In Liechtenstein gibt es nur eine Freikirche: die Freie evangelische Gemeinde (FEG) in Schaan. Ihr Lokal liegt im Untergeschoss eines Möbelhauses. Aber ihre Aktivitäten werden zunehmend wahrgenommen – auch vom Fürstenhaus.
Liechtenstein ist ein kleines Land, das aber immer wieder mal für Aufsehen sorgt. 1936 war das Land erstmals an den Olympischen Spielen vertreten. Im Fussball trotzte man bei der letzten WM-Qualifikation dem EM-Zweiten Portugal (2:2) und auch Slowenien (0:0) ein Unentschieden ab. Ski-Ass Marco Büchel holt Medaillen im Multipack. – Liechtenstein ist ein Land mit Nationalstolz.
Und Liechtenstein hat auch eine Freikirche: die FEG in Schaan. «Wir sind eine Gemeinde für die Menschen in Liechtenstein», sagt Stefan Lanz-Oehry. Der Theologe ist für ein Jahr Praktikant bei der FEG Schaan. Wir sprachen mit ihm über die einzige Freikirche des Landes.
Livenet: Herr Lanz, was ist bei einem Gottesdienst in Liechtenstein anders? Stefan Lanz-Oehry: Die Gottesdienste sind ähnlich wie in der Schweiz. Aber die Situation ist anders, da Liechtenstein stark katholisch geprägt ist. Wir sind eine eher kleine Gruppe und haben uns im Keller eines Möbelhauses eingemietet, aber durch die Fenster fällt Tageslicht. Im
Weihnachten im Schuhkarton – die FEG Liechtenstein sammelte 500 Pakete.
Gottesdienst sprechen wir «liechtensteinisch». Das ist, genau genommen, eine Mischung aus Rheintaler-Deutsch und Vorarlbergisch; manche sagen, es klinge wie Bündnerdeutsch.
Liechtenstein hat einen Fürsten. Hat er schon mal einen Gottesdienst der FEG besucht?
Nein. Aber im September sammelten wir Geschenkpakete für die Aktion «Weihnachten im Schuhkarton». Da war die Erbprinzessin von und zu Liechtenstein Schirmherrin. Sie hat auch selber zwei Pakete zusammengestellt. Später schrieb sie, dass ihr die Aktion gefallen habe. Das ist eine erfreuliche Beziehung zum Fürstenhaus. Insgesamt kamen rund 500 Pakete zusammen – also sehr viel für so ein kleines Land!
Liechtenstein hat 35 000 Einwohner. Da ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ein Spieler des nationalen Fussballteams in Ihre Gemeinde geht...
Zwei Kids der Jungschar basteln für die Weihnachtsaktion.
Wir haben keinen bekannten Sportler in unserer Gemeinde. Aber beim FC Vaduz spielt jemand, von dem ich vermute, dass er bewusster Christ ist. Wir hatten aber noch keinen Kontakt zu dem Mann.
Was ist in Eurer Gemeinde besonders?
Wir haben eine Frauenarbeit namens «Lea»; das steht für «lebendig – ehrlich – aktuell». Diese Gruppe organisiert pro Jahr drei bis vier Vorträge zu aktuellen Themen. Diese Referate sind gut besucht.
Wie werdet Ihr wahrgenommen?
Besser als früher. Vor 20 Jahren stellte man uns in die Sektenecke. Dort ordnete man beinahe auch die evangelische Landeskirche ein – aus katholischer Sicht. Wegen Erzbischof Haas spalteten sich die Katholiken vor etwa zehn Jahren. Die beiden Parteien entfernten sich dann voneinander. Inzwischen machen sich die Leute mehr Gedanken darüber, was eine Freikirche ist und was eine offizielle Kirche.
Früher druckten die Zeitungen beispielsweise nicht einmal das Programm unserer Jungschar ab. Heute steht dieses Programm in den beiden Zeitungen des Landes im Gottesdienstkalender. Auch über unsere Aktion «Weihnachten im Schuhkarton» wurde berichtet. Das hat Schwellenängste abgebaut.
Wie versucht Ihr, die Menschen zu erreichen?
Kreativ: Familien-Gottesdienst an Weihnachten.
Seit 20 Jahren kommt eine Gruppe aus Deutschland und verteilt einen Abreisskalender. Seit kurzem gibt es auch einen Einladungsabend. Ein ehemaliger Schweizer Gardist erzählte aus seinem Leben. Das passte gut, weil die Schweizer Garde da gerade 500 Jahre alt wurde. Mit 75 Leuten war der Abend sehr gut besucht.
Die FEG Liechtenstein in Zahlen
Gegründet: 1988, vorher Gottesdienste im Wohnzimmer. Mitglieder: 15 Mitglieder und rund 40 Gottesdienstbesucher. Aber die Gemeinde wächst; ganze Familien kommen neu dazu. Mitarbeiter: Alle 15 Mitglieder arbeiten mit. Angestellt ist ein Praktikant für ein Jahr. Missionare: Keine aus der eigenen Gemeinde. Eine Person machte einen Kurzeinsatz; andere sind am Überlegen. In bescheidenem Rahmen werden auswärtige Missionare unterstützt. Situation in Liechtenstein: Hier gab es nie Reformation. Schweizer Fabrikarbeiter gründeten vor längerer Zeit eine Gebetsgruppe. Viele Menschen sind heute nur noch auf dem Papier katholisch, ähnlich wie in der Innerschweiz.
Die FEG Schaan (Liechtenstein) ist aktiv – hier zwei Jugendliche beim Basteln.
Aktivitäten: Frauentreff LEA, seit 1990 Jungschar, Einladungsabend. Andere Gemeinde in der Gegend: FEG Buchs. Der Prediger begleitet den jeweiligen Praktikanten. FEG Sargans; einzelne Kontakte zur Volksmission Feldkirch sowie zur FEG Altstetten. Zusammenarbeit mit der FEG-Jungschar Landquart. Bis vor zehn Jahren gab es in Liechtenstein auch eine Pfingstgemeinde.
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...