Einmal pro Monat lädt die "Hasli-Chile" zum "Church Brunch". Und auch bei den wöchentlichen Gottesdiensten sitzt man mit Kaffee und Gipfeli zu Tisch.*
"Ich bin in einem christlichen Elternhaus in Rümlang aufgewachsen." Mit diesem unspektakulären Satz beginnt Markus Zeier die Geschichte einer Gemeinde, die zum Beispiel auf einem Dorffest ein Bullen-Reiten veranstaltete und auf einem Plakat ergänzte: "Kirche muss nicht stier sein."**
* Chile: schweizerdeutsch für Kirche (Gemeinden); Gipfeli: Hörnchen
** stier: schweizerdeutsch für engstirnig
Mit 19 habe er entschieden, ganz für Gott zu leben, statt eine halbe Sache zu machen. "Dann besuchte ich in Deutschland eine kurze Bibelschule; es folgte ein Missionspraktikum in Spanien." Sechs Jahre studierte er in Portland, USA, auf einer weiteren Bibelschule. "Mein Ziel war es, irgendwo im Ausland Missionar zu werden."
Das habe sich geändert. "Denn ich hab gemerkt, dass die Schweiz zusehends selbst zum Missionsland wird." Das Berufsziel blieb als dasselbe, aber bezogen auf die Schweiz.
"Mein Herz ist hier!"
Zurück in der Schweiz hat er sich zu dreissig Prozent, also anderthalb Tage, in seiner angestammten Chrischona-Gemeinde eingebracht ("um etwas zurückzugeben"); die übrigen siebzig Prozent hat er regulär gearbeitet. "Ich betete regelmässig und beschäftigte mich mit dem Unterland. Ich merkte, dass es in Niederhasli kaum eine Gemeinde gibt, während sich die Bevölkerung innerhalb von zwanzig Jahren verdoppelt hat. Hier leben jetzt viele Neuzuzüger, die entwurzelt sind und neue Beziehungen suchen."
Für sie wollte er eine Gemeinde gründen; für Menschen also, die noch keine besuchen. Andere christliche Gemeinden in der Gegend fanden die Idee gut, mitziehen wollte aber keine.
Schliesslich kam er ins Gespräch mit dem Gemeindepionier Heinz Strupler. "Der wollte mich für ein anderes Projekt in Zürich gewinnen. Doch ich sagte, dass mein Herz hier ist. Er ermutigte mich dann, hier eine Gemeinde zu eröffnen." Und Strupler packte mit an und wurde zu deren Mentor.
Ein Brunch für den Alltag
Bald fand Zeier Gleichgesinnte. "Wir wollten mit einem grossen Anlass beginnen und so luden wir Nachbarn, Freunde und andere Einwohner ein zum sogenannten "Church Brunch" im Restaurant Löwen in Niederglatt. Wir boten Essen, Musik, Theater und eine kurze Predigt." Hundert Besucher seien erschienen. Das war im Jahr 2000, der Church Brunch bürgerte sich ein und wird inzwischen monatlich durchgeführt. Ansonsten gibt's wöchentlich einen normalen Gottesdienst.
"Unser Brunch ist nicht sehr evangelistisch. Sondern wir zeigen, dass man Dinge aus der Bibel umsetzen kann, die dann das Leben verbessern."
Durchlauferhitzer und Weihnachts-Brunch
Jährlich lädt die Hasli Chile zum «Body-Soccer-Turnier».
Vor dem Start habe man in der Gegend eine Umfrage gemacht, um herauszufinden, ob die Menschen in die Kirche gehen und wie eine Gemeinde aussehen muss, damit sie relevant ist. "Dadurch gewannen wir Impulse, die wir auch umsetzten."
Hinzu kam im Dezember der mittlerweile traditionelle "Xmas-Gospel-Brunch", ein Gospelkonzert samt Buffet. "Im Dorf gibt es einen Kinder-Gospelchor, der ebenfalls auftritt."
In den ersten Jahren sei die "Hasli-Chile" ein "Durchlauferhitzer" gewesen für Leute, die nach einer Gemeinde suchten und verschiedene Orte prüften. "Als neue Gemeinde zieht man viele Gäste an. Aber es ist erfreulich, dass sich Menschen für den Glauben interessieren. Wir führen jährlich einen Alphalive-Kurs durch, und in jedem Jahr finden Menschen zum Glauben."
Am Dorffest
Man wolle keine Kirche sein, die sich in einem Haus verbarrikadiert. "Wir machen jeweils am Dorffest in Niederhasli mit. Einmal organisierten wir ein Bullenreiten, mit dem Hinweis, dass Kirche nicht stier sein muss." Dadurch habe man einen guten Zugang zu den Einwohnern gewonnen.
Beim 5-Jahr-Jubiläum der Gemeinde stand ein öffentliches "Body-Soccer-Turnier" auf dem Programm. Das Spiel ähnelt dem Tischfussball, wird allerdings in einem grösseren Kasten und mit echten Menschen durchgeführt wird. "Seither führen wir jährlich mit der Feuerwehr-Chilbi ein solches Turnier durch. Wir kommen mit dem Dorfleben in Berührung und die Menschen mit uns. Die "Hasli-Chile" ist nicht irgendein Gespenst."
Kirche bei Kaffee und Gipfeli
Die "Hasli Chile" ist vorwiegend im zürcherischen Oberglatt, Ober- und Niederhasli aktiv; ihr Name geht auf das Haslital zurück. Sie gehört zum Bund Evangelischer Gemeinden (BEG), der von Heinz Strupler geleitet wird.
Strupler: "Die "Hasli-Chile" ist ein gutes Tool, um auf Suchende zuzugehen." Neben dem monatlichen Brunch wird wöchentlich ein Gottesdienst durchgeführt. "Auch in diesen Gottesdiensten gibt es keine Stuhlreihen, sondern man sitzt mit Kaffee und Hörnchen am Tisch", schildert Strupler.
Die Hasli-Chile in Zahlen:
Markus Zeier
Website:www.haslichile.ch Gegründet: Im Jahr 2000. Anzahl der Besucher: 80 bis 100 Erwachsene sowie etwa 30 Kinder im Kinderprogramm. Tendenz bei den Besuchern: Ein paar sind weggezogen, manche wechselten zu anderen Gemeinden. Aber die Besucherzahl steigt. Anzahl der Mitarbeiter: Zwei Personen. Dazu kommen viele ehrenamtliche Helfer. Mit allen, die bei Alphalive-Kursen, Eheseminaren, Reinigung und beim Essensdienst mitmachen, seien es 40 bis 50 Personen. Missionare: Auf die Schweiz bezogen. Zudem werden Missionare und Werke unterstützt. Aktivitäten: Im Dorf engagiert mit Spielen auf dem Jahrmarkt, Kinderwochen, Kleingruppen, Ehe- und Alphalive-Kursen. Allianzen: Keine. Besonderes: Die Gründer der Hasli-Chile stammen aus der Chrischona, der ETG (Evangelischen Täufergemeinde), der Pfingstgemeinde, Baptistenkirche und der Landeskirche. Es ging ihnen aber nicht ums Abspalten, sondern darum, bewusst etwas Neues zu schaffen. Bevor die Gemeinde startete, wurden die Christen der Gegend informiert. Man wollte zum Beispiel den Pfarrern zu zeigen, dass man nicht ihre Kirchen leeren wolle. Angehörende Werke: Keine eigenen, aber mehrere über den Verband BEG/Newlife: www.evangelisation-explosiv.org www.omegalive.ch www.ministryschool.ch www.cise.ch www.youngleaders.ch www.iequip.ch www.istl.net www.beg-nli.ch
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