Wer im deutschsprachigen Raum evangelische Nachrichten verbreiten will, kommt kaum am Evangelischen Pressedienst (epd) vorbei. Heute feiert die älteste noch bestehende deutsche Nachrichtenagentur ihr 100 Jahre-Jubiläum.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Nachrichtenagentur epd hat sich viel Prominenz zu Wort gemeldet, um zu gratulieren. So etwa der deutsche Bundespräsident Horst Köhler mit den Worten: «Der Evangelische Pressedienst trägt zu einer lebendigen politischen Öffentlichkeit bei, ohne die unser Gemeinwesen nicht funktionieren kann.» Und Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsvizepräsidentin (Grüne) und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), lässt verlauten: «Die Redakteurinnen und Redakteure des epd 'machen' keine Meinung, aber sie machen Meinung möglich. Das nenne ich seriös.»
Evangelisch und unabhängig
Der epd mit Sitz in Frankfurt a.M. ist eine unabhängig arbeitende Nachrichtenagentur, die von der evangelischen Kirche getragen wird. Rund 80 fest angestellte Redakteure in mehr als 30 deutschen Städten recherchieren und schreiben für den epd. Man unterhält Korrespondentenbüros in Berlin, Brüssel und Genf.
Verbreitet bei den Medien
Rund zwei Drittel der deutschen Tageszeitungen mit rund 37 Millionen Lesern beziehen epd, darüber hinaus alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Wichtigste Abnehmer sind die Redaktionen von Presse, Funk, Internet und Fernsehen, sowie Fachleute in Medien, Kirche und Politik. Der epd liefert Texte und Fotos aus den Bereichen Kirche und Religion, Kultur, Medien und Bildung, Gesellschaft, Soziales, Dritte Welt und Entwicklung. Die-Fachdienste epd medien, epd Film, epd Dokumentation und epd sozial liefern Hintergrundmaterial.
Lebendiger Agenturmarkt
Der deutsche Agenturmarkt gilt als härtester der Welt. Gemäss Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg zählt er aber auch zu den lebendigsten. Nirgendwo sonst gebe es so viele Nachrichtenagenturen, die in ihrer Landessprache miteinander konkurrierten. Die Medienberichterstattung etwa sei ein Bereich, in dem der epd besonders überzeuge und Defizite anderer Medien ausgleiche. Als kleine Agentur müsse der epd Themen bearbeiten, die woanders schlechter oder gar nicht aufbereitet würden.
Nachrichtenagenturen im Umbruch
Gemäss Weischenberg befinde man sich in einer Umbruchphase. Angesichts der zunehmenden Bedeutung des Internets lasse sich noch nicht absehen, wohin die Reise gehe. In jüngster Zeit sei ein Trend zur Abkehr von der strengen angelsächsischen Tradition der Nachrichtenvermittlung auszumachen. Es finde eine «Entgrenzung in Richtung Unterhaltung und auch in Richtung PR» statt.
Kurzer Blick in die Annalen
Am 3. Februar 1910 gründen Vertreter von 23 Vereinigungen in Wittenberg den Evangelischen Preßverband für Deutschland. Unter der Leitung von August Hinderer ab 1918 wird der epd zum einflussreichen evangelischen Werk. 1949 erscheint erstmals die Fachkorrespondenz «epd/Kirche und Rundfunk». 1964 wird der erste Fernschreiber eingesetzt. 1984 erscheint erstmals die Zeitschrift «epd Film», 1985 ist das Gründungsjahr von «epd-bild». 1992 wird erstmals Satellitentechnik eingesetzt. 2001 erscheint die erste Ausgabe des Fachdienstes «epd sozial».
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