Moral und Gesetzlichkeit

«Ist echte Veränderung überhaupt möglich?»

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«Ich bin seit vielen Jahren Christ. Als ich zum Glauben kam, dachte ich, Jesus würde mich verändern. Aber mittlerweile habe ich aufgegeben! Ich sehe nicht, dass sich bei mir oder meinen Glaubensgeschwistern in der Gemeinde viel getan hätte. Statt aus einer echten inneren Veränderung heraus zu leben, ächzen die meisten Christen doch bloss unter einem Joch aus Moral und Gesetzlichkeit. Es heisst doch, wir würden mit der Zeit Christus ähnlicher werden. Warum ist davon so wenig zu sehen? Oder machen Christen sich am Ende nur etwas vor?»

Die Sehnsucht nach Veränderung ist oft da am intensivsten, wo Belastendes nicht zuerst als Ergebnis des eigenen Handelns erlebt wird, sondern als eine Art Verhängnis, dem man ausgeliefert scheint. Das können schwere Erlebnisse aus der Kindheit sein, belastende Lebensgefühle, schädliche Verhaltensweisen oder kaum kontrollierbare Gefühlsschwankungen. Manche Christen erleben in den ersten Wochen nach ihrer Hinwendung zu Gott ein vollständiges Verschwinden dieser Belastungen: Erfüllt von Liebe spüren sie die Gegenwart Gottes und betrachten die Welt mit neuen Augen.

Doch dann machen sich die alten Konflikte und Verhaltensweisen wieder bemerkbar und die Freude am Glauben scheint nachzulassen. Es kommen Zweifel: „Müsste nicht das Alte vergangen sein, wenn ich in Christus neu geworden bin?“ (Die Bibel, 2.Korinther, Kapitel 5, Vers 17) Vielleicht haben Sie es ähnlich erlebt und sind zum Schluss gekommen: „Das kann doch nur an mangelndem Glauben oder fehlender Treue liegen!“

Das Wunder des neuen Menschen

Und doch: Es hat sich etwas verändert! Wer sich Jesus anvertraut hat, in dem hat Gott real etwas ganz Neues geschaffen, etwas, das er selber nie hinkriegen würden: Er hat uns in Jesus „hineinverpflanzt“. Unser alter Stand, von Gott getrennt zu sein, ist überwunden. Wir sind in der geistlichen, unsichtbaren Welt mit Jesus verbunden. Weil er unsere Schuld am Kreuz weggetragen hat, ist auch unsere persönliche Schuld gesühnt; und weil er auferstanden ist, haben auch wir Anteil am ewigen Leben (Johannes 11,25). Diese Realität ist gemeint, wenn die Bibel von „Neugeburt“ spricht (Johannes 3,3).

Sie sind Gottes geliebtes Kind, auch wenn Sie zum x-ten Mal am gleichen Punkt scheitern. Denn Gott hat Sie nicht zu seinem Kind und Erben gemacht unter dem Vorbehalt, dass Sie Vollkommenheit und Perfektion erreichen, sondern mit der Zusage, dass Sie geliebt werden! Das ist Gnade.

Der Prozess der Veränderung

Veränderung und Erneuerung in der Lebenspraxis eines Christen gehören in den Bereich der Heiligung. Mit Heiligung ist aber nicht menschliche „Perfektionierung“ gemeint, sondern der Prozess der Reifung und Entfaltung.

In der Bibel im Neuen Testament finden wir hierzu eine spannungsreiche Realität beschrieben: Gott gibt seinen himmlischen Schatz in irdene, also begrenzte, zerbrechliche Gefässe (vgl. 2.Korinther 5,7). Als Christ gehen Sie Ihren Weg als Mensch mit allen menschlichen Bedürfnissen und Begrenzungen, mit Ihren Gaben und Verletzungen – dies wird nicht alles automatisch dadurch aufgehoben, dass Sie Christ geworden sind! Hierin an Gott festzuhalten und sich als Kind bei Gott zu bergen, gehört mit zur Lebensaufgabe eines Christen.

Sie sagen, Sie hätten längst aufgegeben. Wenn das heisst, dass Sie das Ideal einer perfekten Gemeinde oder die Suche nach dem wundersamen Kippschalter für schwierige Lebensstrukturen aufgegeben haben, dann haben Sie gut dran getan. Haben Sie aber die Hoffnung auf Entwicklung in Ihrem Leben aufgegeben haben, dann fassen Sie neuen Mut: Alles Schwierige endgültig zu überwinden, geht nicht – aber etwas Neues dazuzulernen, das geht. Wenn Sie dazu seelsorgerliche und fachkundige Unterstützung brauchen, wagen Sie es.


Autor: Monika Riwar

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