Trumpsche Idee

April: Ein Monat mit neuen Chancen

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Jeder verdient eine zweite Chance, oder? Dies ist zumindest US-Präsident Trumps Devise und so erklärte er kürzlich den Monat April zum «Monat zweiter Chancen». Wäre das auch etwas für uns?

Der US-Präsident sieht dies Motto insbesondere im Hinblick auf Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen im Gefängnis waren und sich nun wieder in die Gesellschaft eingliedern wollen und müssen – hierfür sollen US-Bürger sensibilisiert und um Hilfe gebeten werden. Ehemaligen Gefangenen zu helfen, verhindere nicht nur neue Kriminaltaten, eine «ehrliche zweite Chance zu verdienen» sei vielmehr ein kritischer Teil der US-amerikanischen Justiz, so Trump. «Wir ermutigen zu vermehrten Chancen für diejenigen, die hart gearbeitet haben, um schlechte Entscheidungen aus früheren Zeiten auszuradieren, und betonen, dass wir an zweite Chancen glauben für alle diejenigen, die bereit sind, hart zu arbeiten, um ihr Leben zu verändern.»

Darf man zweite Chancen verneinen?

Wer wünscht sich manchmal nicht eine zweite Chance, gerade wenn die erste durch eine schlechte Entscheidung vermasselt wurde, die er jetzt bereut? Ich ertappe mich jedoch immer wieder dabei, wie ich selbst nur ungern zweite Chancen verteile. Ich erinnere mich noch gut an die Schulzeit: Meine beste Freundin hatte mich angelogen und ich hatte es herausgefunden. Meine Reaktion: «Wenn mich jemand anlügt, ist die Freundschaft vorbei!» Gesagt, getan, die Freundschaft war aus und für mich gestorben.

Doch ist das fair? Habe ich das Recht, anderen eine zweite Chance zu versagen, nur weil es nach meinen Prinzipien geht? Wo bleibt da das Mitgefühl? Versöhnungsbereitschaft? Die Extrameile, die wir gehen sollen? So wie das Gleichnis vom König, der einem Schuldner einen Millionenbetrag vergab. Als der Schuldner auf dem Heimweg dann einen Bekannten traf, der ihm ein paar Hunderter schuldete, liess er den Bekannten ins Gefängnis werfen, bis er ihm die die Schuld beglichen habe. Als der König das hörte, war er natürlich ausser sich vor Wut, liess den Mann mit der Millionenschuld erneut vorladen und warf auch ihn ins Gefängnis, bis er die letzte Münze abbezahlt hätte. Und Jesus beendet das Gleichnis mit den Worten: «So wird auch mein Vater im Himmel jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt.» (nachzulesen in Matthäus, Kapitel 18, Verse 23 bis 35) Wow, da wird der Spiess umgedreht: Wer eine zweite Chance versagt, wird vom Opfer zum Schuldigen. Und zwar ewig.

Die Beziehung zählt

Aber was, wenn es nicht die zweite Chance ist, sondern eine dritte, vierte, fünfte, zwanzigste? «Er hat mich wieder belogen, ich kann ihm einfach nicht mehr vertrauen…» Ich denke, Gott verlangt von uns nicht, dass wir uns für dumm verkaufen. Wenn mich jemand dauernd anlügt, dann ist es normal, wenn ich ihm einfach nicht mehr glauben kann. Aber es geht um die Beziehung mit dieser Person: Lasse ich sie weiterhin Teil meines Lebens sein? Wenn er mich vielleicht um Verzeihung bittet, um Hilfe, suche ich dann Möglichkeiten, um ihm doch zu helfen? Ein anderes Beispiel: Wenn jemand mich wiederholt bittet, ihm Geld zu leihen, er es mir aber grundsätzlich nicht zurückzahlt, kann ich komplett dicht machen und die Beziehung völlig ausblenden. Oder ich kann bei einem nächsten Mal überlegen, ob ich – vielleicht einen geringeren Betrag – übrighabe und diesen der Person schenken kann, anstatt ihn zu leihen, und die Beziehung so entlasten kann?

Eine Chance im April

Natürlich hat alles seine Masse, seine Grenzen und jede Situation muss separat begutachtet werden. Doch Fakt ist, dass Gott möchte, dass wir Friedensstifter sind, bereit zur Vergebung und zur Versöhnung, bereit, «sieben mal siebzig Mal» zweite Chancen zu verteilen. Deshalb möchte ich diesen April nutzen, um zu überlegen, wo ich in letzter Zeit vielleicht eine zweite Chance verneint habe, und neu auf diese Person zugehen. Weil Gott mir ja auch schon unendlich viele zweite Chancen geschenkt hat.

Zum Thema:
Vom Laufsteg zur Schule für Mission: «Ich bekam eine neue Chance»
Simon Löffel: Meine zweite Chance
Nach der Scheidung: Wenn Gott eine zweite Chance gibt

Datum: 06.04.2018
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet

Kommentare

Wie gut, dass es Donald Trump gibt, der uns auf die zweite Chance hinweist, was täten wir bloss ohne ihn ;-) Die Zeit heilt Wunden, heisst es, was auch recht häufig zutrifft. So kann es hilfreich sein - falls möglich - einfach mal eine Weile abzutauchen und nicht mehr an die betreffende Person zu denken. Das verhindert, dass der Schmerz oder die Wut wachsen und man sich noch mehr an ihr schuldig macht. Ab und zu kann man an sie denken und prüfen, wie gross der Unmut noch ist. Das Ziel sollte aber schon die Versöhnung sein. Natürlich geht das nicht, wenn man zusammenlebt und ist es besser, wenn man sofort versöhnliche Schritte einleiten kann. Aber besser, als den Streit eskalieren zu lassen.

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