"Spiegel": Benedikt XVI. unterschätzte globale Mediengesellschaft

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Protestkundgebung nach dem Zitat des Papstes.
Der durch die Regensburger Vorlesung des Papstes ausgelöste Konflikt war nach Ansicht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vor allem Folge einer Fehleinschätzung der globalen Mediengesellschaft.

Der Papst habe die "explosive Kraft des Wortes" in diesem Umfeld unterschätzt, heisst es in einem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht des Magazins. Zum "Medien-GAU" sei es "durch die Unbeholfenheit des gerade umbesetzten Presseamts im Vatikan" gekommen. Zudem habe "im Hofstaat" eine Person gefehlt, "die im Notfall den Mut hat, auch einen Papst vor Irrtümern zu warnen".

Benedikt XVI., vermutet der "Spiegel", habe "keinen Kreuzzug beginnen", aber die Debatte ein wenig vorantreiben wollen. Auch in der später überarbeiteten, amtlichen Version der Rede habe er sich lediglich von der Polemik seines umstrittenen Zitats über Mohammed distanziert, nicht aber vom Inhalt. Die Wirkung dieses Zitats habe er aber nicht vorausgesehen.

Zusammengezuckt

Auch die unmittelbaren Hörer der Vorlesung, zitiert das Blatt die Einschätzung des langjährigen Vatikan-Sprechers Joaquin Navarro-Valls, hätten sie nicht so verstanden, wie sie später dargestellt worden sei. Es sei ein grossartiger Text gewesen, den "einige Agenturen" mit einer irreführenden Verpackung übermittelt hätten.

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sei allerdings, heisst es weiter, bei dem Zitat innerlich zusammengezuckt und habe gedacht: "Das gibt Ärger." Unter Johannes Paul II. sei noch jeder Redetext von mindestens zwei Personen durchgesehen worden, dem "Cheftheologen" und dem Substituten des Staatssekretariats.

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Der Papst hat sein Bedauern ausgedrückt.
Benedikt XVI. habe dieses Verfahren abgeschafft. Die Regensburger Rede habe das Staatssekretariat erst am Tag vor der Abreise des Papstes nach München erhalten.

"Medialer Tsunami"

Einige Journalisten, die den Text am Tag der Vorlesung vorab erhielten, erkannten nach Darstellung des "Spiegels" aber sogleich dessen Brisanz. Der darauf angesprochene Vatikansprecher Federico Lombardi habe dazu erklärt, der Papst wolle gewiss keine Lektion erteilen, wonach der Islam als gewalttätig verstanden werden müsse.

Einige Redaktionen hätten unterdessen bereits Muslime befragt, was sie von dem Zitat hielten. In italienischen Morgenzeitungen sei kommentiert worden, dass eine "Fatwa gegen Benedikt XVI." nicht auszuschliessen sei. Die "New York Times" habe in den Worten des Papstes eine Sprache entdeckt, "die Moslems entflammen lassen könnte".

Erst am darauf folgenden Tag sei durch die Meldung, dass in der Türkei Grossmufti Ali Bardakoglu – der den Redetext zu diesem Zeitpunkt nach späteren eigenen Angaben noch gar nicht gelesen hatte – gegen die angeblich "feindselige Haltung" des Papstes protestiert habe, ein "medialer Tsunami" ausgelöst worden. Noch am Abend habe Lombardi eine Richtigstellung verschickt, doch es sei längst zu spät gewesen, heisst es im "Spiegel".

Datum: 21.11.2006
Quelle: Kipa

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