Ist das Neue Testament zuverlässig überliefert worden?

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Zwischen den Ereignissen um Jesus und den Aufzeichnungen liegen einige Jahrzehnte. Für antike Verhältnisse ist das eine äusserst kurze Zeitspanne.

Als die Schriften verfasst wurden, die heute das Neue Testament bilden, lebten noch sehr viele Augenzeugen jener Ereignisse. In den meisten Fällen waren sogar sie selber die Verfasser. Das «Evangelium nach Matthäus» ist der Lebensbericht von Jesus aus der Sicht seines Anhängers Matthäus, ebenso das «Evangelium nach Johannes». Von seinem Jünger Petrus sind uns zwei Briefe überliefert. Er leitete damals zusammen mit Johannes und Jakobus die grosse Christengemeinde von Jerusalem. Der gehörte auch ein anderer Jakobus an: der leibliche Bruder von Jesus. Die Beziehungen untereinander waren eng.

Recherchen vor Ort

Unter diesen Bedingungen wäre es nicht möglich gewesen, Falsches oder Hinzugedichtetes über Jesus zu berichten. Im Gegenteil: Andere kamen auf diese Zeitzeugen zu und fassten deren Erzählungen in schriftliche Form. Das Markus-Evangelium geht im wesentlichen auf die Berichte von Petrus zurück, und Lukas schreibt selber davon, er sei «allem von Anfang an genau nachgegangen», bevor er diesen Lebensbericht verfasste (Lukas 1,3). Seine Apostelgeschichte schrieb er sogar noch zu Lebzeiten von einer der Hauptfiguren, des Missionars Paulus. Denn sie endet bei dessen Ankunft in Rom, noch bevor er dort zum Märtyrer wurde.

Viele Juden lehnten damals die neue Lehre ab. Sie standen den Christen feindselig gegenüber. Falsche Überlieferungen hätten sich diese bedrängten Gläubigen deshalb umso weniger erlauben können.

Keine 1000 Jahre

Zwischen den Jahren 45 und spätestens 90 waren alle Schriften des Neuen Testament bereits verfasst. Aus dieser Zeit stammen sogar die ältesten Schriftstücke, die gefunden worden sind; Dutzende anderer sind aus dem 2. Jahrhundert nach der Geburt von Jesus. Die ersten beiden vollständig erhaltenen Manuskripte wurden bereits im 4. Jahrhundert niedergeschrieben: der Codex Vaticanus (um 325 n.Chr.) und der Codex Sinaiticus (um 350 n.Chr.).

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Sir Frederic Kenyon
Fast 300 Jahre nach den Ereignissen, das mag als eine lange Zeitspanne erscheinen. Aber sie ist sehr klein, verglichen mit den meisten antiken Werken. Die früheste Kopie von Cäsars «Gallischem Krieg» datiert 1000 Jahre, nachdem er verfasst wurde, und die erste vollständige Kopie der «Odyssee» von Homer 2200 Jahre, nachdem sie geschrieben wurde!

Dafür 1000e von Texten

Hinzu kommt die gewaltige Anzahl von annähernd 5500 Handschriften in der Originalsprache Griechisch und rund 20.000 Übersetzungen, zum Teil mit dem vollständigen Text des NT, meistens in Teilen davon. Das ist mehr als bei irgendeinem anderen antiken Werk, von dem es fast immer nur wenige alte Einzelstücke gibt. Dass ein Dokument überhaupt in eine andere Sprache übertragen wurde, war ein Zeichen für die grosse Wertschätzung, die man ihm entgegenbrachte.

«Wenn das Neue Testament eine Sammlung weltlicher Schriften wäre, so würde es ohne den geringsten Zweifel für echt angesehen», urteilt der bekannte Gelehrte F.F. Bruce. 1) Ähnlich äussert sich Frederic Kenyon, der ehemalige Direktor und leitende Bibliothekar des Britischen Museums, Experte für antike Manuskripte, über das Neue Testament: «Die Zeitspanne zwischen der ursprünglichen Abfassung und den frühesten erhaltenen Zeugnissen ist dermassen kurz, dass jedem Zweifel daran, ob die Bibel authentisch überliefet wurde, die Grundlage entzogen ist.» 2)

1) F.F. Bruce, The New Testament Documents: Are They Reliable? S. 15
2) nach: The Bible and Archaeology, S. 288-89

Quellen: Jesus.ch, Josh McDowell: Das kann ich nicht glauben, CLV-Verlag

Datum: 25.06.2005

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