Märchen und Wahrheit

Acht Mythen, die Ihre Ehe ruinieren können

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Beziehungstipps können extrem hilfreich sein. Aber viele kursierende Ratschläge wirken eher zerstörerisch, auch wenn sie populär sind. Wie die acht Mythen, um die es hier geht.

Als Gegenpol zu diesen Antitipps dienen acht Aussagen aus dem biblischen Buch der Sprüche. Bei dieser Gegenüberstellung zeigt sich: Salomos Weisheiten sind zwar alt, aber keineswegs veraltet. Sie sind relevant und hilfreich. Die Idee zu dieser Liste mit den Mythen stammt vom Eheberater Dave Willis.

1. Die Schuldfrage

Das Märchen: Wer sich entschuldigt, zeigt Schwäche.
Die Wahrheit: «Die Narren nehmen ihre Schuld nicht ernst und spotten darüber, die Gottesfürchtigen aber gestehen sie ein und suchen Versöhnung» (Sprüche, Kapitel 14, Vers 9).

Im Filmklassiker «Love Story» sagt die sterbenskranke Heldin ihrem Mann: «Sich lieben heisst, nie um Entschuldigung zu bitten». Das wirkt dramatisch und ist grosses Gefühlskino. Aber es stimmt einfach nicht. Wer das leben möchte, ist bereits so gut wie geschieden. Salomo macht klar: Ich muss die Verantwortung für meine Fehler übernehmen und das bedeutet auch, dafür um Vergebung zu bitten. Und das ist kein Ausdruck von Schwäche. Stolz zerstört Beziehungen – Demut heilt sie.

2. Die Streitfrage

Das Märchen: Wer am lautesten schreit, gewinnt den Streit. Die Wahrheit: «Ein Narr hat kein Interesse daran, etwas zu verstehen, er will nur seine eigene Meinung zum Besten geben» (Sprüche, Kapitel 18, Vers 2).

Der Ton macht die Musik, sagt der Volksmund. Da ist etwas dran. Wenn ich mich durchsetzen möchte statt zuzuhören, habe ich das Wesen der Ehe nicht verstanden. Bei Meinungsverschiedenheiten kann es nicht einen Sieger und einen Verlierer geben. Wir sind ein Team – und entweder siegen oder verlieren wir zusammen. In der Praxis heisst das, dass wir Arbeit investieren, uns gegenseitig respektieren und eine Lösung finden müssen, die für uns beide funktioniert.

3. Die Wahrheitsfrage

Das Märchen: Wer den anderen liebt, stellt sich immer auf seine Seite. Die Wahrheit: «Wunden, die ein Freund geschlagen hat, sind besser als Küsse von einem Feind» (Sprüche, Kapitel 27, Vers 6).

Echte Freunde und Ehepartner sagen einander auch schwierige Wahrheiten. Ja-Sager bin ich nicht aus Liebe: Entweder will ich Konflikten aus dem Weg gehen oder ich verfolge meine eigenen Ziele damit. Wenn ich mein Gegenüber liebe, dann gebe ich ihm zwar Freiraum für eigene Entscheidungen, aber ich sage es ihm durchaus, wenn er meiner Meinung nach falsch liegt.

4. Die Diplomatiefrage

Das Märchen: Wer alles direkt heraus sagt, kann nichts verkehrt machen. Die Wahrheit: «Freundliche Worte sind wie Honig – süss für die Seele und gesund für den Körper» (Sprüche, Kapitel 16, Vers 24).

Worte sind nicht «einfach nur Worte». Sie können bleibenden Schaden verursachen. Es kann also nicht darum gehen, dass ich so schnell und direkt wie möglich meine Botschaft loswerde, koste es, was es wolle. Knallharte Wahrheit steht meistens weniger für Wahrheit als für Druck und Manipulation. Was Salomo mit honigsüssen Worten umschreibt, nennt das Neue Testament «die Wahrheit in Liebe sagen». Und hierbei kann ich weder die Wahrheit noch die Liebe weglassen – diese Option gibt es nicht.

5. Die Wiederholungsfrage

Das Märchen: Wer alles so macht wie immer, bleibt sich selbst treu. Die Wahrheit: «So wie ein Hund zu dem wieder zurückkehrt, was er erbrochen hat, so wiederholt ein Narr seine Dummheit» (Sprüche, Kapitel 26, Vers 11).

Salomos Bildsprache ist drastisch. Weniges ekelt uns so wie ein Hund, der sein eigenes Erbrochenes wieder auffrisst. Aber wenn ich ohne nachzudenken meine alten, ungesunden Verhaltensmuster wiederhole, dann tue ich im Prinzip dasselbe. Etwas so zu machen wie immer, ist nicht zwangsläufig Treue zu mir selbst. Vielleicht ist es an der Zeit, mit manchen Gewohnheiten zu brechen … Hier geht es nicht um Aktionismus, der alles neu machen will, sondern darum, dass ich mich ehrlich im Spiegel betrachte.

6. Die Transparenzfrage

Das Märchen: Manchmal sind Notlügen in einer Beziehung nötig. Die Wahrheit: «Sechs Dinge sind es, die der Herr hasst, und sieben, die er verabscheut: einen stolzen Blick; eine lügnerische Zunge; Hände, die unschuldiges Blut vergiessen; ein Herz, das böse Pläne schmiedet; Füsse, die darauf aus sind, Unrecht zu tun; einen falschen Zeugen, der Lügen verbreitet; und einen Menschen, der Uneinigkeit unter Brüdern sät» (Sprüche, Kapitel 6, Verse 16-19).

In dieser Aufzählung dessen, was Gott hasst, kommt die Lüge sogar zweimal vor. Sie hat in keiner Form von Beziehung einen Platz. Erst recht nicht in einer Ehe. Geheimnisse sind die Feinde jeder Vertrautheit. Und Lügen – auch sogenannte Notlügen – zerstören die Vertrauensgrundlage eines gesunden Miteinanders. Wenn ich also nicht gerade eine Geburtstagsüberraschung plane, dann haben Heimlichkeiten in meiner Ehe nichts zu suchen.

7. Die Richtungsfrage

Das Märchen: Mein Weg ist der richtige. Die Wahrheit: «Hochmut endet in Erniedrigung, aber Demut bringt Ehre» (Sprüche, Kapitel 29, Vers 23).

Einer der grössten musikalischen Erfolge von Frank Sinatra war das Lied: «I did it my way» (Ich habe es auf meine Art gemacht). Es war sein trotziges Bekenntnis, dass er bei allen Schwierigkeiten eigentlich alles richtig gemacht hat, eben auf seine Weise. Doch genau dieser trotzige Stolz, dass mein Weg der richtige ist, hilft mir in keiner Beziehung weiter. Gott stellt klar: «So viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel höher stehen meine Wege über euren Wegen» (Jesaja, Kapitel 55, Vers 9). Und auch in zwischenmenschlichen Beziehungen ist dieser Stolz wie eine Schranke, die jede wirkliche Nähe unmöglich macht.

8. Die Kardinalfrage

Das Märchen: Wer seine Gefühle für den anderen verliert, sollte sich scheiden lassen. Die Wahrheit: «Vertraue von ganzem Herzen auf den Herrn und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Denke an ihn, was immer du tust, dann wird er dir den richtigen Weg zeigen.» (Sprüche, Kapitel 3, Verse 5-6).

Gefühle füreinander oder die Intensität und Nähe in einer Ehe schwanken. Diese Erfahrung machen wohl alle Ehepaare. Wenn ich bei den ersten Problemen oder in einer Phase, wo meine Gefühle für den anderen nicht mehr so stark sind, aufgebe, dann habe ich nicht verstanden, was Ehe ausmacht: Eine vollkommene Ehe ist nicht das Zusammentreffen von zwei vollkommenen Menschen. Sie ist die Gemeinschaft von zwei unvollkommenen Menschen, die sich weigern, einander aufzugeben. In der Praxis mag ich irgendwann an den Punkt kommen, wo ich meine Ehe nicht länger fortsetzen kann. Doch die meisten kranken Ehen lassen sich mit Zuversicht, Arbeit, Durchhaltevermögen und dem Willen zum Zusammenbleiben heilen. Das Ergebnis ist dann übrigens keine tote Zweckgemeinschaft, sondern erneuerte Liebe, tiefer Friede und echtes Glück.

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Datum: 28.11.2017
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Jesus.ch / Patheos

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