Helfer in Not

«Ich kann nicht nein sagen»

Es gibt Menschen, die sofort bereit sind, eine Aufgabe zu übernehmen oder anderen zu helfen. Für Kollegen und Freunde sind sie angenehme Zeitgenossen. Doch oft fühlen sich solche Helfer überfordert und ausgelaugt.
„Stop!“ – Wir müssen lernen, nein zu sagen. (Foto: Wikipedia / Carsten Wiemann)

Hilfsbereite Menschen können oft nur dann zu eine Bitte ausschlagen, wenn es gar nicht anders geht; zum Beispiel, wenn sie krank sind oder auf Reisen. Aber kann Hilfsbereitschaft wirklich ein Problem sein? Ist es nicht schön, wenn Menschen anderen gerne helfen?

Ja, natürlich. Schwierig wird es nur dann, wenn diese Mensch nicht mehr so weitermachen wollen oder auch nicht können wie bisher, weil sie unter starkem Druck leben oder erschöpft sind. Sie leiden unter den Folgen ihrer eigenen Hilfsbereitschaft.

Was läuft hier verkehrt?

Hier einige Ansätze zum Nachdenken.

  • Solche Helfertypen setzen das Wohl der anderen über das eigene. Manche haben ein besseres Gespür für die Nöte der anderen als für ihre eigenen Bedürfnisse.
  • Sie glauben, dass sie nur bei absolut zwingenden Gründen nein sagen dürfen.
  • Sie haben oft keinen Überblick darüber, was sonst noch an Aufgaben und Terminen ansteht. Das kann auch eine Folge mangelnder Selbstorganisation sein.
  • Sie haben oft keine realistische Sicht von dem, was sie leisten und bewältigen können. Sie laden sich zuviel auf, weil sie ihre Grenzen nicht kennen.
  • Sie setzen die Freude am Helfen über alles, weil es ihnen Bestätigung und Anerkennung gibt.
  • Sie haben Angst vor Ablehnung, wenn sie zu jemanden, der sie um etwas bittet, «nein» sagen. Sie fürchten, dadurch die Beziehung zu gefährden. Diese Angst liegt aber zumeist nicht offen auf dem Tisch. Um sie zu entdecken, braucht es Zeit und einen Zugang zu den eigenen Motivationen und tiefer liegenden Gefühlen.

Treffen eine oder mehrere dieser Beschreibungen auf Sie zu?

Jesus war nicht «allzeit bereit»

Jesus, der Sohn Gottes, zeigte mit seinem ganzen Leben, was es heisst, andere Menschen anzunehmen und ihnen zu helfen. Doch nicht einmal er war jederzeit verfügbar. Er nahm sich Zeit für seine engsten Mitarbeiter. Währenddem konnte er sich nicht mit all’ den anderen Menschen befassen, die seine Worte und Heilung ersehnten. Und schliesslich: Jesus nahm sich auch Zeiten, in denen er alleine war, in denen er ausruhte oder betete.

Es gibt einige Berichte in der Bibel, die zeigen, dass Jesus nicht jeder Bitte gleich gefolgt war. Eine eindrückliche Begebenheiten ist die, als Jesus zu seinem kranken Freund Lazarus gerufen wurde. Doch Jesus lässt sich Zeit und wartet ganze zwei Tage, bis er sich auf den Weg macht. Als er dann – endlich – zu Lazarus kommt, ist der inzwischen gestorben. (Die Bibel, Johannes-Evangelium, Kapitel 13, Verse 42-44)

Diese Begebenheit endete dennoch glücklich, weil Jesus Lazarus wieder zum Leben erweckte. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Jesus sich damit Zeit. Er agierte und reagierte nicht nur.

Datum: 26.01.2011
Autor: Nobert Abt
Quelle: Livenet.ch

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