Führungskräfte-Forum

«Von Jesus lernen wir: eine Gewinner-Mentalität ohne Liebe bringt nichts»

Zum Leben gehören schwierige Zeiten. Doch es gibt immer wieder Hoffnung. Das will das Forum christlicher Führungskräfte am 9. und 10. März in Freiburg deutlich machen. Forum-Stabschef Roland Frauchiger erklärt, wie Christen zu einer Gewinner-Mentalität kommen. Und was sie von Roger Federer lernen können.

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Roland Frauchiger
idea Spektrum: Wie kommt das Forum christlicher Führungskräfte zum Motto «gewinnen – verlieren»?
Wir haben im Vorstand nach Themen gesucht, die Führungskräfte ansprechen und ermuntern können. Wir kamen zum Schluss, dass man nicht immer nur das Gute und Schöne darstellen soll. Es gibt auch die negativen Erfahrungen. Darum sollen am Forum Erfolg und Misserfolg zur Sprache kommen. Wir meinen, dass diese Absicht im Motto «gewinnen – verlieren» sympathisch ausgedrückt wird.

Wen will das Forum zuerst ansprechen: Gewinner oder Verlierer?
Ich glaube, viele Teilnehmer sehen sich nicht in erster Linie als Gewinner oder als Verlierer. Oder sie kennen eben beides. Es ist darum wichtig, Ermutigung zu bekommen von Gewinnern, aber auch von Menschen, die schwierige Zeiten durchgemacht haben. Und zu erfahren, dass es Hoffnung gibt für die Zukunft.

Was darf der Gewerbler aus dem Emmental oder die Finanzfachfrau aus dem Waadtland vom Forum erwarten?
Wir haben hochkarätige Referenten, die von ganz unterschiedlichen Lebenssituationen berichten. Das kann eine grosse Ermutigung sein. Wichtig ist uns auch, dass Begegnungen stattfinden können. Wir planen extra grosszügige Pausen und wir haben das Ressourcen-Forum und das Startup-Forum, wo wertvolle Begegnungen möglich sind. Weiter gibt es eine Ausstellung, an der sich verschiedene Firmen und Organisationen präsentieren. Alle Teilnehmenden werden an den zwei Tagen des Forums vielseitig profitieren können.

Es gibt doch mehrere christliche Vereinigungen für Führungskräfte. Mangelt es wirklich an Gelegenheiten zur Vernetzung?
Persönlich erlebe ich es so, dass es für Christen viele Möglichkeiten zur Begegnung gibt, aber nicht für Führungskräfte. Die Treffen der angesprochenen Organisationen finden nicht sehr häufig und meistens nur an einem Abend statt. Da bleibt weniger Zeit für den Austausch.

Wann wird eine christliche Führungskraft zu einem vorbildlichen Gewinner?
Zu einem Vorbild wird die Führungskraft schneller als sie will. Sie wird es nämlich automatisch. Das gilt für Personen aus allen Bereichen des Lebens, sei es in der Familie, in einem Verband oder in der Politik. Man muss auch merken, ob ein «vorbildlicher Gewinner» wirklich ein Gewinner ist. Das ist am besten dort möglich, wo man gemeinsame Ziele setzt und auch prüft, ob man sie erreicht.

Warum kommen christliche Führungskräfte in Medien kaum vor?
Ich kenne das aus meiner Zeit als CEO der Amag. Da gibt es natürlich die Erwartung zur Loyalität mit dem Unternehmen. Nach aussen vertritt man in erster Linie das Unternehmen. Persönliche Meinungen sind da kaum gefragt. Darum ist der Spielraum gar nicht so gross, um sich als christliche Führungskraft zu äussern. Doch ein Unternehmer, der auch Besitzer seiner Firma ist, hat wirklich die Möglichkeit, sich auch zu seinem Glauben zu äussern. Auf der andern Seite gibt es bei den Medien einen gewissen Filter. Sie interessieren sich weniger für religiöse Fragen oder sie meinen, ihre Leserschaft interessiere sich nicht dafür.

«Mit neuem Anlauf die Zukunft wagen» wird am Forum postuliert. Was kann das für einen Unternehmer heissen, der in einem Burnout steckt?
Betroffene brauchen Ermutigung und neue Hoffnung. Das Forum bietet Gelegenheit, Menschen kennenzulernen, die ermutigende Erfahrungen gemacht haben. Burnout hat damit zu tun, dass man den Kopf nicht wieder über die Wasseroberfläche bringt. Dazu braucht es mehr als einen zweitägigen Kongress. Aber das Forum kann einen Beitrag zur Ermutigung leisten.

Auffallend, dass auch immer mehr Christen in ein Burnout fallen. Ihre Erklärung dafür?
Persönlich fühle ich mich am ehesten gefährdet, wenn ich die Übersicht verliere. Ich war vielleicht drei Tage abwesend, komme wieder ins Büro, sehe das übervolle Pult, die vielen Mails, unzählige Pendenzen. Das sind kritische Situationen. Jetzt muss ich gut priorisieren und die Lage in den Griff bekommen. Auch bei Christen können die verschiedenen Aufgaben, viele Pendenzen und all die Ansprüche des Umfelds zu kritischen Situationen führen. Vielleicht haben manche Christen auch die Neigung, nicht Nein sagen zu können.

Gerade Christen müssten in «kritischen Situationen» doch über zusätzliche Ressourcen verfügen …
Es ist auch für Christen nicht immer einfach, den Blick nach oben zu richten und rechtzeitig Hilfe zu beanspruchen. Man sollte ja sowohl auf der persönlichen, seelischen Ebene wieder auf die Beine kommen, als auch auf der organisatorischen Ebene Lösungen finden. Es ist gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der einem auf beiden Ebenen helfen kann.

«gewinnen – verlieren»: Wie kann es Christen gelingen, zu einer Gewinner-Mentalität zu kommen?
Zwei Komponenten. Die eine: Man muss sich Ziele setzen, damit man weiss, wohin man will. Die andere: Es braucht den Willen, entsprechend zu handeln. Dann gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Ressourcen gut einzusetzen. Eine Gewinner-Mentalität garantiert noch nicht, dass der Gewinn auch eintrifft. Bei einem sportlichen Anlass kann nur einer von vielen Teilnehmern gewinnen. Doch die andern trainieren trotzdem weiter, weil sie auch einmal gewinnen möchten. Darum ist es auch für Christen wichtig, dass sie dranbleiben an ihrem Auftrag, auch wenn der Weg manchmal beschwerlich und lang ist.

Was lernen Sie als Christ von Sportlern wie Roger Federer?
Es ist bekannt, dass er als Sportler hart nach seinen Trainingsplänen arbeitet. Als Familienvater hat die Familie einen grossen Stellenwert für ihn. Und im öffentlichen Auftritt erlebe ich ihn mit einer gewissen Demut, einer gewissen helvetischen Demut. Das sind drei Eigenschaften, weshalb ich Roger Federer als Vorbild betrachte.

Inwiefern hatte Jesus eine Gewinner-Mentalität?
Seine Botschaft war darauf ausgerichtet, Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen, geprägt von einer grossen Liebe. Das war sein Hauptziel. Das lernen wir von ihm: Ohne eine grosse Liebe zu den Menschen bringt uns eine Gewinner-Mentalität nicht zum Ziel.

Zur Person

Roland Frauchiger, Jahrgang 1960, verheiratet mit Susanne, drei erwachsene Kinder, drei Grosskinder, wohnhaft in Thalheim AG. Dipl. Masch.-Ing. ETH. Nach dem Doktorat 13 Jahre bei der Amag Automobil- und Motoren AG tätig, zuletzt VR-Delegierter/CEO der Amag-Gruppe, später CEO der Stiftung Business Professional Network (BPN) in Bern. Heute selbständiger Interimsmanager, Coach und Berater.

4. Forum christlicher Führungskräfte

Das vierte Forum christlicher Führungskräfte findet am 9. und 10. März erstmals in Freiburg statt. Es steht unter dem Motto «gewinnen – verlieren» und will Verantwortungsträgern aus den unterschiedlichsten Bereichen Inspiration, Hoffnung und praxisnahe Lösungsansätze vermitteln. Erwartet werden rund 500 Gäste.

Zur Webseite:
Forum christlicher Führungskräfte

Zum Thema:
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Datum: 12.02.2018
Autor: Andrea Vonlanthen
Quelle: idea Spektrum Schweiz

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