Der Teilchenbeschleuniger LHC bei Genf hat einen neuen Hitzerekord aufgestellt: zehn Milliarden Grad heisse Mikro-Feuerbälle – eine Million Mal heisser als das Zentrum der Sonne. Viele machen sich darüber Sorgen. Zu Recht?
Der Teilchenbeschleuniger LHC.
Die Physiker am Kernforschungszentrum CERN liessen subatomare Blei-Atomkerne zusammenprallen und erzeugten damit eine unvorstellbare Hitze. Dies seien «die höchsten Temperaturen und grössten Dichten, die jemals in einem Experiment erreicht worden sind», sagte David Evans von der Universität Birmingham, der am Alice-Detektor des LHC arbeitet.
Von dem «Mini-Urknall» erhoffen sich die Forscher Einblicke in die ersten Mikrosekunden des Universums. «Wir sind begeistert von diesem Erfolg», jubelte Evans. «Ich freue mich darauf, ein kleines Stückchen von dem zu erforschen, woraus das Universum eine Millionstel Sekunde nach dem Urknall bestand.»
Urknall-Maschine gefährlich?
Unter grössten Erwartungen war der gigantische Teilchenbeschleuniger mit der 27 Kilometer langen Röhre in Betrieb gegangen. Am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf soll er die Entstehung des Universums simulieren. Über Sinn, Unsinn und mögliche Gefahren des teuren Experiments ist jedoch unter Physikern ein erbitterter Streit.
Schon nach neun Tagen legte ein ohrenbetäubender Knall die Anlage lahm. Eine gewaltige Druckwelle zerfetzte einen Teil der Vakuumröhre und beschädigte 40 der insgesamt 1232 LKW-grossen Magneten.
Kurioser Zwischenfall
Nach der Reparatur leuchteten die Alarmlampen beim Hochfahren erneut auf. Auch diesmal spielte das Kühlsystem verrückt. Dieser Störfall verlief zwar glimpflicher, offenbarte allerdings die Verwundbarkeit der drei Milliarden Euro teuren Anlage. Waren es zuvor gravierende technische Probleme, so sorgte diesmal ein einfaches Stück Baguette dafür, dass sich eine Kühleinheit der sogenannten «Gottesmaschine» überhitzte. Wahrscheinlich wurde das Stück Weissbrot von einem Vogel in die Anlage gebracht.
Globe of Science and Innovation auf dem CERN-Gelände. (Foto: Adam Nieman, Flickr)
Technik beherrschbar?
Angesichts all dieser Pannen ist eine Sicherheitsdebatte entbrannt, die Physiker in der ganzen Welt entzweit. Die einen stehen hinter dem aufwendigsten Experiment aller Zeiten, das entschlüsseln soll, «was die Welt im Innersten zusammenhält» (Goethe). Andere Physiker befürchten, dass der Schuss nach hinten losgeht.
Die enorm hohen Energiespitzen gefährdeten den ganzen Kosmos, warnen sie. Im Erdinneren könnte sich ein kleines Schwarzes Loch einnisten, das sich nicht mehr beherrschen liesse. Dafür hat der international bekannte Tübinger Chaosforscher Otto E. Rössler eine 15-prozentige Wahrscheinlichkeit errechnet.
Einen Super-GAU sieht der Wiener Philosoph Markus Goritschnig auf die Menschheit zukommen. Er hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einen Eilantrag auf Einstellung des Experiments eingereicht. Der modernen Beschleunigertechnologie fehlten standardisierte Risikoabschätzungen, was «eine Gefährdung der Allgemeinheit darstellt», argumentiert er.
Das bringt die Erbauer des Beschleunigerrings nicht aus der Ruhe. Mikroskopisch kleine Schwarze Löcher stellten keine Gefahr dar, erklärt Cern-Physiker Rolf Landua.
«Seit Milliarden Jahren treffen hochenergetische Protonen und andere Teilchen auf die Erdatmosphäre», erläutert er. «Viele dieser Teilchen erzeugen Kollisionen mit Energien weit oberhalb dessen, was im LHC erreicht werden kann.» Dieses natürliche Dauerbombardement habe die Erde seit ihrer Entstehung unversehrt überstanden.
Kommentar: Gott lässt es nicht zu
Wir kennen weit grössere Gefahren. 1962 beispielsweise stand die Welt am Rand eines totalen Atomkrieges. Die Gefahr wurde abgewendet. Ich denke, dass Gott seine schützende Hand über die Menschen hält, auch wenn man mit solchen Urknall-Experimenten in sein eigentliches Handwerk pfuscht.
Wir müssen damit leben, dass wir Tag für Tag von anonymen Gefahren bedroht sind, ohne eine Chance, uns davor zu schützen. Die Angst vor einem weltweiten Atomkrieg ist zwar im Moment nicht mehr akut, doch der Gedanke, dass von U-Booten aus jederzeit Atomraketen gestartet werden könnten, ist doch sehr unangenehm.
Die grösste Gefahr für den Globus liegt im Missbrauch der menschlichen Willensfreiheit. Diese Freiheit gewährt Gott auch der Wissenschaft, und er schreitet fast nie ein, wenn die Menschen diese ihre Freiheit missbrauchen. Gott lässt viel zu. Wenn aber die ganze Welt vom Untergang bedroht wäre, dann handelt er – irgendwie. Wenn schon ein Vogel das CERN ausser Gefecht setzen konnte, dann wird es wohl auch Gott schaffen, falls es nötig wird. Das beruhigt mich.
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...