Jesus als Vorbild (7): Kraftvoll und gelassen

Die Menschen scharen sich um ihn, hangen an seinen Lippen. In Galiläa und rund um den See Genezareth ist der Mann aus Nazareth der Held, der Liebling der Massen. Er fasziniert sie als Wundertäter, aber auch als der Prediger, der frömmelnden, rechthaberischen Gelehrten pointenreich Paroli bietet.

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Was macht Jesus mit seiner Macht, die er über die Leute hat? Braut sich da eine revolutionäre Volksbewegung zusammen, ein Aufstand gegen die Römer? Nein, Jesus macht klar, dass er nicht den bewaffneten Kampf will. Seine Revolution geht tiefer.

Er spricht wohl von Streit und Auseinandersetzungen – aber nicht um die Macht im Land, sondern unter Geschwistern, in der Familie. Nicht wegen Besitz und Macht kommt es zu Spannungen, sondern wegen seiner Botschaft, die die Menschen herausnimmt aus ihren Gemeinschaften, die sie für Gottes Sache in Pflicht nimmt und neue, ungewohnte nicht-familiäre Wege führt.

Eines wird allen klar, die ihm zuhören und sein Wirken erleben: Die blutige Gewalt der Schwerter, wie sie die Besatzungsmacht der Römer und ihrer Vasallen vorführt, lehnt Jesus ab. So trifft ihn auch eine Nachricht ganz besonders: Johannes der Täufer, der grosse Bussprediger, ist von Herodes enthauptet worden. Dessen Frau hat sich an ihm dafür gerächt, dass er Herodes’ Ehebruch mit ihr öffentlich geisselte.

Jesus will nicht mehr reden in diesem Moment. Erschüttert steigt er in ein Boot und fährt weg über den See, in die Stille – allein. Ihm wird tiefer bewusst, wie schwer, wie steinig und schmerzhaft sein eigener Weg wird. Und doch geht er ihn weiter.

Er lädt seine Freunde ein, mitzukommen auf diesen Weg der Sanftmut, der ruhigen, kraftvollen Gewaltlosigkeit. Er hat ihnen gesagt, dass jene, die so leben, durch Gottes Eingreifen das Land besitzen werden. So wehrt er ihrem Übereifer, wie sie den Widerstand gegen die neue Botschaft mit Gewalt brechen und Feuer auf ein abweisendes Dorf herabrufen wollen. Er schickt sie zu zweit auf eine Predigttour. Da haben sie dem Widerstand nichts entgegenzusetzen als Geduld und Freundlichkeit – und müssen sich zurückziehen, wenn sie abgelehnt werden.

In den Spannungen verliert Jesus die Nerven nicht. Er bleibt gelassen und froh. Er preist den Vater, den Herrn des Himmels und der Erde, dafür, dass er seine Herrschaft auf so unfassbare Weise aufrichtet – und dass die Verheissungen für diese Herrschaft in seiner Person zum Tragen kommen: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“ (Matthäus 11,27).

In diesem Zusammenhang fordert Jesus seine Freunde auf, bei ihm zur Ruhe zu kommen. Alle, die vom Tragen ihrer Lasten im Leben erschöpft sind, sollen kommen. Was Jesus als Last trägt – er spricht von einem Joch –, ist leichter; dieses Joch sollen sie auf sich nehmen. Auf dem Weg der Gewaltlosigkeit, im festen Vertrauen darauf, dass Gott den Durchbruch zur richtigen Zeit schenkt, sollen sie weiter gehen. „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“, sagt Jesus (11,29). „Wenn ihr diese Haltung von mir lernt und einübt, werdet ihr innere Ruhe gewinnen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Mit unerhörter Gelassenheit und innerer Kraft geht Jesus seinen Weg, ohne sich den Menschen aufzudrängen oder in Hast zu geraten. Er ist unterwegs. Er weiss: Gott wird ihn ans Ziel bringen.

Zur Artikelserie:
Jesus als Vorbild (1): Freude am Leben – und Sehnsucht nach mehr
Jesus als Vorbild (2): Er liebt die Menschen
Jesus als Vorbild (3): Friedensstifter in unruhiger Zeit
Jesus als Vorbild (4): Ein grosses Herz für die Menschen
Jesus als Vorbild (5): Die Freundlichkeit Gottes in Person
Jesus als Vorbild (6): Jetzt können Versager hoffen
Jesus als Vorbild (8): Der Mann, der aneckt, weil er das Gute will
Jesus als Vorbild (9): Ein Diener, der alles auf den Kopf stellt
Jesus als Vorbild (10): König der Herzen
Jesus als Vorbild (11): Perspektiven für ein gelingendes Leben


Quelle: Jesus.ch

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