Gegenmittel

Schlafstörungen bei Depressionen

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Praktisch jede Depression geht mit Schlafstörungen einher. Gezielt verabreichte Medikamente können dieser Krankheit die Spitze brechen und dem Patienten zu neuer Ruhe verhelfen.

Oftmals ist das Einschlafen verzögert, und der Schlaf wird durch häufige Unruhe, manchmal auch durch schwere, angstbesetzte Träume gestört. Die Person wacht auf und hat Mühe, den Schlaf wiederzufinden. Frühes Erwachen, oft schon um drei oder vier Uhr, ist besonders kennzeichnend für eine endogene Depression.

Aber auch die sogenannte Schlafarchitektur, die Abfolge der verschiedenen Phasen, ist verändert: Es kommt zu weniger Tiefschlaf, und der REM-Schlaf wird in die erste Nachthälfte vorverschoben. Unruhige Träume sind die Folge. Ein depressives Mensch hat zudem mehr Stresshormone im Körper (insbesondere Cortisol), was wesentlich zur Schlafstörung beiträgt.

Aus einem Schlafprotokoll

„Um ein Uhr aufgewacht, hellwach, Schweiss, Herzklopfen, ca. um drei Uhr ein wenig beruhigt, jedoch nicht mehr richtig eingeschlafen. Ca. seit 3 – 4 Tagen erneut alles viel stärker. Schlafe gut ein, bin aber 1 – 3 Stunden später wieder wach. Schweiss, Herzklopfen, unruhig, leichtes Angstgefühl, spüre sehr starke Unruhe. Kein Entspannen im Kopf möglich, ewiger Druck und Anspannung im Kopf. Was plagt mich denn so?“ – Notizen einer depressiven Patientin

Hilfe mit Medikamenten

In der Behandlung von Depressionen ist es deshalb wichtig, am Anfang auch etwas gegen die Schlafstörungen zu geben, um wenigstens in diesem Bereich eine Linderung herbeizuführen.

Zu Beginn einer Depression können schlaffördernde Antidepressiva wie Trimipramin oder Mirtazapin verabreicht werden. Bei zunehmender Besserung gehen auch die Stresshormone zurück, und der Schlaf normalisiert sich. Die Wirkung eines Antidepressivums setzt nach ca. 10 Tagen ein.

Schlafmittel sind eine weitere Möglichkeit. Sie können grade am Anfang der Therapie den Leidensdruck deutlich vermindern und dem depressiven Patienten wenigstens in der Nacht eine Pause verschaffen. Man muss mit dem Schlafmittel aber zurückfahren, sobald das Antidepressivum greift.

Schlafentzug

Es erscheint beinahe paradox, dass bei manchen Depressionen ausgerechnet der Schlafentzug heilend wirken kann. Das gilt besonders bei so genannten saisonalen Depressionen, die regelmässig zur gleichen Zeit auftreten.

Bei stationärem Aufenthalt werden die Patienten zunächst über die mögliche Wirkung dieser Massnahme informiert. In der betreffenden Nacht halten sie sich durch Gespräche, Spiele oder durch gemeinsame Arbeiten wie Kuchenbacken wach. Am nächsten Tag nehmen sie am normalen Programm teil und dürfen erst wieder am Abend ins Bett gehen.

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Die Folgen sind erstaunlich: Nicht wenige Patienten erleben nach der durchwachten Nacht ein regelrechtes Hoch wie schon seit Wochen oder Monaten nicht mehr. Leider hält die Wirkung nur begrenzt an. Doch für manche Patienten ist schon die Erfahrung, dass sich der depressive Nebel überhaupt durchbrechen lässt, ein Grund für neue Hoffnung.

Schlafstörung und Psychose

Bei einer Psychose unterstehen das Denken und Fühlen nicht mehr der bewussten Kontrolle der Betreffenden. Sie verhalten sich auffällig, und die biologischen Rhythmen sind gestört. Zu den Psychosen gehören die schizophrenen Erkrankungen, die manischen Phasen bei manisch-depressiven Störungen sowie die entsprechenden Auffälligkeiten nach dem Konsum bestimmter Drogen oder Medikamente.

Bei manischen Phasen fühlen sich die Patienten besonders stark und vital und haben ein nur geringes Schlafbedürfnis. Gleichzeitig sind sie übermässig aktiv, oft ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer (z.B. lautes Radiohören mitten in der Nacht). Schizophrene Psychosen können auch zu einer Umkehrung des Tag-Nacht-Rhythmus führen.

Schlafstörungen nun zeigen recht sensibel an, dass die Erkrankung wieder stärker wird. Eine Behandlung mit Medikamente ist ratsam, so dass sich die betroffene Person zumindest in der Nacht gleichmässig erholen kann.

Dossierübersicht: www.schlaf.jesus.ch
Fragen & Beratung: www.lebenshilfe.jesus.ch


Autor: Samuel Pfeifer
Quelle: seminare-ps.net

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