land aufbrachen? Nein, denn sie tätigten ja ihre Beobachtungen im Sommer und Frühherbst des Jahres 3 v. Chr. von der Sommerresidenz der parthischen Könige in Ekbatana aus!

Waren der Sache sicher

Warum fragten die Magier in Jerusalem so gewiss nach dem "König der Juden".(Was wussten die Sterndeuter von Daniel, was hat er ihnen gesagt? Zur Hauptsache sind es zwei herausragende Fakten, die zum Zug der Magoi von Ekbatana nach Jerusalem und schliesslich nach Bethlehem führten:

- Das Vermächtnis Daniels beinhaltet astronomisches Wissen, aufgrund dessen die Sternerscheinung längst vorausberechnet war.

- Daniel sagte nicht nur zukünftige Ereignisse voraus, sondern bestimmte auch die Zeit, wann sie eintreffen sollten. Seine Vorhersagen und Schriften bildeten das Bindeglied zwischen den Magoi des 6. Jahrhunderts v. Chr. als Zeitgenossen Daniels und ihren Nachfolgern, die um die Zeitenwende wirkten.

1 Konradin Ferrari d'Occhieppo: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht - Legende oder Tatsache?, Giessen 1994, S. 27
2 Werner Papke: Das Zeichen des Messias - Ein Wissenschaftler identifiziert den Stern von Bethlehem, Bielefeld 1995, S. 39
3 Ludwig Schneider: Nachrichten aus Israel, Nr. 156-24.10.1992
4 James Bjornstad/Shildes Johnson: Horoskop und Wassermann - Hintergründe des Sternglaubens, Giessen 1988, S. 52
5 Edmund H. Broadbent: Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt, Dillenburg 1991, S. 65ff
6 Herodot: Historien, Übersetzt von A. Horneffer, Stuttgart 1971, S. 48
7 Manfred Lurker (Hrsg.): Wörterbuch der Symbolik, Stuttgart 1991, S. 154
8 RGG, Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Tübingen 1959
9 Martin Hengel: Judentum und Hellenismus - Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichtigung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jh. v. Chr., Tübingen 1973, S. 418

10 August Strobel: Der Stern von Bethlehem - Ein Licht in unserer Zeit?, Fürth/Bayern 1985, S. 35f
11 Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie, I. Band: Zeitrechnung der Babylonier, Ägypter, Mohammedaner, Perser, Inder, Südostasiaten, Chinesen, Japaner und Zentralamerikaner, Leipzig 1906, S. 121
12 Werner Keller: Und die Bibel hat doch recht, Augsburg 1997, S. 304
13 Ludwig Schneider: Israel Jahrbuch 1990, S. 61
14 August Strobel: Weltenjahr, grosse Konjunktion und Messiasstern, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Reihe II Bd. 20, Berlin - New York 1987
15 Gerd Josef Weisensee: Wann ward uns Jesus geboren?, Gersau 1992, S. 28f
16 Gerhard Maier: Das Buch Esther, Wuppertal 1993, S. 41
17 Werner Keller, S. 309; vgl. Kurt Hennig (Hrsg.): Jerusalemer Bibel-Lexikon, Neuhausen-Stuttgart 1990, S. 166


Quelle: factum Magazin

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