Wenn vom `siebten Himmel` nur Scherben bleiben

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Glanzvolle Hochzeiten sind im Trend. Doch das gilt auch für die Ehescheidungen. Immer mehr und immer schneller wird der "siebte Himmel" einer glücklichen Ehe zur Hölle einer kaputten Beziehung. Was kann Ehen scheitern lassen? Und was bedeutet das für die Betroffenen und auch für die christliche Gemeinde? Fritz Wyss, Vorsteher des Schweizerischen Weissen Kreuzes und der Aktion "Helfen statt töten", macht sich Gedanken dazu.

Jährlich finden in der Schweiz über 15'000 Ehen vor dem Richter ihr Ende. Von diesem schwerwiegenden Entscheid sind etwa 13'000 unmündige Kinder betroffen. 80 Prozent der Scheidungen werden durch Frauen in die Wege geleitet. Das kann mit der Emanzipation, der besseren Berufsausbildung und der grösseren Unabhängigkeit der Frau in Verbindung gebracht werden. In 83 Prozent der Scheidungsverhandlungen werden die Kinder der Mutter zugesprochen. Erfasst sind dabei noch nicht die vielen Ehen, die nach aussen hin mehr oder weniger intakt erscheinen, aber innerlich schon längstens einen tiefen Riss erlitten haben. Das ist leider gerade auch unter Christen sehr oft der Fall. Denn viele verfallen der Meinung, dass es in einer christlichen Ehe doch keine unlösbaren Probleme geben sollte, und legen fremde Beratung und Hilfe als Schwäche und Unvermögen aus.

Was Ehen scheitern lässt
Woran scheitern heute so viele Ehen? Sind die Erwartungen unrealistisch? Überfordert ein perfektes Ehebild viele Ehen? Oder fehlt sogar ein klares Eheverständnis? Sind Konsumhaltung, Verweichlichung, Verantwortungs- und Bindungslosigkeit für die Eheunfähigkeit und das Scheitern vieler Ehen verantwortlich? Oder fehlt vielen Ehen das tragende Fundament? Lassen wir diese Fragen doch von zwei betroffenen Personen beantworten, die den Zerbruch ihrer Ehe durchlitten haben:

"In unserem Fall führten Eifersucht, Spannungen, Überforderung, gestaute Aggressionen, Ehe- und Vertrauensbruch zum Scheitern unserer Ehe."

"Als ich mit 21 Jahren zum ersten Mal Vater wurde, selber noch in der Entwicklungsphase vom Jugendlichen zum Erwachsenen, fand ich mich bereits voll in der Verantwortung, eine Familie zu ernähren und mich zu behaupten. Tägliche Belastungen und Überforderungen führten zum Riss unserer Beziehung und schliesslich zur Scheidung. Zudem fehlte unserer Ehe eindeutig das tragende Fundament, das uns in Jesus Christus gegeben ist und in einer Beziehung zu wahrer Liebe und Versöhnung befähigt."

Auch Kinder stark betroffen
Ehescheidungen werden allgemein verharmlost. Bei vielen Beratungsstellen geht es vorrangig um die Frage, wie möglichst schnell und billig geschieden werden kann. Ein christlicher Ehetherapeut stellt aber allen verharmlosenden Argumenten zum Trotz fest: "Ehescheidungen sind härter als bisher angenommen. Noch Jahre nach einer Scheidung rumort es im Seelenleben der Betroffenen." Mehrheitlich sind nicht nur Ehepartner, sondern auch Kinder von der Scheidung mitbetroffen. Ausser bei rechtlichen und materiellen Fragen stehen solche Kinder beim Auseinandergehen kaum im Blickfeld.

Öfters wird eine Trennung und Scheidung nach längeren Auseinandersetzungen zuerst als Befreiung empfunden. Eine frisch geschiedene Frau erwähnt: "Die erstickende Unterdrückung nahm ein Ende. Ich hatte wieder mehr Luft und konnte wieder atmen." Trotz diesem augenblicklichen Aufatmen holen sie die Realität des Zerbruches, der Schuldgefühle, der Einsamkeit sowie der Zukunftsängste ein. Eltern sollten dann ihren Kindern auch noch den Zerbruch ihrer Ehe erklären können, den sie meistens selber nicht verstehen, erklären und einordnen können.

Kinder stehen oft in der Mitte zwischen zwei Fronten, zwei Elternteilen, die einander anschuldigen und bekämpfen. Immer wieder kommt es vor, dass Kinder unter dem Eindruck stehen, dass sie persönlich die Ursache dieses Ehe-Lazarettes seien. Dazu gesellt sich der Verlust ihres Vorbildes. Hat ein Kind seinen Vater negativ erlebt, dann ist meistens auch sein Gott-Vater-Verständnis mitbetroffen. Wie soll es Gott als einen leibenden und gerechten Vater verstehen, wenn es von seinem leiblichen Vater verlassen worden ist?

Bedrückende Hypotheken
Der liebende Gott gibt keinen Menschen als hoffnungslosen Fall auf! Auch Geschiedenen gilt das Evangelium der heilenden und erneuernden Gnade Gottes. Trotz dieser Realität kämpfen viele Betroffene mit ihrer Vergangenheit:

Zerbruch, Verletzungen
Vorausgegangene Verletzungen, Kränkungen und Demütigungen hinterlassen oft tiefe Wunden. Selbstvorwürfe, Versagen und Schuld werden somit zu einer bedrückenden Hypothek.

Forderung - Überforderung
Die harte Arbeit der Vergangenheitsbewältigung wird von mehrfachen zusätzlichen Herausforderungen überschattet. 83 Prozent der geschiedenen Frauen übernehmen die Kinderbetreung und -erziehung im Alleingang. Zudem müssen 40 Prozent dieser Frauen und Mütter aus finanziellen Gründen einer ganztägigen Arbeitsstelle nachkommen. Um die 50 Prozent übernehmen eine Halbtagesstelle. Die auswärtige Arbeitsstelle wird für viele geschiedene Frauen nötig, weil ihre Ex-Männer ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen. Nach neueren Statistiken bezahlt ein Drittel der geschiedenen Männer den Unterhaltsbeitrag anstandslos und ein Drittel unregelmässig; das übrige Drittel drückt sich oder verreist ins Ausland. Trotz der Negativbilanz muss auch an die vielen Männer und Väter gedacht werden, die ihren weiteren Alltag in einer enormen Isolation und Einsamkeit verbringen. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass die Selbstmordrate der Geschiedenen recht hoch ist; bei den Männern dreimal höher als bei den Frauen.

Pharisäer oder Samariter?
Viele geschiedene Personen, die uns begegnen, erleben in ihrer christlichen Gemeinde eine grosse Verunsicherung und Verlegenheit. Nicht selten fühlen sich Gescheiterte umgangen, abgelehnt, ausgegrenzt und verurteilt. Leider begegnen viele Christen solch verwundeten und resignierten Personen nicht mit einem Samariter-, sondern mit einem Pharisäerverhalten. Auf solche Erfahrungen reagieren Verletzte sehr sensibel. Ein bewährter Seesorger rief einmal seiner Gemeinde von der Kanzel her zu: "Wir sollten unsere Gotteshäuser vermehrt mit dem Hinweis kennzeichnen, dass auch Ehebrecher willkommen sind!" Wenn doch unser Verhalten solch Verletzten gegenüber von dieser Gesinnung geprägt wäre!

Liebe in der Gemeinde
Wichtig ist, dass sich die christliche Gemeinde geschiedenen Personen gegenüber nicht durch Verlegenheit oder Pharisäismus verschliesst und abwendet, sondern Herzen und Türen in barmherziger Nächstenliebe weit auftut. Da stellt sich ganz praktisch die Frage: Wie kann die Gemeinde diesen einsamen und oft ausgegrenzten Menschen zur Familie werden? Wer lädt die alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind an den Familientisch ein? Welches Ehepaar und welche Familie nimmt sie mit zu einer gemeiname Sonntagswanderung und nimmt Anteil an ihren Erziehungs-, Rechts- oder Finanzfragen, die sie im Augenblick stark bewegen und herausfordern? Oder wo findet der geschiedene Mann und Vater ein Ohr, dem er seine Fragen und Nöte mitteilen, und einen Raum, wo er für einige Augenblicke seiner Einsamkeit entrinnen kann? Möge das Bekenntnis eines Ehepaares, das nach Ehebruch, Scheidung und Wiederheirat seine Gemeindeerfahrung mit folgendem Zeugnis weitergab, nicht eine Einzelerfahrung bleiben: "Als ein besonderes Geschenk erleben wir die Unterstützung und Ermutigung durch Glaubensgeschwister unserer Gemeinde. Wir müssen ihnen nichts vormachen und werden von ihnen trotz unserer Vergangenheit verstanden und geliebt. Wir haben wohl frühere Freunde verloren, fanden aber ein neues Beziehungsnetz, in dem wir viel Liebe erleben. Ohne dieses Aufgenommensein, trotz unserer Schwächen und Fehler, wären wir hoffnungslos überfordert!"

Mut zum Neuanfang
Auch wenn sich die Bibel klar gegen Ehebruch und Ehescheidung ausspricht, hat sie doch ein deutliches Ja für den bussfertigen Sünder, einen befreienden Zuspruch an gescheiterte und schuldbeladene Menschen. Der Erfahrungsbericht eines Ehepaares in der mittleren Lebenshälfte dürfte ähnlich Betroffenen Mut machen: "Das Entzweibrechen unserer Ehe war mit vielen Verletzungen verbunden. Fast täglich mussten Tiefschläge verkraftet werden. Beide sind wir damals fast daran zerbrochen. Nach dem Scheitern unserer ersten Ehen lebten ich und meine Freundin und ich während sieben Jahren im Konkubinat. Durch besondere Umstände ausgelöst, fanden wir dann beide zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Wir starteten zu einem Neuanfang unserer Beziehung, ordneten unser Verhältnis durch Heirat und fanden in Jesus das tragende Fundament unserer Ehe. Für uns beide gab und gibt es noch viel aufzuarbeiten. Immer wieder ertappen wir uns, wie wir erneut in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Gerade in diesem Versagen stellen wir jetzt aber den grossen, rettenden Unterschied fest. Die gegenseitige Vergebung befähigt uns zu einem befreienden 'Trotzdem'. Mit Gott wagen wir den Schritt in die weitere Zukunft, denn ihm ist nichts unmöglich!"

Ob diese konkrete Erfahrung der erneuernden Gnade nicht vielen, die einen Zerbruch in ihrer Ehe und Familie erlitten haben, Mut macht? Eine geschiedene Frau drückt ihren Neuanfang mit folgendem Bekenntnis aus: "Obwohl es eine schwierige Zeit für mich war, war es kein Ende. Gott hat mich auf wunderbare Weise getragen, mich und meine Kinder, und hat mir ein erfülltes Weiterleben als alleinstehende Frau und Mutter geschenkt!"

Datum: 24.06.2010
Autor: Fritz Wyss

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