Stille Nacht – bis es kracht?

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Weihnachten: Aus dem Alltag in eine feierliche Harmonie?
Stille Nacht, heilige Nacht? Gerade an Weihnachten fliegen in manchen Familien die Fetzen. Warum eigentlich? Mit unseren Harmonie-Tipps können Sie möglichen Streit vorbeugen.

Weihnachten steht auf der Stressskala von 0 bis 100, immerhin auf Platz 12. Weihnachten – das Fest des Friedens und der Eintracht. So sollte es eigentlich sein. Doch tatsächlich gibt es unterm Baum häufig Streit.

Einer der Gründe, warum an Weihnachten Konflikte ausbrechen ist der Stress. "Obwohl jeder weiss, dass der Heilige Abend auf den 24. Dezember fällt, kaufen viele Leute die Geschenke im letzten Augenblick ein, hetzen von einem überfüllten Geschäft ins andere.

Aber auch der Drang nach Perfektion sägt am Nervenkostüm. Das Weihnachtsfest muss durchorganisiert sein, das Weihnachtsessen mindestens vier Gänge haben, die Wohnung blitzblank geputzt und auch andere Weihnachtsfeiern will man besuchen. Das zusammengenommen stresst.

Mentale Vorbereitung

Das Vorhaben, sich einfach nicht streiten zu wollen, kann funktionieren, aber nur, wenn Sie ganz sicher sein können, bei einem kritischen Thema nicht innerlich überzukochen. Wenn innerlich die Stimmung im Eimer ist, dann kommt das auch ohne Worte rüber. Versuchen Sie, sich schon im Vorfeld in die anderen hineinzuversetzen, sich zu fragen: Womit muss ich rechnen? Wie kann ich die anderen besser verstehen?

Wer Eltern hat, die schon älter sind, sollte akzeptieren, dass sie gewisse Dinge nach einem andern Schema machen. Bin ich selbst Gastgeber, sollte ich überlegen, wie ich meinen Gästen Raum schaffen kann. Man kann man schon im Vorfeld feste Pausen vereinbaren: Zum Beispiel zwei Stunden Mittagspause, in denen "familienfrei" ist und jeder tun und lassen kann, was er will.

Geraten Sie mit einem Familienmitglied in eine Auseinandersetzung und keine Argumentation hilft, sollten Sie zunächst abwarten und die Konfrontation vermeiden, später dann aber direkt sagen, dass Sie dieses Verhalten sehr verletzend fanden.

Überzogene Erwartungen

Wo hohe Erwartungen sind, ist auch die Enttäuschung schnell da. Ein bekanntes Sprichwort sagt: Nichts ist schlimmer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen. Das grösste Problem sind die zu hohen Erwartungen an die Weihnachtsfeiertage. Wenigstens einmal im Jahr möchte man sich die Sehnsucht nach emotionaler Nähe und Geborgenheit erfüllen.

Eine Emnid-Umfrage bestätigt es: 35 Prozent der Menschen halten die übertriebenen Harmonie-Erwartungen für den wichtigsten Auslöser für Streit an Weihnachten. Weihnachten darf nicht zum Fest werden, bei dem Freude quasi vorgeschrieben wird – ein Anspruch, der schwer zu erfüllen ist – und dadurch viel Konfliktpotenzial birgt: Man erhofft sich oft zuviel voneinander; Weihnachten soll so richtig schön, harmonisch und rund sein. Werden diese überzogenen Vorstellungen dann nicht erfüllt, kracht es schneller als gedacht.

Tipps für eine gelungene Weihnachtsfeier

Eine Grundregel des Beisammenseins sollten alle beherzigen: Höflichkeit! Sie kann besonders an Weihnachten das Öl im Getriebe für den Frieden sein.

Bereiten Sie notwendige Arbeiten an den Feiertagen gut vor und teilen Sie diese gemeinsam in der Familie auf.

Bleiben Sie realistisch: Probleme in Familie und Partnerschaft verschwinden nicht von selbst, nur weil Weihnachten ist. Vermeiden Sie deshalb auch Grundsatzgespräche an den Festtagen. Reizthemen und schwierige Fragen sollten über die Feiertage vermieden werden.

Halten Sie rechtzeitig vor Weihnachten einen “Familienrat” ab und fragen Sie: Welche Art von Weihnachten wollen wir? Teilen Sie ein, wer wofür zu welchem Zeitpunkt zuständig ist und geben Sie auch Aufgaben ab. Wer kauft den Christbaum und schmückt ihn und so weiter? Besser es gibt bei der Planung Auseinandersetzungen, als am Fest.

Erlauben Sie sich, aus Traditionen auszubrechen. Wenn niemand bereit ist, Sie in Ihren Vorbereitungen zu unterstützen, dann gibt es eben nur ein kaltes Buffet.

Wer überhaupt nicht zum Fest kommen möchte, den sollte man auch ziehen lassen. Er verdirbt nur die Stimmung, wenn jemand muffig und widerwillig unter dem Christbaum sitzt. Überlegen Sie sich, welche Aktivitäten Sie an Weihnachten anbieten könnten: spielen, spazieren, etwas vorlesen. Tatenloses Herumsitzen fördert nur die Unzufriedenheit.

Seien Sie sich bewusst: Frieden und Geborgenheit sind tiefste Sehnsüchte der Menschen. Wenn diese unter dem Jahr in der Familie nicht erfüllt werden, kann man sie auch nicht an Weihnachten nachholen.

Zuviel Alkohol bringt neben Promillen auch Beziehungsprobleme. Infolge des höheren Alkoholkonsums verliert man leichter die Kontrolle, manövriert sich oft in Konflikte hinein. Deshalb: dosiertes Einkaufen von alkoholischen Getränken.

Dramatische Formen kann auch die Enttäuschung über Geschenke annehmen. Mit dem Parfüm, das nicht dem eigenen Lieblingsduft entspricht, mit der Bluse in einer falschen Kleidergrösse wird häufig auch der Sinn der Partnerschaft in Frage gestellt. Bohrender Gedanke dahinter: Bin ich ihm nichts mehr wert, wenn er nicht einmal mehr weiss, dass… Deshalb ein wenig Fingerspitzengefühl zeigen und sich in Erinnerung rufen, welches Geschenk den Partner wirklich freut.

Und noch ein Tipp für den Heiligen Abend selbst: Nicht bis zum Schluss arbeiten, hetzen, herrichten. Zwei, drei Stunden für sich selbst einplanen, einen ausgiebigen Spaziergang unternehmen, oder in der Badewanne gemütlich eine Zeitschrift lesen.

Wer sich noch an den ursprünglichen Sinn von Weihnachten erinnert und das auch praktiziert, der hat bessere Chancen diese Tage ohne Streit zu verbringen. Beten oder gemeinsam Weihnachtslieder singen, die Weihnachtsgeschichte in der Bibel vorlesen – solche Aktivitäten bauen bestimmt Differenzen untereinander ab.

Frohe Weihnachten!

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