Gebrochenes Vertrauen

Kann eine Beziehung nach dem Vertrauensbruch wieder aufleben?

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Vertrauen ist das Öl, das jede Partnerschaft am Laufen hält. Und so stehen die meisten Partnerschaften vor dem Aus, wenn durch Fehlverhalten das gegenseitige Vertrauen zerbrochen ist. Doch es gibt eine Alternative, sagt Ärztin und Theologin Carol Tanksley.

Kaum jemand rechnet wohl von Anfang an damit, dass eine Partnerschaft schieflaufen wird. Wir wünschen uns eine gelingende Beziehung. Und doch sind wir nur Menschen. Dass wir auch in der Beziehung Fehler machen und den anderen – bewusst oder unbewusst – verletzen, damit kann man fast rechnen. Bei kleineren Dingen ist es nicht ganz so schwierig, dem anderen zu vergeben und das Geschehene wegzustecken. Doch was geschieht, wenn mit einem Mal das Vertrauen wegbröckelt? Sei es durch einen Seitensprung oder andere Entscheidungen, die hinter dem Rücken des anderen getroffen wurden?

Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung, sei sie romantisch, geschäftlich, familiär oder freundschaftlich. Und wenn kein Vertrauen zwischen den zwei Parteien besteht, ist auch keine Beziehung möglich. Dies bedeutet für viele Partnerschaften das Aus. Gibt es eine Alternative? Kann das Vertrauen auch nach dem Bruch wiederhergestellt werden?

Für die Frauenärztin und Theologin

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Dr. Carol Tanksley
sind die anfälligsten Bereiche für einen Vertrauensbruch Geld, Abhängigkeit und Sex. Und im Gegensatz zur Liebe, die eine Entscheidung ist und freiwillig gegeben werden kann, muss Vertrauen verdient werden, so die Ärztin. Doch sie sieht durchaus Hoffnung, selbst wenn das Vertrauen komplett zerstört wurde – wenn beide Partner bereit sind, die folgenden sieben Dinge zu beachten und umzusetzen.

Ehrlichkeit

Komplette Ehrlichkeit gegenüber einem selbst, dem Partner und Gott. Wenn Sie derjenige sind, der den Fehler begangen hat, seien Sie ehrlich mit dem, was Sie getan haben und warum. Nehmen Sie auch die Gefühle wahr, die dies in Ihnen erzeugt haben, sei es Verlegenheit, Scham, Schuld, Angst oder Wut.

Wenn Sie derjenige sind, dem das Fehlverhalten angetan wurde, überlegen Sie ehrlich, ob etwas an Ihrem Verhalten Ihren Partner dazu gebracht hat, das Getane zu verstecken. Seien Sie auch ehrlich über Ihre Reaktion und welche Gefühle sie verspüren, Enttäuschung, Angst oder Wut.

Eingeständnis

Hier geht es darum, das Problem zuzugeben. Dazu gehören drei Teile:

  • Was Sie falsch gemacht haben: Dass Ihr Partner kein Interesse an Sex hatte, hat Sie nicht dazu gebracht, eine Affäre zu haben. Die Angst Ihres Partners zum Thema Geld hat Sie nicht dazu verursacht, es unbedacht auszugeben. Sie selbst haben das getan. Sie müssen die Verantwortung dafür übernehmen.
  • Was Ihre Mitschuld ist: Sie haben das Problem Ihres Partners nicht verursacht, aber Sie tragen eine Mitschuld. Vielleicht haben Sie etwas getan oder nicht getan, was Sie hätten tun sollen – das ist Ihre Mitschuld, selbst wenn es nur fünf Prozent des Problems ausmacht.
  • Das Problem: Lernen Sie, das Problem getrennt von Ihnen und Ihrem Partner zu sehen. Ihr Partner ist nicht der Feind, das Problem ist der Feind: gebrochenes Vertrauen, Spielsucht, die Affäre, etc. Bekämpfen Sie dies Seite an Seite mit Ihrem Partner.

Verpflichtung

Gegenüber dem Partner, Ihrer Ehe, Wachstum und gegenüber Gott. Vertrauen kann nicht schnell wiederaufgebaut werden und es braucht Verpflichtung beider Seiten, damit Gebrochenes heilen kann. Dies ist insbesondere an folgenden Punkten wichtig:

  • Liebe ausdrücken: Sie müssen vielleicht Ihren Partner immer wieder darum bitten, seine Liebe Ihnen gegenüber auszudrücken, und umgekehrt.
  • Vergebung: Vergebung ist ein Prozess. Sie müssen – vielleicht mehrmals – laut aussprechen «Vergib mir, dass ich…» oder «Ich vergebe dir, dass du…».
  • Transparenz: Verpflichten Sie sich dazu, alles mit Ihrem Partner zu teilen, selbst wenn Sie denken, dass es unwichtig ist. Verpflichten Sie sich, sich gegenseitig alles zu fragen, was Ihnen Bedenken macht und ehrlich zu antworten.
  • Wachstum: Sie wissen noch nicht alles, was Sie wissen sollten, Ihr Charakter ist noch nicht so, wie er sein sollte. Es braucht Zeit, neue Verhaltensmuster einzuüben – für Sie beide.

Sicherheit

Ihr Herz muss ein sicherer Ort sein, an dem Ihr Partner er selbst sein kann. Es braucht Zeit, bis er sich wieder sicher fühlt – geben Sie ihm diese Zeit.

Wenn Sie den Fehler begangen haben, bedeutet dies, dass Sie bereit sind zuzuhören, wie Ihr Verhalten Ihren Partner beeinträchtigt hat, egal wie schmerzhaft das sein kann. Hören Sie zu, immer wieder, ohne sich zu verteidigen.

Wenn Ihnen das Fehlverhalten angetan wurde, nehmen Sie Ihren Partner an, so wie er ist, und lieben Sie ihn trotz allem. Sie dürfen sich natürlich schützen, wenn Sie Gefahr empfinden. Aber vergrössern Sie die Wunde im anderen nicht unnötig.

Rechenschaft

Ohne Rechenschaft kann kein Vertrauen neu aufgebaut werden. Es benötigt verstärkte Transparenz. Hier ist es vermutlich klug, jemand Drittes mit an Bord zu holen. Wenn Sie derjenige sind, der den Fehler begangen hat, werden Sie jede Versuchung los und zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie sich verändert haben. Wenn Sie derjenige sind, dem etwas angetan wurde, verschliessen Sie Ihr Herz nicht und lassen Sie sich immer und immer wieder für den Partner gewinnen.

Wachstum

Nichts wird sich verändern, bis Sie nicht etwas anders machen. Egal, welchen Part Sie im Ganzen spielen, Sie müssen reifen und wachsen. Ohne Wachstum gibt es keinen Grund, das Vertrauen neu aufzubauen. Wie kann man dieses Wachstum erzeugen?

  • Lernen Sie alles zum Thema, das Ihre Beziehung bedroht.
  • Treffen Sie sich mit anderen Leuten, die im gleichen Bereich wachsen, sei dies in Support-Gruppen, der Kirche oder Eheseminaren. Nur selten wachsen Menschen allein.
  • Beten Sie, ernsthaft, immer wieder, ehrlich, sowohl allein als auch zusammen mit Ihrem Partner.

Zeit

Vertrauen wiederaufzubauen, braucht seine Zeit. Wenn es zu früh angeboten wird, ist es kein echtes Vertrauen. Es ist normal, dass man diese ganze Situation gerne so schnell wie möglich wegstecken möchte. Doch nur, wenn Sie Ihrem Partner Zeit geben, können Sie hoffen, dass das Vertrauen wiederaufgebaut wird – Zeit, um zu wachsen und zu zeigen, dass man selbst gewachsen ist, oder um beobachten zu können, dass man wieder vertrauenswürdig ist.

Letztlich bedarf es einem Wunder, damit das Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Partner neu aufgebaut wird. Es braucht Gottes Wirken in Ihren Herzen. Sie können nicht für Ihren Partner entscheiden, nur für sich selbst. Es gibt auch keine Garantie dafür, dass das Vertrauen neu aufgebaut wird. Doch wenn das geschieht, so wird die Situation zu einem starken Band zwischen Ihnen beiden. Sie haben dann die hässlichste Seite Ihres Partners kennengelernt, sind gemeinsam durchs Feuer gegangen und auf der anderen Seite Hand in Hand wieder herausgekommen.

Zum Thema:
Interview: Wenn es in der Ehe Opfer und Täter gibt
Interview: «Es gehen nicht nur Paare fremd, die Probleme haben»
Wieder glücklich: Wie Vergebung unser Leben verändert hat
Wunden heilen lassen: Vergebung in der Ehe leben
Beziehung: Kann Liebe sterben?

Datum: 27.05.2017
Autor: Carol Tanksley / Rebekka Schmidt
Quelle: Jesus.ch / drcarolministries.com

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