Zweifellos gehört Jesus zu den bedeutendsten religiösen Lehrern. Viele
Gurus und charismatische Führer vermitteln ihren Anhängern
Glücksgefühle, lassen sie abheben und idealisieren sie, um sie auf Dauer
an sich zu binden. Es spricht für Jesus, dass er Gefolgsleuten nicht
schmeichelt und durchwegs Klartext redet.
Jesus spricht: «Ja, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Reich Gottes»
Ein Mann aus dem Volk bittet Jesus, ihm im Erbgang bei seinem Bruder Recht zu verschaffen. Jesus lehnt ab: «Wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?» Die Umstehenden warnt er: «Hütet euch vor jeder Art Habgier!» Auch die Reichen, sagt er, leben nicht von ihrem Vermögen. Für seine vertrauten Freunde hat er eine noch anspruchsvollere Lektion: «Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht verschleissen: einen unerschöpflichen Schatz im Himmel!» (Die Bibel, Lukasevangelium, Kapitel 12, Verse13-34).
Raus aus der Komfortzone
Jesus wirbt um die Menschen – billig oder gar gratis ist die Nachfolge nicht zu haben. Wer mit Jesus auf den Weg gehen will, hat auch kostspielige Schritte zu tun. Für Begeisterte hebt Jesus die Eintrittsschwelle an; jenen, die über seine Wunder staunen und neugierig sind, gibt er zu denken. Sie hören den happigen Satz: «Wer zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern und dazu auch sein eigenes Leben hasst, kann nicht mein Jünger sein» (Lukas 14,26). Die Trennung von der vertrauten Umgebung und die Verachtung der Leute sind in Kauf zu nehmen. Jeder soll die Kosten des Wegs mit Jesus vorweg überschlagen – wie ein Herrscher, der einen Krieg plant, wie ein Bauherr, der einen Turm errichten will (Lukas 14, 28-33).
Halbheiten bringen nicht weiter
In allem geht es Jesus um ungeteilten, ganzen Einsatz. Religiöse Halbheiten, ein Sowohl-Als-auch und verdeckte Motive weist er ab. Vor allem soll sich ihm keiner anschliessen, dem es eigentlich ums Geld oder um Macht geht oder der sich sein Polster, seine Komfortzone erhalten will. «Kein Knecht kann zwei Herren dienen… Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon» (Lukas 16,13). Noch schärfer gibt sich Jesus im Gespräch mit einem Reichen: «Wie schwer kommen die Begüterten ins Reich Gottes! Ja, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Reich Gottes» (Lukas 18,24,25).
Zugeben – vergeben
Der Weisheitslehrer aus Nazareth ist bemüht, Menschen von ihren Holzwegen und Sackgassen auf einen guten Weg zu bringen. Das schliesst entschlossene Korrekturen ein. Die Gemeinschaft seiner Nachfolger ist keine Halleluja-Truppe, in der man über Verfehlungen salopp hinwegsehen soll. «Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er umkehrt, so vergibt ihm» (Lukas 17,3). Das Einfachste ist das Vergeben nicht – es soll, wenn einer sich ständig verfehlt, siebenmal am Tag geschehen!
Wow! Gottes Reich – jetzt
Vom Beginn seines öffentlichen Wirkens an hat Jesus das Reich Gottes gepredigt: dass Gott selbst unter den Menschen gegenwärtig ist, sie an seiner segensreichen Herrschaft teilhaben lässt, sie einspannt, damit die Welt sich in seinem Sinn verändert. Auch wenn die festen Anhänger eine kleine Schar sind, sollen sie nicht an Gottes Macht zweifeln: «Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben» (Lukas 12,32).
Den Pharisäern, den selbstgerechten Superfrommen seiner Zeit, macht er klar, dass dieses Reich bereits «mitten unter» ihnen ist. Seine eigenen Anhänger erinnert er hingegen daran, dass sie einen langen Atem brauchen: «Es werden Tage kommen, da werdet ihr danach verlangen, auch nur einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen» (Lukas 17, 20-25). Damit diese Spannung sie nicht erschöpft, damit die Batterien nicht leer werden, sollen sie ständig beten und dabei nicht nachlassen (Lukas 18,1).
Lohnt es sich?
Lohnt sich das Ganze, wenn man so viel zurücklassen muss? Wir haben es getan, sagt Petrus, der Sprecher der Jünger, was haben wir denn davon? Jesus macht in seiner Antwort deutlich, dass es sich jedenfalls lohnt, alles für ihn einzusetzen: «Amen, ich sage euch, da ist keiner, der um des Reiches Gottes willen Haus, Frau, Geschwister, Eltern oder Kinder verlassen hat und nicht ein Vielfaches wieder empfängt hier in dieser Zeit und in der kommenden Welt ewiges Leben» (Lukas 18, 29-30). In einer auf starke Erlebnisse und Instant-Genüsse fixierten Kultur ist dies ein Kontrast-Angebot. Eines, das schon jetzt Lohn verheisst, und gekrönt wird von – ewigem Leben.
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...