Kommentar: Hilflos der Jugendgewalt ausgeliefert?

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Zerstörungswut, verbale Beschimpfungen, Streitereien und Anpöbelungen aller Art. So beginnt Gewalt. Was kann man dagegen tun?

Gewalt findet einen Nährboden, wenn sie einfach geduldet wird oder wenn Gefühle unterdrückt werden. Andere Aspekte sind die Suche nach Identität und die Lust auf Grenzüberschreitung. Fehlende Vorbilder wirken sich sehr stark auf dieses Verhalten aus. Die Liste der Ursachen ist lang und vielfältig.

Medien – ein Aspekt der Gewalt

Greifen wir ein Punkt heraus. In den letzten Jahren wurde eine neue Stufe der Gewalt mit dem Aufkommen der Videospiele erreicht. Der Unterschied zum Fernsehen ist der, dass nun die Gewaltanwendung nicht mehr «nur» passiv angeschaut wird, sondern dass derjenige, der das Videospiel handhabt, aktiv den Schaden verursacht, indem er selber den Auslöser für die Gewalttat tätigt.

Bei den Medien sind wir alle in einer Umbruchsituation. Internet, Computerspiele, Videos sind unserer Kontrolle häufig entzogen. Die Kinder können von Eltern und Lehrpersonen nicht rund um die Uhr überwacht werden. Das Netzwerk am Bildschirm ist offen. Alles kann von irgendwoher ins Netz eingespeist werden. Es ist dadurch auch Kindern möglich, jederzeit Pornos oder rechtsextreme Ansichten abzurufen. Trotzdem sind wir dem nicht total ausgeliefert.

Erziehende haben die Pflicht, den Jugendlichen im Umgang mit den neuen Medien behilflich zu sein. Eltern und Lehrkräfte müssten sich dringend medienpädagogisch weiterbilden. "Einen Zusammenhang zwischen Spielen und realer Gewalt gibt es nicht", so das Ergebnis einer industriefreundliche These vom Nicht-Einfluss der sogenannten Killerspiele. Jedes Mal, wenn publik wird, dass ein jugendlicher Amokläufer, ein grosser Fan von Killerspielen war, wird beschwichtigt. Diese Verharmlosung entspricht jedoch nicht der Wirklichkeit.

Zusammenhang offensichtlich

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Arthur Penn
Die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Mediennutzung, Schulerfolg und Jugendgewalt sind signifikant. Kinder, die bereits im Grundschulalter und im frühen Hauptschulalter Nachmittage und ganze Wochenenden damit verbringen, Spiele zu spielen, die sich dadurch auszeichnen, dass Menschen das Genick gebrochen wird, Frauen an Freier verkauft werden (Der Pate), Passanten wahllos erstochen werden (GTA San Andreas) oder dem Spieler eine Million virtueller Dollar Belohnung winkt, wenn der Kopf des Opfers nur lange genug in Frittierfett getaucht wird (Backyard Wrestling), stumpfen doch ab.

Hinzu kommen Kino-Filme. Ausgerechnet Hollywood-Regisseur Arthur Penn hat die zunehmende Brutalität im Kino kritisiert. "Die Gewalt im Kino ist mittlerweile zu exzessiv", sagt Penn. Er bedauere es, mit seinem drastischen Film "Bonnie und Clyde" aus dem Jahr 1967 spätere Gewaltexzesse im Kino angestossen zu haben. "Es war nicht meine Absicht, so eine Entwicklung auszulösen."

Das kann doch bei den Kindern nicht so einfach vorübergehen. Mediengewalt erzeugt Gewalt und Aggression im täglichen Leben. Kinder lernen, Gewalt im alltäglichen Leben zu akzeptieren, Brutalität mit Vergnügen und Aufregung zu assoziieren, Töten nicht ernst zu nehmen, ja, sie lernen, dass Töten etwas Akzeptables ist.

Haben Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht wahrgenommen? Eins steht fest, die Hauptverantwortung für die Entwicklung und Erziehung von Kindern liegt bei den Eltern mit allen hieraus resultierenden Konsequenzen. Diese Verantwortung kann weder an die Schule noch sonstigen Institutionen delegiert werden.

Schwierig wie noch nie

Realität ist aber auch: Was elterliche Restriktionen bei der Fernsehnutzung bewirken könnte, wird durch den Konsum von Gewaltvideos im Freundeskreis wieder aufgehoben. Dennoch müssen Eltern hier umso mehr Aufmerksamkeit und Zeit in ihre Kindern investieren.

Erwachsene haben sich schon immer über ihre Jugendlichen beklagt, aber hier haben wir es mit etwas anderem zu tun. Einige Jugendliche können offensichtlich vielfach gar nicht mehr Gut und Böse voneinander unterscheiden. Kinder schlagen sich krankenhausreif und das ohne jede Gefühls- oder Gewissensregung.

War es nicht schon immer so?

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Mediengewalt erzeugt Gewalt und Aggression im täglichen Leben.
War es früher nicht besser? Eigentlich nicht: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer.“ (Sokrates, 470-399 v. Chr.)

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ (Aristoteles, 384-322 v. Chr.)

„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ (Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.)

Liebe – der Schlüssel der Erziehung

Irgendwie unterscheidet sich unsere Zeit jedoch schon von früher. Jesus sagte auch voraus, dass Zeiten kommen werden, wie sie noch nie waren. „Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten." In einer moderneren Übersetzung der Bibel wird es so gesagt: „Und weil den Leuten total egal ist, was Gott will, wird das Schlechte und Böse überall aus seinen Löchern rauskommen. Und der Liebespegel wird bei vielen auf null sinken.“

Mangelnde Liebe scheint der Schlüssel zu sein. Liebe in der Erziehung, Liebe zu der Schöpfung und Achtung zu den Menschen, dort liegt der Ansatzpunkt gegen die Gewalt.

Oft drückt man sich davor, Grenzen zu setzen, Grenzen durchzusetzen. Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen reagieren. Wir müssen mit den Kindern reden, ihnen klar machen, was geht und was nicht. Das ist nicht einfach, braucht Mut, Rückgrat und Glaubwürdigkeit.

Mangelnde Liebe ist auch, wenn einem die Erziehung nicht wichtig genug ist: „Ein sich selbst überlassener Junge macht seiner Mutter Schande. Erziehe deinen Sohn, so wird er dir Verdruss ersparen.“ Simple Ratschläge aus der Bibel? Nein, es gibt keine bessere Alternative gegen die Gewalt.

Mehr zum Thema: Warum nimmt die Gewalt unter Jugendlichen zu?


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