Trauern im Web

«Ewiges Leben» online

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Ein Leben ohne Internet ist heutzutage für viele unvorstellbar. Aber auch der Tod findet zunehmend Eingang ins Netz. Auf Online-Friedhöfen trauern Angehörige um ihre Liebsten, tauschen sich mit anderen Trauernden über ihren Schmerz aus.

Immer mehr Menschen wollen nach dem Tod nicht in Vergessenheit geraten. Das zeigt der Boom entsprechender Internetseiten. Dort können Angehörige das Andenken an ihre Verstorbenen aufrechterhalten.

Die Trauerstätten im Netz ermöglichen es Hinterbliebenen Lieblingsfotos, Videos oder einen Lebenslauf des Toten auf einem speziellen Profil einzustellen. Zudem können dort Grabsteine gestaltet und virtuelle Kerzen angezündet werden. Mit rund 270.000 Gedenkstätten ist www.emorial.de das grösste Internet-Trauerportal im deutschen Sprachraum.

Die evangelische Kirche in Deutschland hat den Trend längst erkannt und betreibt seit rund zehn Jahren mit www.trauernetz.de ein eigenes Portal. Die Seite ist eine Anlaufstelle für Menschen, die mit dem Verlust eines nahen Angehörigen umgehen müssen. Gebete, Gedichte, Texte, Musik und praktische Tipps leisten eine Hilfestellung im Umgang mit der Trauer.

Mausklick zum Verstorbenen

Viele Hinterbliebene schätzen an den Angeboten, dass der Verstorbene nur einen Mausklick entfernt ist. «Die Menschen haben sich immer ein Bild vom Jenseits gemacht. Heute dient das Internet als Kontaktstelle zu diesem Jenseits», sagte Pfarrerin Carmen Berger-Zell. Damit stehe dieser neue Trauerkult nicht im Gegensatz zum christlichen Glauben an das ewige Leben nach dem Tod. Mit den Profilen im Netz solle vielmehr etwas von den Verstorbenen in dieser Welt bleiben.

Jahrhundertelang war der Friedhof die zentrale Institution des Totengedenkens. Ihn ersetzen werde diese neue Form des Gedenkens aber nicht. Das Internet sei ein zusätzlicher, paralleler Raum. Spiele der Friedhof bei der Trauer keine Rolle, seien auch die digitalen Gedenkstätten nicht gefragt.

Auf dem Internetfriedhof können virtuelle Gräber geschmückt und besucht werden. Hinterbliebene können Briefe an den Verstorbenen schreiben, Bilder hochladen oder virtuell Gedichte vorlesen.

Viele Menschen sorgen schliesslich auch schon zu Lebzeiten dafür, dass nach dem eigenen Tod alles nach Wunsch geregelt ist: Auf Ewigesleben.de kann der Besucher sein Vermächtnis verfassen. Veröffentlicht wird dies erst nach dem Ableben.

Selbsthilfegruppen im Internet, wie Verwaiste-Eltern.de oder Trauernde-Geschwister.de, teilen ihr Leid mit anderen.

Zum Thema:
Linkssammlung für Trauernde

Buch zum Thema «Trauern»:
Trauern braucht seine Zeit

Datum: 08.11.2011
Quelle: Livenet / idea.de

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