Die Stadt Nazareth heute mit der Verkündigungs-Kirche in der Mitte.
Wenn Jesus eine Stadt betritt, scharen sich die Leute um ihn. Denn er ist kein Städter. Was macht ihn so besonders?
Jesus kommt aus der Wüste, ist von der Zeit geprägt, die er mit Gott allein verbringt (1). Von Kind auf hat er die Heiligen Schriften studiert, viel gebetet und gefastet (2). Das merkt man ihm an, wenn er auf dem Marktplatz erscheint oder mit seinen Freunden durch die Gasse spaziert. Das Volk hört ihm gern zu und lacht über seine Pointen. Doch seine Worte sind mehr als Unterhaltung oder Belehrung – sie faszinieren und elektrisieren: In ihnen zeigt sich die Autorität, Wesentliches zu sagen. Manchmal ist Jesus schockierend direkt (3)..
Ständig unterwegs
Er stammt aus Nazareth, einem unbedeutenden Nest im hügeligen Galiläa. Doch gerade da ist seine Botschaft, in der er sich als Gottes Gesandter geoutet hat, auf Ablehnung gestossen (4). So hält er sich öfter in Kapernaum auf, einem Marktflecken am See Genezareth (5). Seine Predigttouren führen ihn in zahlreichen Schleifen durch Galiläa und angrenzende Gebiete. Am Sabbat predigt er in den Synagogen. In den Dörfern und sogar in der Einöde drängen sich Menschen um ihn: Hilfesuchende, Kranke, Neugierige. Manchmal hält er Predigten am Seeufer oder auf freiem Feld. Zwischendurch entfernt er sich von der Menge, um allein zu sein (6).
Eine neue Stimme in Jerusalem
Wie bei frommen Juden üblich, wandert er zu den grossen Festzeiten nach Jerusalem. Da geht er aufs Ganze, indem er im Tempelbezirk (7) lehrt, seinen Anspruch, gültig von Gott zu sprechen, anmeldet und verteidigt (8) und mehrfach versucht, die Menschen zu sammeln (9). Doch auch der Stadt Jerusalem drängt er sich nicht auf: Er tritt auf, spricht von Gottes Herrschaft und seiner Güte – und dann verlässt er die Stadt, übernachtet bei Freunden draussen im Dorf (10).
Kein Applaus vom König
Die Leute sind ihm gewogen, obwohl er sie herausfordert, den Finger auf die wunden Punkte legt, Kontroversen und Trennungen provoziert (11). Jesus ist populär. Das passt dem gewalttätigen König Herodes nicht, der als Vasall der römischen Besatzungsmacht herrscht. Ihm weicht Jesus aus, fährt über den See Genezareth, weilt in der Einöde (12). Die Kluft zwischen dem selbstverliebten Tyrannen und dem Lehrer der Barmherzigkeit könnte tiefer nicht sein.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten kommen zu ihm, testen ihn in der Synagoge – er klopft nicht bei ihnen an, meidet ihre Schulen, lässt sich aber von einem Pharisäer zum Mahl einladen (13). Was Herodes und den herrschenden Familien zu denken gibt: Die Bewegung, die Jesus als Wanderprediger im Volk erzeugt, die sich durch seine ebenfalls umherziehenden Gefolgsleute ausbreitet, passt nicht in Schubladen. Sie hat zwar politische Seiten, ist aber keine Rebellion (14). Sie breitet sich aus dem Land aus und findet in der Stadt Zuspruch.
Widerständige Machtstrukturen
Nicht genug, nicht so viel, dass die Mächtigen klein beigeben oder gar abtreten müssten. Jesus beklagt die Uneinsichtigkeit Jerusalems und kontrastiert das kommende Strafgericht Gottes über die fernen Städte Sidon und Tyrus mit dem härteren, das jene kleinen galiläischen Orte ereilen wird, welche seine Botschaft nicht annehmen wollten (15).
Die Stadt transformieren
Jesus packt die Menschen - gerade auch in den Städten.
Jesus ist für die Menschen da, um ihnen Hoffnung zu vermitteln (16), nicht einer abstrakten Idee wegen. So zieht er durch Städte. In Jericho will er ausgerechnet im Haus des Oberzöllners einkehren (17). Das kann so verstanden werden, dass Jesus durchaus eine Strategie vor Augen hat: Er will Zeichen setzen, die stadtweit wahrgenommen werden (der Zöllner gibt allen, die er erpresst hat, das Vielfache zurück), Städte transformieren durch Wandlung führender Persönlichkeiten, die ihn als Autorität annehmen und nach seinen Werten leben.
Tag der Entscheidung
Als ein Mann vom Lande hat Jesus schliesslich ein Ziel: in Jerusalem anzukommen, „der Stadt des grossen Königs“ (18). Dort spitzt sich der Konflikt zu, nachdem er, auf einem Esel sitzend, in die Stadt eingeritten ist (19). Dieser Besuch von Jesus ist eine „Heimsuchung“, eine Provokation: Gott fordert die Stadt heraus, sich zu entscheiden – für oder gegen ihn. Er hat ihr ja die Botschaft des Heils durch Jesus oft genug angetragen. Schweren Herzens blickt Jesus auf die Stadt, weint gar über sie. Denn er spürt, dass sie nicht wahrhaben will, dass es um ihre Zukunft geht (20). Sie ist daran, den abzulehnen, der sie zu ihrem Gott zurückruft.
(1) Die Bibel, Lukas, Kapitel 4, Verse 1-14
(2) Darüber staunen die Theologen in Jerusalem, wie der 12-Jährige mit ihnen diskutiert, Lukas 2,47.
(3) Matthäus 7,28; Johannes 6,60
(4) Lukas 4,28f
(5) Markus 2,1
(6) Markus 1,45; Matthäus 9,35
(7) Johannes 7,14
(8) Darüber berichtet der Evangelist Johannes ausführlich, Kapitel 5-10.
(9) „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen…“, klagt Jesus, Lukas 13,34.
(10) Lukas 9,56
(11) nämlich in Familien, Lukas 12,51.
(12) Matthäus 14,13
(13) Lukas 7,36
(14) Dem Kaiser soll die Steuer entrichtet werden, Matthäus 22,21. Doch stellt sich Jesus in die Tradition Johannes des Täufers, der die Mächtigen herausforderte, Matthäus 3,7ff; 11,11f.
(15) Matthäus 11,20-24
(16) Darum laufen sie ihm nach, Markus 6,33.
(17) Lukas 19,5
(18) Matthäus 5,35; Lukas 9,51
(19) Lukas 19,35ff – er präsentiert sich damit als Friedens-König, in Erfüllung dessen, was einst der Prophet Sacharja voraussagte, 9,9.
(20) Lukas 19,41-44, daher 21,6.
Super, dass du auf diese Seite gelangt bist. Vielleicht hast du ziellos herumgesurft. Vielleicht hast du «gegoogelt». Wer du auch bist, ich ermutige...