Erhebung

Kirche gewinnt bei Schweizern Vertrauen

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Die Medien verloren an Vertrauenswürdigkeit.
Das Vertrauen der Schweizer in Polizei, Kirche und Justiz dürfte in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben. Dies legt eine am Dienstag veröffentlichte Erhebung nahe. "Reader's Digest European Trusted Brands 2010" vergleicht die Vertrauenswürdigkeit von Institutionen. Vertrauen verloren haben Werbeindustrie und Medien.

Von den befragten Schweizern sprachen fünf Prozent mehr als vor neun Jahren der Kirche ein sehr hohes beziehungsweise ziemlich hohes Vertrauen aus, nämlich 43 Prozent (2001: 38 Prozent). Auch bei der Ehe gaben mehr Schweizer an, in sie zu vertrauen. Der Wert legte um ein Prozent auf 69 Prozent zu. Bei Kirche wie Ehe liegen die Schweizer im Durchschnitt der befragten Europäer. In Deutschland gaben 41 Prozent an, der Kirche zu vertrauen, in Österreich - die Missbrauchsskandale wirken nach - noch 37 Prozent.

In die Medien haben 2010 im Vergleich zu 2001 weniger Menschen Vertrauen, der Prozentsatz sank von 50 auf 46 Prozent bei der Presse und um zwei auf 65 Prozent bei Radio und Fernsehen. Auf dem letzten Platz in der Vertrauensrangliste landete erneut die Werbeindustrie.

Sehr gute Vertrauenswerte im europäischen Vergleich erhielten Regierung und Politik: Der Vertrauenswert der Schweizer Regierung belief sich 2010 auf 43 Prozent und lag damit fast doppelt so hoch wie der (tiefe!) europäischen Durchschnittswert. Die Schweizer Politik erzielte mit 26 Prozent den mit Abstand höchsten Vertrauenswert in allen 16 untersuchten Ländern Europas. - An der Befragung beteiligten sich laut Zeitung mehr als 32‘000 Leser der meistgelesenen Zeitschrift der Welt, davon über 1‘500 in der Schweiz.

Kommentar

Was in der Unübersichtlichkeit Halt gibt

von Peter Schmid

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Vertrauen in die Polizei und Justiz nahm zu
Wohin driften wir in der (seit langem beklagten) Krise der Institutionen? Die Zahlen der Befragung sind mit Vorsicht zu geniessen, unter anderem weil die Institutionen schwerlich vergleichbar sind: Ehe und Justiz, Internet und Werbeindustrie, Gewerkschaften und internationale Unternehmen geniessen (wenn überhaupt) ‚Vertrauen‘ auf ganz unterschiedliche Weise. Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen sind Vergleiche und Verschiebungen über Jahre.

32‘163 Leser von Reader's Digest in 16 Ländern Europas haben an der Befragung teilgenommen; bloss etwa 2‘500 (8 Prozent) haben Vertrauen in die „Politik". Das ist ein katastrophaler Wert. In Deutschland geben 24 Prozent Vertrauen in die (Bundes-)Regierung, 48 Prozent in das Rechtssystem, 29 Prozent in die EU. Für die Schweiz lauten die Werte 26, 43 und 61 Prozent (EU nicht abgefragt). In Österreich ist das Vertrauen in die EU innert sieben Jahren von 43 auf 29 Prozent abgesunken.

Seit 1980 hat sich sehr viel verändert. So geniessen Umweltschutzorganisationen bei Lesern von Reader's Digest mehr Glaubwürdigkeit als die Kirchen: in der Schweiz bei 57 zu 43 Prozent, in Deutschland bei 59 zu 41 Prozent, in Österreich gar bei 65 zu 37 Prozent, europaweit bei 47 zu 43 Prozent.

Das Vertrauen in Banken ist in der Schweiz gegen den europäischen Durchschnittswert von 37 Prozent gesunken; Radio und Fernsehen geniessen dagegen noch viel mehr Vertrauen als im Ausland (65 zu durchschnittlich 25 Prozent!).

Vom Staat enttäuscht, der nicht transparent und effizient und genügend sozial agiert, vertrauen viele Europäerinnen und Europäer auf Institutionen, die sie schützen (Polizei und Justiz - auch Umweltverbände dürften von diesem Verlangen nach Schutz profitieren). Die Ehe hält sich trotz allen Negativschlagzeilen. Die ‚Kirche‘ hat ihre Bedeutung als Heimat und moralische Instanz für die Mehrheit verloren - mit der Rückkehr der Religiosität in die Öffentlichkeit ist sie wieder mehr im Gespräch.

Links zum Thema:
Vertrauen für Institutionen in der Schweiz
Deutschland: Vertrauen in Polizei, Kirche und Justiz
Oesterreich: Polizei, Justiz, Öffentlicher Dienst und Umweltschutz

Datum: 04.03.2010

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