Jesus als Vorbild (4): Ein grosses Herz für die Menschen

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Der Wanderprediger und Heiler Jesus von Nazareth zieht Menschen in Massen an. Seine Worte und seine Wundertaten beschäftigen sie so sehr, dass sie ihren Alltag vergessen und bloss noch eines wollen: bei ihm bleiben, zuhören und staunen. So bewegt sich oft eine grosse Traube von Menschen über die staubigen Wege Galiläas – eine Geduldsprobe nach der anderen für den Rabbi.

Doch er scheint damit zurechtzukommen. Wenn er sich anhört, was die Menschen beschäftigt, und sie segnet, wird er nicht fertig. Arme und Arbeitslose umlagern ihn. Er gibt Weisung für schwierige Lebenssituationen und legt Hände auf. Am einem Abend – er hat manche geheilt und stundenlang gelehrt – haben sie zwar viel zu verdauen, aber nichts im Magen.

Die Jünger, der engste Kreis seiner Gefolgsleute, wollen die Leute wegschicken, damit sie sich in den umliegenden Dörfern Nahrung kaufen. „Nein, das ist nicht nötig“, sagt Jesus, „gebt ihr ihnen zu essen!“ Sie blicken sich an – absolut ratlos (Matthäus 14,16). Wie denn? Jesus weiss wie. Die Brote und Fische, die sie bei einem Knaben finden, vervielfältigt er, nachdem er Gott im Himmel für sie gedankt hat – und alle kriegen genug zu essen!

Die zwölf Jünger sonnen sich in der Popularität ihres Rabbi. Doch Jesus hat sie nicht dazu berufen. So viel Geduld er mit den Hilfesuchenden hat – so deutlich wird er ihnen gegenüber. Sie haben von ihm Vollmacht zu heilen übertragen erhalten, bei einem Knaben mit schweren epileptischen Anfällen versagt ihre Heilerkraft - sie sind machtlos.

Jesus kommt herzu und ruft aus: „Was seid ihr doch für eine verkehrte Generation, die Gott nichts zutraut! Wie lange soll ich noch bei euch aushalten und euch ertragen?“ (17,17) An diesem Punkt wird deutlich, dass die Geduld von Jesus Grenzen hat. Jesus lebt im festen Vertrauen zum Vater im Himmel, und diesen Glauben – mindestens im Keimstadium – erwartet er auch von seinen Gefolgsleuten.

Wenn jemand sich mit offenem Herzen an ihn wendet, ist er ganz Ohr. Auch Johannes der Täufer, der inzwischen verhaftete Bussprediger vom Jordan, wird nicht abgekanzelt, obwohl er an Jesus und seiner Sendung als Messias zweifelt (11,4.5). Seine Mutter Maria allerdings und seine Brüder müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Gemeinschaft von denen, die Gottes Worte tun, an die Stelle seiner Herkunftsfamilie getreten ist (12,49.50).

Jesus lässt die Not der Menschen an sich herankommen, ohne sich abzuwenden oder sie zu verurteilen. Er ist geduldig, weil Gott im Himmel überaus grosszügig ist. Dies zeigt sich in der drastischen Gleichnisgeschichte des Herrschers, der einem Mega-Schuldner alles erlässt, weil dieser ihn anfleht, Geduld zu haben (18,26).

Das Gute braucht Zeit, um sich zu entfalten. Das Beste erst recht. Jesus vergleicht einmal die Herrschaft Gottes, die er verkündigt und ins Werk setzt, mit einem winzigen Senfkorn. Vorerst wird daraus ein unscheinbares Pflänzchen. Doch später wächst es zu einem grossen Baum heran.

Im Vertrauen darauf, dass Gott mit allem zum Ziel kommt, übt Jesus Geduld. Und geht seinen Weg, aktiv, beharrlich. So kommt er ans Ziel, Gottes Willen ganz zu tun: durch sein Wirken, auch durch sein Sterben und das Auferstehen von den Toten.

Zur Artikelserie:
Jesus als Vorbild (1): Freude am Leben – und Sehnsucht nach mehr
Jesus als Vorbild (2): Er liebt die Menschen
Jesus als Vorbild (3): Friedensstifter in unruhiger Zeit
Jesus als Vorbild (5): Die Freundlichkeit Gottes in Person
Jesus als Vorbild (6): Jetzt können Versager hoffen
Jesus als Vorbild (7): Kraftvoll und gelassen
Jesus als Vorbild (8): Der Mann, der aneckt, weil er das Gute will
Jesus als Vorbild (9): Ein Diener, der alles auf den Kopf stellt
Jesus als Vorbild (10): König der Herzen
Jesus als Vorbild (11): Perspektiven für ein gelingendes Leben


Quelle: Jesus.ch

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