Folgeprobleme

Wie Internet-Abhängigkeit krank macht

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Hirnbiologie der Sexsucht
Ja, Internet-Sucht kann tatsächlich krank machen. Die Medizin unterscheidet dabei körperliche Schäden, psychosoziale Komplikationen und weitere Süchte oder psychische Schäden.

KÖRPERLICHE SCHÄDEN

Bei chronischem Gebrauch sind oftmals körperliche Schäden beobachtbar:
- Durch falsche Sitzhaltung können Verspannungen bis hin zu Wirbelsäulen- und Genickschäden auftreten.
- Das lange, ununterbrochene Starren auf den Bildschirm kann auf Dauer zu Schädigungen des Sehapparates führen.
- Langes Surfen kann zusätzlich Dauerstress verursachen, der sich in Form von Kopfschmerzen, Schlafstörungen und chronischer Anspannung ausprägen kann.
- Kreislauf- und Gewichtsprobleme können ebenfalls auftreten, sind aber individuell verschieden.

PSYCHOSOZIALE KOMPLIKATIONEN

- Hohe Telefon- bzw. Online-Kosten
- Realitätsverlust
- Scheitern menschlicher Beziehungen
- Soziale Isolation
- Arbeitslosigkeit und Verarmung

ZUSÄTZLICHE KOMPLIKATIONEN

Bei vielen Online-süchtigen Menschen sind folgende Probleme zu beobachten, z.T. chronisch oder aber in Krisenzeiten:
- Alkoholismus: Oft wird die innere Nervosität mit Alkohol gedämpft, aber auch der durch das Betrachten der Bilder erzeugte "Rausch" durch Alkohol unterstützt. Es kommt zu einer gegenseitigen Verstärkung der beiden Süchte.
- Gebrauch anderer schädlicher Substanzen (von aufputschenden Drogen, wie etwa Kokain, bis zum übermäßigen Gebrauch von potenzsteigernden Mitteln wie z.B. Viagra).
- Depressive Episoden: ausgelöst durch die negativen psychosozialen Konsequenzen oder das Zerbrechen einer Beziehung
- Suizidalität: In der Verzweiflung über die Ausweglosigkeit oder bei sozialen Konsequenzen.
- Zwanghaftes Kontrollieren: Online-Süchtige entwickeln z.T. komplexe Rituale, um ihre Sucht zu verheimlichen und sicherzustellen, dass ihre Umgebung nicht in ihren "geheimen Bereich" eindringen kann oder diesen per Zufall entdecken kann.
- Paranoides Denken: Die Angst vor Entdeckung und Beschämung führt dazu, dass hinter unbedeutenden Vorgängen eine persönliche Bedrohung vermutet wird. (Z.B. wenn ein Polizeiauto vorbeifährt: "Hoffentlich kommen sie nicht zu mir, um meinen Computer zu untersuchen"; z.B. wenn der Arbeitgeber ein Gespräch vereinbart: "Will er mich mit den Spuren meiner Internet-Aktivitäten in der letzten Woche konfrontieren? Ich habe zu wenig aufgepasst!")

MÄNNER UND FRAUEN

MÄNNER
…sind in erster Linie anfällig auf Pornografie im Internet. Sie beginnen meist mit "Erotik ", doch die Sucht nach dem Kick führt sie oft immer tiefer in harte Pornografie (vgl. S. 9). Aber auch im Chatroom gibt es jede Menge Angebote.
- "Kick" durch visuelle Reize.
- Sexuelle Erregung mit Masturbation.
- Sammlertrieb.
- Neigung zu vermehrter Gewalt / Demütigung.

FRAUEN
…suchen Kontakte, möchten der Einsamkeit entfliehen, in Tagträume der Romantik, die dann auch erotisch gefärbt sein kann.
- "Kick" durch Kommunikation (Chat).
- Romantische Geschichten und Bilder.
- Sexuelle Erregung erst sekundär.

Beispiel

Eine Frau berichtet: "Für mich war das Netz zuletzt mein Zuhause.
Ich bin kaum noch vor die Tür gegangen. Sogar meine Kommunikationspartner im Internet bemerkten, dass etwas nicht stimmte, weil ich wirklich ständig online war. Irgendwann fing ich an, mich dafür zu schämen und begann damit, mich beim Chatten zu tarnen.

Dazu die Frage: Wo überschreitet man die Grenze zur Sucht?
Antwort: Wenn Sie ihr soziales Umfeld völlig abbauen und zugleich feststellen, dass Ihnen dies unwichtig wird, dann ist es schon zu spät."
(aus einem Interview mit Gabriele Farke)

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Datum: 17.09.2004
Autor: Dr. med. Samuel Pfeifer
Quelle: Internetsucht

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